München. Auch am Dienstag waren die klubinternen Debatten mit Uli Hoeneß und Matthias Sammer in den Hauptrollen noch ein Thema, doch zumindest für 90 Minuten rückten sie in den Hintergrund. Der Auftakt in der Champions League gegen ZSKA Moskau stand für den FC Bayern an, und dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Präsidenten und dem Sportvorstand nicht auf eine neue Diskussionsgrundlage gestellt wurden, lag an einem beherzten und souveränen Auftritt des Titelverteidigers. 3:0 (2:0) gewannen die Münchner ihr erstes Gruppenspiel gegen den russischen Meister und Pokalsieger. Die Tore erzielten David Alaba (3.), Mario Mandzukic (41.) und Arjen Robben (68.).

Es war ein Spiel, das die Münchner mit jener Aggressivität eröffneten, die der Sportvorstand Sammer zuletzt vermisst hatte. „Dienst nach Vorschrift“, hatte der 46-Jährige nach dem 2:0 gegen Hannover 96 beklagt. Nun erlebte er – trotz, wegen oder unabhängig von seiner Schelte – eine Münchner Elf, die sich anschickte, die Gäste aus Moskau gleich in der Anfangsphase zu zerlegen. Alabas Führungstor aus 25 Metern durch einen direkten Freistoß, den der russische Nationaltorwart Igor Akinfejew unter der linken Hand durchrutschen ließ, ermutigte die Münchner zu weiteren forschen Angriffen. Angreifer Mandzukic verpasste wenig später allerdings nach einem hübschen Zuspiel von Rafinha freistehend das 2:0. Rafinha traf in der 20. Minute das Außennetz.

Ein kleines Kunstwerk

Die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola dominierte klar das Geschehen. Dass Bastian Schweinsteiger 70 Minuten lang erneut nur auf der Bank saß und von Kapitän Philipp Lahm im defensiven Mittelfeld vertreten wurde, wurde so gar nicht erst auf eine weitere echte Belastungsprobe auf internationalem Niveau gestellt, wie bereits phasenweise im Supercup gegen den FC Chelsea. Nur selten konnte sich der Tabellenführer der russischen Liga in der Offensive zeigen. Mehr als zwei Distanzschüsse von Ahmed Musa und Vitinho sprangen dabei erst einmal nicht heraus.

Stattdessen kamen die Bayern zu mehreren Großchancen, von denen Mandzukic eine weitere mit einem Kopfball an den Innenpfosten vergab, die nachfolgende ebenfalls per Kopf nach einer Freistoßflanke von Robben aber zum 2:0 verwertete. In der etwas weniger schwungvollen zweiten Hälfte kontrollierten die Bayern weiter das Geschehen und ließen mit Alabas Lupfer auf Robben und dessen Abschluss zum 3:0 noch ein kleines Kunstwerk folgen.

„Dieser Wettbewerb ist der schönste Wettbewerb der Saison“, hatte Pep Guardiola zu seiner Rückkehr auf die europäische Bühne gesagt, rund anderthalb Jahre nach seinem letzten Auftritt in der Champions League mit dem FC Barcelona. Die Debatte, die Sammer angestoßen und Hoeneß eingebremst hatte („Matthias muss aufpassen, dass er nicht über das Ziel hinausschießt“), kann er nun auch wegen des couragierten Auftritts seiner Mannschaft gelassen verfolgen, zumal sich Hoeneß und Sammer bemühen, den Tonfall zu mildern.

„Matthias meint es gut, aber was will er denn sagen, wenn wir wirklich mal schlecht spielen?“, sagte Hoeneß, zudem sei er weiterhin „froh, dass wir ihn eingestellt haben“. Auch Sammer sprach am Dienstag von einem „Super-Verhältnis“ zum Präsidenten: „Ich sage immer, Uli ist der Papa von Bayern. Und Papa muss dann immer wieder aufs Gesamtbild auch ein bisschen achten.“ Das sei „vollkommen in Ordnung“.

In der Sache sieht sich Sammer aber weiter im Recht. „Natürlich besteht etwas Sorge. Wenn wir dieses Jahr nicht Deutscher Meister werden, haben wir in vier Jahren einmal den Titel geholt. Das kann nicht der Anspruch des FC Bayern München sein“, befand er und verwies auf ein Zitat von Hoeneß, der den mittlerweile nach Florenz geflüchteten Mario Gomez in der Vorsaison scharf kritisiert hatte: „Es geht um den Impuls vom letzten Jahr, da hieß es ja auch von gut zu sehr gut. Deshalb jetzt von einem guten Niveau auf ein sehr gutes Niveau.“ Der Auftritt gegen Moskau, das dürfte auch Sammer so sehen, war über weite Strecken ein Schritt dorthin.