Berlin - 41 Sekunden dauerte das Video. Nach der Ankündigung der Spielorte Köln – von Robin Benzing – und Berlin – von Niels Giffey – waren ein paar Highlights der vergangenen Spiele der Nationalmannschaft zu sehen. Ein Block von Maxi Kleber, ein Dunking von Daniel Theis und weitere Emotionen sowie spektakuläre Aktionen der übrigen Nationalspieler. Genau 365 Tage vor dem Beginn der auf 2022 verschobenen Basketball-Europameisterschaft, bei der Deutschland Co-Ausrichter der Vorrunde und alleiniger Ausrichter der Finalrunde sein wird, präsentierte der Deutsche Basketball Bund (DBB) mit diesem kleinen Trailer einen emotionalen Appetizer, der Lust auf eben dieses Turnier machen soll. 

DBB möchte mit Trainerwechsel neuen Impuls setzen

Dass in diesem Clip kein Gesicht des Bundestrainers zu sehen war, stellte keinen Ausrutscher dar, sondern war der Tatsache geschuldet, dass der Vertrag von Henrik Rödl, trotz Qualifikation für die Olympischen Spiele und Erreichen des Viertelfinals in Tokio, nicht verlängert wurde. Neue Impulse wollte der Verband setzen, damit die Teilnahme an den Olympischen Spielen für die deutschen Basketballer kein einmaliger Höhepunkt gewesen sei.

Genau diesen Impuls verspricht man sich beim DBB von Gordon Herbert, der am Montag als neuer Bundestrainer vorgestellt wurde und sich gleich sehr offensiv und wenig defensiv in seiner sportlichen Ausrichtung präsentierte. Herbert will die deutsche Nationalmannschaft dauerhaft in der europäischen und auch der Weltspitze etablieren. „Es geht darum, Medaillen zu gewinnen. Bei der EM, bei der WM, bei Olympia. Egal bei welchem Turnier“, sagte er am Montag bei seiner Vorstellung.

Herbert unterzeichnete beim Deutschen Basketball Bund einen Vertrag über zwei Jahre mit der Option auf ein weiteres Jahr bis 2024. Dann finden in Paris die Olympischen Spiele statt – und Deutschland soll unbedingt wieder dabei sein. „Das ist natürlich das Ziel“, sagte der 62 Jahre alte Kanadier, der den deutschen Basketball bestens kennt. Schließlich arbeitete Herbert in Würzburg, Frankfurt und bei Alba Berlin und kennt die Bundesliga daher aus dem Effeff. „Das ist natürlich ein Vorteil. Ich kenne alle Trainer und die meisten Spieler“, sagte Herbert, der zuletzt für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes Kanada tätig war.

Neben seiner Bundesliga-Erfahrung sprachen auch die weiteren Stationen im internationalen Basketball für Herbert. „Er kennt auch den Fiba-Basketball und die NBA bestens“, sagte DBB-Vizepräsident Armin Andres. „Uns war schon wichtig, dass wir einen erfahrenen Trainer verpflichten. Wir wollten keine Experimente machen“, sagte DBB-Präsident Ingo Weiss. „Heute ist ein guter Tag für den DBB, für die deutschen Basketballer und für die Gegner bei der EM, die jetzt wissen, dass sie es mit einem Toptrainer zu tun bekommen.“

Die Europameisterschaft 2022 mit einer Vorrunde in Köln und der Endrunde in Berlin ist das erste große Ziel für Herbert. Zuvor stehen zwar noch vier Zeitfenster mit Spielen in der WM-Qualifikation auf dem Programm, aber der Fokus liegt natürlich auf der Heim-EM. Nachdem Deutschland 2015 trotz des Mitwirkens von Superstar Dirk Nowitzki in der Vorrunde in Berlin ausgeschieden war, soll es im kommenden Jahr besser laufen. „Wir wollen aufs Podium“, gab Herbert die Zielsetzung vor.

Gordon Herbert möchte Gespräche mit Spielern führen

Damit das auch wirklich gelingt, wird sich Herbert sofort in die Arbeit stürzen. „Ich will so schnell wie möglich die Strukturen und die Menschen kennenlernen“, sagte der Kanadier, der dafür extra nach Hagen in die Nähe der Verbandszentrale ziehen wird. In den kommenden Wochen und Monaten wird es für Herbert dann darum gehen, die Spieler in Deutschland, Europa und den USA zu besuchen. „Ich will mit allen persönlich sprechen und ihnen sagen: Es ist eine Ehre, sein Land zu vertreten.“

Diese Gespräche wird er wohl vor allem mit den NBA-Profis Daniel Theis, Maxi Kleber und Dennis Schröder führen müssen, die aus unterschiedlichen Gründen auf ein Mitwirken in diesem Nationalmannschaftssommer verzichtet hatten. Dass der mit dem Erreichen der Olympischen Spiele dennoch so erfolgreich war, spricht für das Potenzial im deutschen Basketball. Die größte Aufgabe des neuen Bundestrainer wird es von daher sein, die richtige Mischung zu finden, um eine Mannschaft zusammenzubauen, die auch bei der EM im kommenden Jahr für emotionale Bilder sorgt.