Manchester Prognosen, wie so ein Fußballspiel auf höchstem Niveau aussehen wird, haben auffällig oft wenig mit der Realität zu tun, die sich dann während der 90 Minuten auf dem Rasen tatsächlich ergibt. Insofern ist es bemerkenswert, dass der Verlauf des sehenswerten 1:1 (0:0) von Borussia Dortmund bei Manchester City ziemlich exakt den Vorhersagen der Experten entsprach. Beide Teams hatten im bisherigen Saisonverlauf neben tollen Offensivmomenten große Probleme mit ihrer Defensive, es war also naheliegend ein Fußballspiel mit vielen Torgelegenheiten zu erwarten. Und genauso ist es gekommen, wobei Borussia Dortmund insbesondere in der zweiten Hälfte die bessere Mannschaft war, und den Ausgleich erst in der 89. Minute durch einen zweifelhaften Handelfmeter hinnehmen musste.

Von Beginn an machte Manchester Druck, bereits nach wenigen Sekunden zog Samir Nasri aus 20 Metern ab, Roman Weidenfeller, der später noch zu einem der großen Helden dieses Abends werten sollte, wehrte den Ball mit großer Mühe ab. Sekunden später hatten die Dortmunder Glück, dass die tschechischen Schiedsrichter nach einem Rempler von Mario Götze gegen Sergio Aguero keinen Elfmeter gaben.
Den 3 000 Dortmunder Fans hatte dieser Beginn erst mal die Sprache verschlagen, und als sie sich nach acht Minuten gerade wieder halbwegs erholt hatten, kam der nächste Schock. Ein brillanter Heber von David Silva landete bei Aguero, dessen Schuss Weidenfeller erneut mit einer prächtigen Aktion abwehrte.

Duell zwischen Götze und Hart

Die erste Hälfte wurde zu einem Spektakel des Torhüterspiels, und alle die nach Joe Harts etwas unglücklicher Darbietung beim 2:3 von Manchester in Madrid am ersten Spieltag gespottet hatten, dass international mit einem englischen Torhüter nichts zu holen sei, bekamen einen brillanten Keeper zu sehen. Es entwickelte sich eine Art Privatduell zwischen Hart und Götze, das in der 39. Minute seinen Höhepunkt fand. Erst scheiterte Götze sieben Meter vor dem Tor an Hart, wenig später schoss der Nationalspieler aus elf Metern, Hart lenkte den Ball an die Latte. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte vereitelte er noch eine tolle Gelegenheit von Ilkay Gündogan. Aber auch Weidenfeller reagierte bei zwei weiteren Versuchen Agueros fabelhaft (27., 34.). Je länger die Partie dauerte, desto souveräner wurden die Dortmunder.

Dabei hatte Mats Hummels, der nach 74. Minuten mit einer Rückenverletzung vom Feld musste, noch in den Tagen vor der Partie angekündigt, man werde gegen Manchester defensiver und weniger riskant spielen als in der Bundesliga. Aber schon die Aufstellung nährte Zweifel an dieser modifizierten Grundhaltung. Jürgen Klopp hatte darauf verzichtet, den eher defensivstarken Kevin Großkreutz in seine offensive Mittelfeldreihe einzubauen, wie beim 5:0 gegen Borussia Mönchengladbach spielten Götze, Marco Reus und Jakub Blaszczykowski gemeinsam. Allerdings wurde Sven Bender in die Startelf nominiert, nach seiner Leisten-Operation erhielt er den Vorzug vor Sebastian Kehl.

Eine Schwächung war das nicht, Bender spielte stark im defensiven Mittelfeld und hatte seinen Anteil daran, dass Manchester nach der Pause längst nicht mehr so viele Chancen hatte, während die Dortmunder gefährlich blieben. Nach 54 Minuten gab es eine Fortsetzung des Duells Götze-Hart, wieder hielt der englische Schlussmann einen Schuss. Es passte, das nicht Götze, sondern Reus für die mittlerweile durchaus verdiente Dortmunder Führung sorgte. Der für den verletzten Javi Garcia eingewechselte Jack Rodwell spielte einen Fehlpass, Reus sprintete dazwischen und vollendete zur Führung (62.).

Manchester wirkte nun wie gelähmt, nur Hart agierte weiter auf Weltklasseniveau, wehrte Schüsse von Reus (65.) und Gündogan (67.) ab. Die beste Gelegenheit, die Partie zu entscheiden hatte aber Robert Lewandowski, der nach einer tollen Vorarbeit von Gündogan elf Meter vor dem Tor zum Schuss kam, den Ball aber am Tor vorbeilegte. Dann kam der Elfmeter, den Mario Balotelli zum Ausgleich verwandelte. Vor dem Spiel wären die Dortmunder sicher mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Nach diesem Spielverlauf fühlte sich das Ganze erst einmal an wie eine Niederlage.