Dortmund - Eingewickelt in einen riesigen schwarzen Schal humpelte Mario Götze am späten Dienstagabend aus dem Stadion. Sein Mantel hing irgendwie schräg an seinem Körper, der hochbegabte Fußballer wirkte noch ein Stück kleiner als sonst. Hinter dem jungenhaften Nationalspieler bestiegen gestandene Männer in edlen Klubanzügen von Olympique Marseille ihren Mannschaftsbus, Kerle mit kantigen Gesichtern und breiten Schultern.

Götze erschien vor dieser Kulisse wie ein verirrter Teenager, so, wie er in dieser gesamten Champions League-Saison irgendwie ein Fremdkörper geblieben war. „Es spricht für deren Qualität, wenn die vier Torschüsse haben und drei Tore machen“, sagte Götze staunend, nachdem sein BVB auch das finale Vorrundenspiel in der Champions League mit 2:3 (2:1) verloren hatte und damit als Tabellenvierter aus allen europäischen Wettbewerben ausgeschieden ist. Götze hat in den sechs Partien dieser Gruppenphase sicher ein Dutzend Mal aufs Tor geschossen, getroffen hat er gar nicht.

Einzelaktionen entscheiden Spiele

In dieser Liga der Superstars, wo oft außergewöhnliche Einzelaktionen Spiele entscheiden, so wie der fabelhafte Schuss von Mathieu Valbuena zum Siegtreffer für Marseille in der 88. Minute, der den Franzosen die Achtelfinalteilnahme bescherte, mangelte es Götze an Effizienz. Der 19-Jährige, der – wenn alles glatt läuft – irgendwann einmal der größte Einzelkönner des BVB sein wird, hatte auch an diesem Abend seine beiden Möglichkeiten ungenutzt gelassen.

Der BVB musste ja mit vier Toren Vorsprung gewinnen, und hätte Götze seine Großchance nach gut 40 Minuten zum 3:0 verwertet, wäre das Wunder plötzlich ganz nah gewesen. Stattdessen traf Loïc Rémy in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum 2:1. Am Ende bezeichnete Trainer Jürgen Klopp den Abend als „Spiegelbild unserer ganzen Champions League-Saison.“

Denn wie so oft hatte es gute Ansätze gegeben, der BVB war nach Treffern von Jakub Blaszczykowski (23.) und Mats Hummels (32., Foulelfmeter) sogar 2:0 in Führung gegangen, doch das Anschlusstor habe die Dortmunder dann endgültig „aus der Bahn geworfen“, sagte Götze. Zudem litten die Dortmunder erneut unter ihrem Verletzungspech. Vor dem Elfmeter zum 2:0 hatte Sebastian Kehl einen gegnerischen Fuß ins Gesicht bekommen, der Kapitän musste ausgetauscht werden, immerhin scheint kein Knochen gebrochen zu sein.

„Wenig mit Erfahrung zu tun“

Es war der erste Torschuss der Franzosen, Effizienz war die einzige Kategorie, in der Marseille eindeutig überlegen war. Und genau das war entscheidend, nicht nur in dieser Partie. „Die hatten drei Chancen und haben drei Tore gemacht, das ist hart“, sagte Klopp, der sich heftig gegen die These wehrte, dass die Hauptursache des Misserfolges der Mangel an Erfahrung in internationalen Wettbewerben war.

„Dass hat relativ wenig mit Erfahrung zu tun, viele unserer Fehler wären auch in der Bundesliga bestraft worden, aber da haben wir sie einfach nicht gemacht“, sagte der Trainer. Den naiven Gesamteindruck, den Dortmund in dieser Konkurrenz hinterließ, konnte Klopp aber nicht entkräften.

Anders als in der Bundesliga kann es in der Königsklasse beispielsweise viel Wert sein, auswärts nur knapp zu verlieren. Hätte der BVB in Piräus und in Marseille im Bemühen, irgendwie einen Punkt zu ergattern, jeweils ein Tor weniger kassiert, wäre die Ausgangslage vor diesem letzten Spieltag erheblich günstiger gewesen.

Zwölf Gegentore haben die Dortmunder insgesamt zugelassen, in den 15 Ligaspielen dieser Saison hat die Defensive hingegen nur zehn Treffer kassiert.

Dass der Meister eigentlich nur im Spiel in Piräus das schlechtere Team war, ist da nur ein schwacher Trost. Selten war so deutlich zu sehen, dass die Champions League eben doch anders funktioniert als andere Wettbewerbe. Sportdirektor Michael Zorc sprach dann auch von „viel Lehrgeld“, dass der BVB gezahlt habe.