Dortmund - Ein passenderes Ende als dieses 2:3 (2:1) gegen Olympique Marseille hätte diese missratene Europapokalsaison von Borussia Dortmund wohl kaum finden können. Irgendwie war der deutsche Meister ganz gut, der erforderliche Sieg war nicht unmöglich gegen diesen lange Zeit lethargisch wirkenden Gegner, den der BVB mit vier Toren Unterschied hätte besiegen müssen.

Die Chancen waren da, aber irgendetwas fehlt dieser Mannschaft, in der fast alle Spieler ihre ersten Champions-League-Erfahrungen gesammelt haben. Und zumindest die wird die junge Mannschaft mit in die kommende Saison nehmen.

Aber es war gewiss nicht dieser Abend, an dem die Dortmunder die Achtelfinalteilnahme verspielten, im Gegenteil.

Der BVB begannen genauso, wie Trainer Jürgen Klopp sich das vorgestellte hatte: Ruhig aber beharrlich. „Dass wir ein höheres Risiko eingehen, ist klar, aber mit einem Maß an Defensive und nicht zu wild“, hatte Klopp angekündigt, und genau diesen Plan setzte die Mannschaft gekonnt um.

Spielverlauf wie gemalt für BVB

Der Ball lief gut, besonders der engagierte Jakub Blaszczykowski hatte zu Beginn viele gute Szenen, und der Pole traf auch zu einem günstigen Zeitpunkt zum 1:0 (23.). Sebastian Kehl hatte ein Kopfballduell im Strafraum der Franzosen gewonnen, sein Ball landete auf dem Fuß von Robert Lewandowski, der den Ball zum Torschützen Blaszczykowski weiterleitete.

Durchs Stadion wehte nun ein erster Hauch Europapokalmagie, und der BVB ließ sich davon beflügeln. Lucas Barrios vergab eine gute Gelegenheit, als er aus 15 Metern nur das Außennetz traf (28.), und einige Momente später setzte Sebastian Kehl zu einem Kopfball aufs Tor an und wurde von einem extrem hohen Bein des Franzosen Stéphane Mbia heftig am Kopf getroffen. Es gab einen Elfmeter, den Mats Hummels verwandelte (32.). Bitter war nur, dass Kehl mit einer Gesichtsverletzung ausgewechselt werden musste, Antonio da Silva ersetzte den Kapitän, der am Mittwoch Morgen Entwarnung gab.

Die vage Hoffnung auf das Wunder von Dortmund wurde mit diesem 2:0 aber immer konkreter, der Spielverlauf war für den BVB wie gemalt. Doch weil zum Wunder, dem Erreichen des Achtelfinals in der Königsklasse, nicht nur der hohe BVB-Erfolg, sondern auch ein Sieg des FC Arsenal in Piräus nötig war, war das über die Anzeigetafel vermeldete 2:0 für die Griechen ein kleiner Schock.

Nun war diese Partie für den BVB de facto ein Europa-League-Rückspiel, in dem er die 0:3-Hinspielniederlage von Marseille aufholen musste, um zumindest noch die Franzosen im direkten Vergleich zu überflügeln.

Dortmunds große Schwäche

Mit einem solchen Erfolg hätten die Dortmunder im kommenden Jahr zumindest noch im kleineren der beiden Europapokale mitspielen zu dürfen. Deshalb schmerzte Loic Remys Treffer zum 2:1 in der Nachspielzeit der ersten Hälfte sehr. Der Stürmer war nach einer Flanke von Morgan Amalfitano völlig frei vor dem BVB-Tor zum Kopfball gekommen.

Es war der erste Torschuss der Gäste in dieser ansehnlichen ersten Halbzeit, in deren Verlauf sich allerdings erneut die große BVB-Schwäche dieses Champions-League-Wettbewerbs gezeigt hatte: Die Mannschaft braucht zu viele Torgelegenheiten, und wieder einmal war Mario Götze jener Dortmunder, bei dem dieses Problem am deutlichsten zu sehen war. Hätte der Jungnationalspieler nur ein Drittel seiner Großchancen in diesem Wettbewerb genutzt, dann wäre der BVB wahrscheinlich nicht als krasser Außenseiter in diesen letzten Spieltag der Vorrunde gegangen.

Und auch gegen Marseille vergab er fabelhafte Möglichkeiten (18./32.). Doch in der zweiten Hälfte war der Zauber irgendwie verflogen.

Das Anschlusstor hatte dem BVB und seinen Fans den Glauben geraubt, Marseille hatte nun viel mehr Spielanteile, auch weil Olympique mehr investierte. Schließlich musste die Mannschaft gewinnen, um die führenden Griechen aus Piräus noch zu überholen. Und zumindest dieses kleine Wunder ereignete sich dann doch in Dortmund. André Ayew erzielte in der 85. Minute das 2:2, Mathieu Valbuena traf kurz darauf sogar das 3:2 (88.). Ein trauriges, aber passendes Ende für die Europapokalsaison des BVB im Jahr 2011.