Berlin - Zwei erste Endspiele um das WM-Ticket? Nein, Gordon Herbert blendet den steigenden Druck vor dem wegweisenden „Israel-Doppelpack“ gelassen aus. „Jedes Spiel ist wichtig, wir müssen eins nach dem anderen spielen“, sagte der Basketball-Bundestrainer vor den Duellen mit dem Gruppenfavoriten in der WM-Qualifikation. Natürlich sei die Weltmeisterschaft das Ziel, so Herbert: „Aber erstmal müssen wir es in die nächste Runde schaffen.“

Doch nicht nur dafür sammelt die personell dezimierte deutsche Nationalmannschaft am Freitag in Tel Aviv (13.30 Uhr) und drei Tage später in Heidelberg (19.30 Uhr/beide MagentaSport) Punkte. Es geht schon in der ersten Gruppenphase indirekt um die Teilnahme an der WM 2023 in Japan, Indonesien und den Philippinen. Verliert Deutschland beide Spiele, darf in der zweiten Qualifikationsphase ziemlich sicher nur ein weiteres Team besser sein.

Grund dafür ist die Situation in der WM-Qualifikationsgruppe D, in der Deutschland nach zwei von sechs Spieltagen Dritter ist. Den Auftakt gegen Estland (66:69) hatte das Team bei Herberts Debüt in Nürnberg in den Sand gesetzt, ehe in Polen (72:69) ein knapper Sieg gelang. Doch der Kanadier trauert den vergebenen Punkten nicht nach. „Die Leute haben wahrscheinlich gedacht, wir schlagen Estland und verlieren gegen Polen. Das Gegenteil ist passiert“, sagte Herbert: „Jetzt haben wir zwei schwere Spiele gegen Israel, das zweimal gewonnen hat.“ Nach den Rückspielen in Estland und gegen Polen im Juni und Juli bleiben drei Nationen im Rennen um ein WM-Ticket. Diese bilden mit drei Mannschaften aus der Gruppe C eine neue Gruppe, dann muss wieder mindestens Rang drei her.

Während im Sommer für die beiden letzten Spiele in Phase eins mit Euroleague- und eventuell NBA-Profis zu rechnen sein dürfte, hat Herbert diesen Luxus diesmal nicht. So wird der aktuelle 13-Mann-Kader wenig mit dem Aufgebot für die Heim-EM im Herbst (1. bis 18. September) zu tun haben. Tel Aviv kommt für die Profis von Alba Berlin und Bayern München, die noch am Donnerstag in der Euroleague aktiv sind, auf keinen Fall infrage.

Für Heidelberg hofft Herbert „vielleicht zwei oder drei Spieler“ nachnominieren zu können. Alba Berlins Johannes Thiemann hat erst vor wenigen Tagen seine Bereitschaft erklärt, im zweiten Spiel dabei sein und helfen zu wollen. So oder so aber ist es ein kniffliges Kaderpuzzle, wie der 63-Jährige zugab. „Wenn du zu Beginn eines Fensters nicht weißt, wer deine Spieler sein werden oder ob noch welche hinzukommen, macht es das etwas schwierig“, sagte er. Wie schon im November muss Herbert, zumindest in Israel, auf einen international recht unerfahrenen Kader setzen, der von den alten Haudegen Robin Benzing (163 Länderspiele) und Bastian Doreth (92 Länderspiele) angeführt wird.