Berlin - Gerüchte, Aufregung und Diskussionen in der Berliner Football-Szene hatte es schon seit ein paar Wochen gegeben. Und viele Fragen: Was ist los mit der im vorigen Herbst groß angekündigten European League of Football? Wie heißt das Berliner Franchise? Wird es das Unternehmen überhaupt geben? Hat Hauptinvestor Axel von Saldern, der vorigen November über ein neues American-Football-Team in Berlin noch sagte: „Ich glaube, das wird was wirklich Großes“, hingeschmissen? An diesem Montag bestätigte der frühere Adler-Topscorer Roman Motzkus als Mitgesellschafter das Aus dieses Berliner Franchise.

„Die Berliner Football Betriebsgesellschaft wird nicht wie ursprünglich geplant an der neugegründeten European League of Football (ELF) teilnehmen. Nach Angaben der ELF ist geplant, im Sommer dieses Jahres mit acht Mannschaften, sechs aus Deutschland sowie je einer aus Polen und Spanien, erstmals den Spielbetrieb aufzunehmen. In im Internet veröffentlichten TV-Interviews hatte der Commissioner der Liga, Patrick Esume, diese Teams als feststehende Teilnehmer benannt, und auch die Internetseite der ELF weist die Berliner als Teilnehmer aus. Aufgrund dieser kursierenden Aussagen sieht sich das Berliner Football Unternehmen veranlasst, die aktuellen Fakten korrekt darzustellen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Wesentliche, vorab schriftlich vereinbarte Punkte zwischen dem Team und den hinter der ELF stehenden Personen Zeljko Karajica und Patrick Esume seien „nicht in den finalen Vertrag eingeführt. Nachfolgende Gespräche brachen die Liga-Betreiber einseitig ab, und die Berliner wurden von der Teilnahme an der ELF ausgeschlossen.“

Es klingt nach einem Rausschmiss

Es klingt nach einem Rausschmiss. Zu genauen Vertragsinhalten will Motzkus nichts sagen. Das Scheitern der Verhandlungen findet er „sehr schade“. Er und seine Mitgesellschafter hatten in Berlin eigentlich schon alles organisiert, auch wenn Hauptinvestor von Saldern unter anderem aus gesundheitlichen Gründen sein Engagement für das Franchise, das mit einem Etat von 750.000 Euro in die erste ELF-Saison starten wollte, beendet hatte. Andere Investoren für die GmbH hatten sich gefunden. Ein Geschäftsführer stand parat. Das Trainerteam war bereit, loszulegen. Eine Mannschaft war zusammengestellt. Um das Poststadion als Spielstätte zu nutzen, hatten Gespräche mit dem Bezirksamt stattgefunden. Von Saldern hatte im Stade Napoleon, wo sonst die Berlin Adler trainieren, vier Container abladen lassen.

Auf der Homepage der Adler, die sich auf die Saison in der German Football League II vorbereiten, ist über ein eventuelles Berliner Franchise zu lesen: „Wir haben eine Anfrage erhalten, ob die geplante Mannschaft im Stade Napoleon trainieren könne. Wir hatten daraufhin genehmigt, vier Container für diese Zwecke auf unserem Gelände aufstellen zu lassen. Seit Januar haben allerdings keine weiteren Gespräche stattgefunden.“ Und auch kein Training. 

Teamnamen der früheren NFL Europe kehren zurück

Genau zwei Stunden nach der Pressemitteilung der Berliner GmbH um Motzkus veröffentlichte die ELF ihrerseits eine Mitteilung mit der Überschrift: „European League of Football holt Berlin Thunder und Köln Centurions zurück in die Show – Leipzig wird mit den Kings ein Standort der neuen Liga.“ Weiter heißt es in dem Schreiben: „Mit Berlin Thunder und den Köln Centurions kehren zwei weitere Teams der früheren NFL Europe auf die große Bühne zurück. Zudem treten die Leipzig Kings in der Premieren-Saison an. Hannover und Ingolstadt werden 2021 dagegen noch nicht dabei sein. Damit steht das Line-up der neuen Liga mit acht Mannschaften aus drei Nationen fest: Neben den Franchises aus der Hauptstadt mit neuen, starken Gesellschaftern, der Rhein-Metropole und Sachsen sind mit den Hamburg Sea Devils und Frankfurt Galaxy noch zwei Fan-Lieblinge aus NFL Europe-Zeiten am Start. Hinzu kommen die Stuttgart Scorpions sowie die Panthers Wroclaw aus Polen und die Barcelona Gladiators aus Spanien.“

Wer sind nun als diese „neuen starken Gesellschafter“, die plötzlich, drei Monate vor dem für 20. Juni geplanten Start der ELF, für das Berliner Franchise öffentlich aufgetaucht sind? Wer steckt hinter Berlin Thunder? Von der ELF gab es dazu am Montag zunächst keine weiteren Informationen. Nur den Hinweis, es liefen derzeit Gespräche für die Position des General Managers bei Berlin Thunder. Und ein Zitat von Zeljko Karajica, dem CEO der European League of Football sowie geschäftsführenden Gesellschafter der SEH Sports & Entertainment Holding aus Hamburg: „Wir sind stolz darauf, Berlin als Standort unserer Liga von Beginn an dabei zu haben.“