Als Exer war der Platz gleich neben der Schönhauser Allee einmal berühmt. Hier trug auch Hertha, damals noch als BFC Hertha 1892, bis 1904 seine Fußballspiele aus. Und in der DDR feierte der BFC Dynamo an dieser Stelle neun seiner zehn Meisterschaften und hin und wieder auch mal einen Sieg im damaligen Europapokal der Landesmeister. Dieser Glanz ist seit gut zwei Jahrzehnten vergangen. In dieser Woche aber kehrt internationales Flair in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zurück – zumindest für einen Tag. Wenn am Donnerstag (18 Uhr, ZDF) im Finale der Women’s Champions League der 1. FFC Frankfurt und Paris Saint-Germain das beste Team Europas ermitteln, wird auch Uefa-Präsident Michel Platini auf der Ehrentribüne Platz nehmen, neben Bundestrainerin Silvia Neid und der künftigen Nationalmannschaftschefin Steffi Jones.

Neue Technik in den Kabinen

Berlin hat sich viel Mühe gegeben, aus dem nicht mehr ganz so frischen Stadion wieder eine vorzeigbare Sportstätte zu machen. Innen und außen an der Haupttribüne wurden die grauen Wände weiß gestrichen, wo der Beton wie am Marathontor schon stärker bröckelt, werden lila Stoffbahnen der Uefa gespannt. Natürlich wurde der Rasen erneuert, er wird täglich gewässert und getrimmt. Und die Sicherheitszäune, die Zuschauer normalerweise vom Innenraum trennen, wurden für das Finale entfernt. „Für Berlin ist es eine Ehre, die Champions-League-Finals der Männer und Frauen erstmalig ausrichten zu dürfen. Wir haben uns auf diese Premiere gut vorbereitet“, sagt Berlins Sportsenator Frank Henkel. „Ein solches Finale in der eigenen Stadt kann vielleicht einige Mädchen und Frauen zu einem Berliner Fußballverein führen.“

Vor allem technisch hat Berlin den Jahn-Sportpark zum Finale noch einmal fit gemacht. Eine neue Lüftungsanlage wurde in den Kabinen der Spielerinnen installiert, die Wasser- und Abwasserleitungen wurden ausgetauscht. In den Fluren gibt es neue Brandschutztüren und Rauchmelder. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Sebastian Burkard von der Uefa. Das Stadion werde ein super Rahmen für das Finale sein.

Die Uefa ist zufrieden mit dem Standard

Zufrieden ist die Uefa auch mit dem Standard in den nicht mehr ganz modernen Kabinen, der noch fast dem der Bauzeit von 1986/87 entspricht. Die 22 Sitzplätze für die Spielerinnen sind original aus Holz und mussten nur etwas ausgebessert werden, wie Matthias Lück von der Sportverwaltung des Berliner Senats sagt. Die Holzsitze wirken hübsch rustikal. Neu sind aber die Massagebänke und Kühlschränke für die Erfrischungsgetränke oder den Partysekt, die am Montag geliefert wurden. Die alten Entmüdungsbecken gibt es im Kabinentrakt allerdings nicht mehr. Stattdessen wurden nun jeweils drei Badewannen eingebaut.

Vielleicht wundern sich die Spielerinnen im Sanitärbereich über die vielen verschiedenen Fliesensorten, wahrscheinlich werden sie dafür aber gar keinen Blick haben. Es ist aber wie eine Reise durch die Stadionepochen: Der dunkelbraune Boden zum Beispiel stammt noch aus der DDR, die helleren Fliesen in den Duschen markieren die Sanierung vor gut zehn Jahren, die weißen Fliesen wurden jetzt eingebaut. „Wir haben nur das Notwendigste gemacht“, sagt Matthias Lück.

Denn das Budget des Senats betrug nur 2,1 Millionen Euro, um den Jahn-Sportpark herzurichten. Forderungen hat die Uefa nicht gestellt, aber auf die Einhaltung ihrer Standards geachtet. So wurden Räume für die Dopingkontrolle eingerichtet. Für die männlichen Trainer der Teams wurden extra Umkleideräume abgetrennt. Etwas klein ist die Kabine für das Schiedsrichtergespann von Esther Staubli aus der Schweiz geraten: Tisch, vier Stühle, Kleiderhaken, das muss reichen.

Nur noch 500 Restkarten

Burkard rechnet am Donnerstag mit einem ausverkauften Jahn-Sportpark und 20 000 Zuschauern. Vielleicht wären ins Olympiastadion ein paar mehr Fans gekommen, dort wäre das Stadion aber halbleer. Daher hat sich die Uefa im Sommer 2014 für den kleineren Jahn-Sportpark entschieden. Lediglich 500 Restkarten sind am Montag noch in den Verkauf gegangen, die etwa in den Hertha-Shops angeboten werden. Daher wird es am Finaltag wohl kaum noch Tickets geben.

100 Journalisten werden von dem Finale berichten. Live ist das Spiel auch bei Eurosport und im französischen Sender TF1 zu sehen. Das Protokoll für die Siegerehrung steht fest. Das siegreiche Team wird ein paar Stufen zur Ehrentribüne erklimmen, vor der ein Podest installiert wird. Dort überreicht Uefa-Boss Platini die Trophy – vielleicht bleibt der Pokal ja in Deutschland.