Jordan Torunarigha wurde beim DFB-Pokalspiel auf Schalke rassistisch beleidigt.
Foto: Maja Hitij/Bongarts

Berlin - Heute will das Präsidium des Landessportbundes (LSB) entscheiden, ob Stefan Chatrath als Stellvertretender Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission ihrer Organisation noch tragbar ist. Ja, ob es nicht sogar besser wäre, ihn komplett aus der Verantwortung zu nehmen. Die Tendenz ist eindeutig, was sich aus einer ersten Reaktion   Thomas Härtels ablesen lässt. Chatraths Äußerungen, so der LSB-Präsident, seien mit dem Leitbild des Landessportbundes unvereinbar. Dieses Leitbild würde sich nämlich gegen „jegliche Form von Diskriminierung, Extremismus, Gewalt und Missbrauch“ richten und „Sport als eine Einladung an alle“ verstehen. Jedwede andere Einschätzung der Sachlage würde auch verwundern, weil sich Chatrath mit einer Einlassung zum   Rassismus-Fall Jordan Torunarigha unmöglich gemacht hat. Sich in einem Maße disqualifiziert hat, dass der Verdacht einer bösartigen Gesinnung naheliegt.

Chatrath hatte sich in einem auf der Online-Plattform novo-argumente.com veröffentlichten Text noch einmal mit den Vorfällen beim Bundesligaspiel von Hertha BSC beim FC Schalke auseinandergesetzt, als Torunarigha rassistisch beleidigt worden war. Von Affenlauten berichtete der gebürtige Chemnitzer, aber auch Hertha-Kapitän Niklas Stark, der im Nachgang erzählte, dass der heulende Teamkollege zum Weiterspielen überredet werden musste. In dem Beitrag mit dem Titel „Die Leiden des jungen Torunarigha“ schrieb Chatrath indes unter anderem, dass Profifußballer Beleidigungen aushalten müssten, unterstellte dem früheren Junioren-Nationalspieler eine „emotionale Überreaktion“. Auch er halte es für rassistisch, „wenn im Stadion jemand Affengeräusche nachahmt, um schwarze Spieler zu beschimpfen“, das schon, war dann aber eine boshafte Frage auf: „Wäre es nicht möglich, dass Jordan Torunarigha sich verhört hat?“

Chatraths zweifelhafte Sicht der Dinge

Nun ist es so, dass Chatrath, nicht zum ersten Mal mit einer zweifelhaften Sicht der Dinge auffällig geworden ist. Beispielsweise beim Thema Doping. Hierbei sprach er sich dafür aus, die Einnahme und Nutzung von leistungssteigernden Mitteln und Methoden zu erlauben. Athleten, so seine Überzeugung, „dürfen ihren eigenen Körper schädigen, das kann ihnen niemand verbieten, solange wir davon ausgehen können, dass sie eigenverantwortlich handeln“. Klar, auch so etwas darf man denken und äußern, aber eben nicht in verantwortungsvoller Position. Insofern ist es nur konsequent, dass die University of Applied Sciences Europe noch am Dienstagabend Chatrath von seinen Aufgaben entbunden hat. Dort hatte er zuletzt als Studiengangsleiter für Sport- und Eventmanagement gearbeitet.