Berlin - Durchtrainierte Frauen, die in körperbetonten Kostümen tanzen und in den Pausen eines Basketballspiels akrobatische Showeinlagen bieten, sind nicht mehr zeitgemäß. Die Frauen treten als „attraktive Pausenfüller“ auf. Das zumindest sagt der Chef des Berliner Sportvereins Alba. Als ich diese Meldung am Freitag gelesen hatte, dachte ich zunächst an einen schlechten Scherz. Leider nein - es stimmt!

„Die Mädchen sagen auch, das hätten sie so nicht verdient. 25 Jahre auf diese Art, mit dieser Begründung zu beenden, ist der Mädchen nicht würdig“, wird die Chefin der Cheerleader in der Bild-Zeitung zitiert. Und spricht damit offen das aus, was viele Menschen in dieser Stadt denken: Was ist das für eine absurde Begründung? 

Ungesunde Prüderie

Dass die Frauen, bei denen nach Aussage ihrer Chefin von der Zahnärztin über die Psychologin bis hin zur Stewardess alles dabei ist, angeblich degradiert werden, weil Männer sie hübsch finden, verstehen nicht nur die Frauen selbst nicht. Natürlich sieht man(n) gerne hin - aber was ist schlimm daran, ästhetische Körper gerne zu betrachten? Was ist schlimm daran, einem Trupp hübscher Sportlerinnen gerne zuzusehen? Was ist das für eine neue, ungesunde Prüderie?

Müssen sich die Männer und Frauen, die professionell Beachvolleyball spielen, demnächst auch züchtig kleiden, weil sie in ihren Outfits zu sexy aussehen könnten? Dürfen männliche Tennisspieler sich kein neues Hemd anziehen, weil ihre weiblichen Fans (wie kürzlich geschehen) davon Videos machen und sich im Internet über den ansehnlichen, weil durchtrainierten freien Oberkörper des Mannes freuen? Vielleicht sollten unsere Sportler, egal ob männlich oder weiblich, künftig nur noch in Burka antreten, lediglich die Farbe der praktischen Ganzkörperbekleidung würde dann Aufschluss darüber geben, ob hier gerade Männer oder Frauen am Start sind. 

Im Iran wurde ein seit fast 40 Jahren bestehendes Verbot vor kurzem aufgeweicht. Es besagte, dass Frauen nicht ins Fussballstadion dürfen, da sie vor dem Anblick von halbnackten Männer und dem vulgären Umfeld geschützt werden müssten. Unter dem Druck der FIFA wurde diese Regelung nun etwas gelockert, zumindest bei Länderspielen dürfen Irans Frauen nun endlich ins Stadion. 

In Berlin, dieser hippen, modernen, fortschrittlichen und weltoffenen Stadt, geht der hiesige Basketballverein Alba den entgegengesetzten Weg. Und wirft die Cheerleader aus der Arena - um sie vor begehrlichen Blicken und vulgären Fans zu schützen. Dass ausgerechnet der Vereinsvorstand den Frauen damit unmissverständlich den Stempel „Sex-Objekt“ aufdrückt, scheinen die verantwortlichen Herren dabei nicht zu verstehen.

Vorauseilender Gehorsam der Alba-Chefs

Nein, ich glaube nicht, dass die Entscheidung tatsächlich den Zeitgeist der Gesellschaft widerspiegelt. Menschen sehen sich gerne andere Menschen an, wenn sie sie attraktiv finden. Das liegt in unserer Natur, und daran ist nichts, aber auch gar nichts verwerfliches, solange es auf gegenseitiger Freiwilligkeit geschieht.

Ich unterstelle den Verantwortlichen bei Alba daher an dieser Stelle, dass sie diese Entscheidung aus folgendem Grunde getroffen haben: Aus Angst, ins Visier einer Minderheit zu geraten, die hinter Cheerleading Sexismus in Reinform vermutet. Dass das früher oder später passiert wäre, ist im heutigen Berlin vermutlich sogar anzunehmen. Sich diesem Druck in vorauseilendem Gehorsam zu beugen, ist allerdings ein falsches Zeichen.

Mein Vorschlag: Lasst die Cheerleader entscheiden, ob sie weiterhin auftreten wollen. Das wäre respektvoll den Frauen gegenüber. Alles andere nicht.