An einem Mittwoch im November spielt der VfL Wolfsburg beim großen FC Barcelona. Die niedersächsischen U-19-Junioren, deutscher Meister 2011, haben das Wochenspiel der so genannten NextGen-Serie in der katalanischen Hauptstadt in ihren Terminkalender gepackt. Wolfsburg ist mit seinen Teenagern als einziger deutscher Verein in der von Geldgebern aus Abu Dhabi finanzierten und von einer englischen Agentur organisierten, verkappten Champions League bereits im zweiten Spieljahr dabei.

Es handelt sich noch um ein Einladungsturnier für inzwischen 24 Mannschaften in sechs Vierergruppen mit Hin- und Rückspiel. Zu Beginn dieser Saison ist als zweiter deutscher Klub Borussia Dortmund dazu gestoßen. Auch europäische Großklubs wie Paris St. Germain, Manchester City, Juventus Turin, der FC Chelsea, Titelverteidiger Inter Mailand, Ajax Amsterdam, der FC Liverpool und der FC Arsenal nehmen am Wettbewerb der „Stars von morgen“ (Eigenwerbung der Ausrichter) teil. Einige Partien werden gar live in Eurosport übertragen, unter anderem auch das Wolfsburger Hinspiel gegen Barcelona, das die Gäste nach Art des Hauses für sich entschieden: mit einem 5:0-Sieg.

Teilnahmezwang für Mannschaften?

Auf Gegner dieser Qualität trifft der Bundesliga-Tabellenführer in der Heimat nicht, das Messen auf höchstem europäischen Niveau bringt also durchaus neue Reize. Die jungen Spieler werden mehr gefordert. Womöglich werden sie überfordert, fürchtet nicht nur DFB-Sportdirektor Robin Dutt. Der Deutsche Fußball-Bund und mehrere hiesige Spitzenklubs verfolgen die internationalen Wochenspiele der nächsten Generation zu Recht kritisch.

Umso mehr, nachdem nun die Uefa angekündigt hat, sich die Champions League für Junioren einzuverleiben und alle Klubs, deren Profiteams sich für die Champions League qualifiziert haben, zur Teilnahme an den Nachwuchsspielen zu verpflichten. Es droht Raubbau an den jungen Körpern und Köpfen: Schon jetzt sind 18-jährige Toptalente extrem hin- und hergerissen zwischen den Erwartungen der Abiturprüfer, der Klubtrainer, der Eltern, der Berater, der DFB-Nationalteams, der Landesauswahl- und Schulmannschaften. Von Freundin und Freizeit mal ganz abgesehen.