Bundestrainer-Debatte: Joachim Löws Bleiben offenbart die Planungslosigkeit des DFB. Liverpools Jürgen Klopp wäre die einzige Alternative gewesen.

Ein Bundestrainer, der mit der Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft schon in der Vorrunde krachend scheitert, aber nicht sogleich zur Verantwortung gezogen wird, sondern über sein Schicksal als wichtigster Fußballlehrer im Lande selbst bestimmen darf. Der trotz der historischen Pleite weiterhin alle Trümpfe in seinen Händen hält und nach ein paar sonnigen Tagen in der südbadischen Heimat für sich zu dem Schluss kommt, dass er nicht lassen will, kann oder soll. Ja, nichts scheint in Deutschland derzeit undenkbar zu sein: Joachim Löw bleibt Bundestrainer!

Armes Fußball-Deutschland, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für den schlimmsten Fall, der für den Weltmeister beim Turnier in Russland ja eingetreten ist, keinen Plan B hatte, sondern nur den Plan L. Dass DFB-Präsident Reinhard Grindel in seiner Ohnmacht ja fast dazu gezwungen war, den 58 Jahre alten Trainer im Nachhinein einen Persilschein auszustellen. Wer es zulässt, dass sich das Start-up Nationalmannschaft immer weiter vom Verband und damit von der Basis entfernt, darf sich aber über so viel Machtlosigkeit in sportlichen Entscheidungsprozessen aber auch nicht wundern.

Sektenähnliche Unternehmung

Der Einzige, der mit einem Ja zur Nationalmannschaft einen sofortigen Stimmungsumschwung hätte herbeiführen können, wäre wohl tatsächlich Jürgen Klopp gewesen. Aber der Trainer des FC Liverpool ist keiner für eine sektenähnliche Unternehmung, nein, Klopp ist einer, der seine eigenen Vorstellungen vom Fußball hätte einbringen wollen, der sich beim DFB sein eigene Jürgen-Klopp-Welt hätte schaffen wollen. Mit einem wie Oliver Bierhoff, der sich in den vergangenen Jahren beim größten Fußball-Verband der Welt mit Geschick so in Position gebracht hat, dass ihm an der Otto-Fleck-Schneise 6 grundsätzlich das letzte Wort zukommt, ist das unmöglich.

Löw hat unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Deutschland gesagt, dass es nun „klare Veränderungen“ brauche. An diesen Worten darf man ihn messen, ihn ganz persönlich, weil er nicht nur die Nationalmannschaft neu erfinden muss, sondern vor allen Dingen auch sich selbst. Er muss das Volk wieder gewinnen, für sich, für sein Team, für den deutschen Fußball. Zweifel sind dahingehend nicht nur erlaubt, sondern angebracht.