Leverkusen - Die Anhänger von Bayer Leverkusen hatten sich so viel Mühe gegeben vor diesem großen Spiel gegen Manchester United. Es knisterte in der Arena, die ausnahmsweise einmal ausverkauft gewesen ist, und im Block mit den treuesten Anhängern wurde eine imposante Choreographie aufgeführt. Eine rot-weiße Herzfrequenzkurve, wie sie Vitaldatenmonitore auf einer Intensivstation zeigen, zog sich über die Tribüne, und darunter stand: „Für viele nur zwei Farben, für uns der Rhythmus des Lebens.“

Dann kam das Spiel und sorgte für Kopfschmerz beim Pillenklub. Mit 0:5 (0:2) ging das Duell gegen die Engländer verloren, wodurch die Überlebenschancen in der Champions League massiv gesunken sind. Wenn man so will, wurde Bayer Leverkusen an diesem Abend auf die Intensivstation der Champions League befördert.

Dabei hatten sie hoch konzentriert begonnen, in den ersten Minuten des Spiels strahlte die Werkself jede Menge Selbstvertrauen aus. Die Zweikämpfe wurden gewissenhaft geführt, zu Beginn wirkte eher Manchester verunsichert. Das Team des umstrittenen Trainers David Moyes steht ja massiv in der Kritik, es befindet sich derzeit nur auf dem sechsten Platz der Premier-League-Tabelle und war auch noch ohne den verletzten Stürmerstar Robin van Persie angereist.

Trotzdem passierte, was nicht hätte passieren dürfen. Stefan Reinartz, der nach wochenlanger Verletzungspause in die Mannschaft zurückgekehrt war, versuchte einen Hackentrick in der Hälfte der Engländer, Shinji Kagawa fing den Ball ab, und der folgende Konter landete über Ryan Giggs und Wayne Rooney bei Antonio Valencia, der den Ball über die Linie drückte (22.). Dieses Tor veränderte das Spiel.

Plötzlich wurde erkennbar, wie zerbrechlich das Selbstvertrauen der Rheinländer in so einem Duell gegen eine Autorität des Weltfußballs ist. Mit einem Mal war eine merkwürdige Unterwürfigkeit im Spiel, in engen Räumen fehlte der Mut zum Risiko, das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten war verschwunden. Und das zu Beginn so fröhliche Publikum erzeugte eine deprimierende Stille.

Nani sorgt für den Schlusspunkt

Manchester hatte die Sache jetzt unter Kontrolle, während die Leverkusener derart verunsichert waren, dass sie das zweite Tor für die Gäste gleich selbst erzielten. Eine halbe Stunde war gespielt, als Spahic einen Rooney-Freistoß ins Tor verlängerte. Es schien, als seien sie regelrecht froh, in die Pause zu dürfen nach dieser missratenen ersten Hälfte. Aber es wurde nicht besser. Nach 65 Minuten stocherte Evans den Ball nach einer Ecke zum 0:3 ins Leverkusener Tor und nach 77 Minuten drückte Chris Smalling den Ball aus drei Metern über die Linie. Wie bei den drei ersten Treffern hatte der großartige Wayne Rooney die Vorlage gegeben. In der 88. Minute dann sorgte Nani noch für den Schlusspunkt.

Der große Abend endete also in einem Desaster. Das ist besonders schlimm, denn für Bayer Leverkusen geht es immer auch um Anerkennung in solchen Partien. Der Klub spielt in der Champions League, aber die Großen aus Dortmund, München und Gelsenkirchen absorbieren die Aufmerksamkeit. Erst dieses fünfte der sechs Spiele Bayers in der Gruppenphase wurde live im frei empfangbaren Fernsehen übertragen, Werbung in eigener Sache haben sie sicher nicht gemacht.

Völlig aussichtslos ist die Lage allerdings nicht. Sollte Schachtjor Donezk in der letzten Partie in Manchester nicht gewinnen, was durchaus denkbar ist, reicht dem Werksklub ein Sieg in San Sebastian Anfang Dezember, um auf den zweiten Platz zu springen. Und das war nicht der schlechteste Trost am Ende dieses fürchterlich enttäuschenden Abends.