Dortmund - Der allzu nachlässige Umgang mit Torgelegenheiten ist kein ganz neues Problem bei Borussia Dortmund, aber eigentlich hatten sie die Sache ganz gut in den Griff bekommen in der großartigen Vorsaison. Auf dem Weg ins Champions-League-Finale von Wembley waren sie in vielen Spielen beeindruckend kaltblütig gewesen. Doch in diesem Herbst ist die Schwäche wieder da. Und so hätte auch das mühsame 3:1 (1:0) gegen den SSC Neapel schon viel früher zu einer sehr entspannten Angelegenheit werden können. Wenn sie nur ihre Chancen besser nutzen würden.

Aber dafür haben sie das Hauptmotiv, das Jürgen Klopp ausgegeben hatte, überzeugend umgesetzt. „Nur nicht die Nerven verlieren“, hatte der Trainer gefordert, schließlich war sogar ein Szenario denkbar, in dem die Dortmunder ihre beiden abschließenden Spiele der Gruppenphase gegen Neapel und in Marseille gewinnen und trotzdem in die Europa-League absteigen. Durch diesen Sieg, mit dem sie das direkte Duell für sich entschieden (Hinspiel 2:1 für die Italiener) reicht nun ein Sieg in Marseille, um ins Achtelfinale einzuziehen.

Klopp hatte also gefordert trotz der schwierigen Tabellenkonstellation, das eigene Spiel durchzusetzen, und so begann Dortmund: selbstbewusst, mit einem klaren Kombinationsspiel und viel Zug in den Strafraum. Das Vertrauen in den eigenen Spielansatz scheint die jüngste Serie von drei Niederlagen nicht beschädigt zu haben. Der Ball lief gut, das Publikum war bestens aufgelegt. Und zu Beginn halfen sogar die Schiedsrichter. Nach acht Minuten wertete das Gespann ein Gezerre am Elfmeterpunkt zwischen Robert Lewandowski und Federico Fernándes als Foul des Argentiniers, und den Elfmeter versenkte Marco Reus im Tor.

Das beflügelte den Bundesligisten. Nach einer Viertelstunde kam Lewandowski nach einem wunderbaren Pass des überragenden Henrikh Mchitarjan an den Ball, schoss aber aus bester Position vorbei, Reus zirkelte einen gefährlichen Freistoß aufs Tor (18.), Mchitarjan veredelte ein tolles Solo mit einem gefährlichen Schuss, den Pepe Reina abwehrte. Allerdings hatte auch der SSC Neapel in dieser ersten Hälfte eine Phase der Dominanz, als Sven Bender sich zwei Mal mit blutender Nase an der Seitenlinie behandeln lassen musste. Er musste in der Innenverteidigung aushelfen, Mats Hummels und Neven Subotic sind ja verletzt und Manuel Friedrich ist in der Champions League nicht spielberechtigt.

Die beste Chance der Gäste vergab aber José Callejón, als er aus spitzem Winkel nur den Pfosten traf (29.). Und diese Grundkonstellation änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nicht. Der BVB malte wunderbare Spielzüge auf den Rasen, bis die finale Aktion vor dem Tor misslang. Nach 53 Minuten kam Reus am Ende eine Konters aus guter Position zum Abschluss, schoss aber nicht genau genug, zwei Minuten später hatte Blaszczykowski freie Bahn und spielte quer, statt den Ball einfach ins Tor zu versenken, bevor Mchitarjan die dritte Großchance vergab.

Aber die Dortmunder hatten Glück, dass diese Drangphase den SSC Neapel dazu veranlasste, selbst offensiver zu werden, statt zunächst einmal an der eigenen Stabilität zu arbeiten, und so ergab sich in der 60. Minute eine Konterchance, die kaum vergeudet werden konnte. Reus legte quer auf Blaszczykowski, der aus neun Metern zum 2:0 vollendete. Die komfortable Führung war allerdings schon elf Minuten später wieder verspielt, als Sebastian Kehl ein schlimmer Fehlpass unterlief und Lorenzo Insigne mit einem schönen Schuss auf 2:1 verkürzte.

Im Anschluss reihte sich auch Pierre-Emerick Aubameyang in die Liste der Chancenverschwender ein, als er alleine auf Reina zulief und am Fuß des Torhüters scheiterte. Aber drei Minuten später lupfte der Stürmer dann doch das 3:1 (74.), und dieses Tor und diese Führung schaukelten die Dortmunder dann irgendwie ins Ziel.