Christopher Lenz vom 1. FC Union.
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BerlinChristopher Lenz muss nicht lange überlegen, wie er die aktuelle Situation seiner Kollegen und sich selbst einzuordnen hat. „Das gerade“, so der Verteidiger des 1. FC Union, „ist mit Sicherheit die skurrilste Situation meines Lebens.“

Wochenlang war der 25-Jährige zum Heimtraining verdonnert, die Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen ließen auch wenig mehr zu, als die Aktivitäten, die ihm vom Verein als Hausaufgabe aufgetragen wurden. Laufen, Fitness, noch mehr laufen – mehr war nicht drin. „Danach hatte ich viel Zeit für meine Playstation“, erklärt Lenz, der leidenschaftlich gern das Spiel „Fortnite“ spielt, lachend in einem Videotelefonat.

Tägliche Abwechslung? Fehlanzeige. „Manchmal hatte ich tagsüber keine richtige Lust, die Läufe zu absolvieren, dann habe ich sie ein bisschen nach hinten verschoben und abends nachgeholt.“ Echter Kontakt zu Freunden und Verwandten war tabu. „Meine Oma und meinen Onkel habe ich regelmäßig angerufen, beide gehören zur Risikogruppe“, erinnert sich der Unioner. Nur seine Mutter wollte er wenigstens einmal sehen. „Ich habe sie dann im Garten besucht und wir haben extrem viel Abstand voneinander gehalten, bestimmt acht Meter oder so.“

Zweikampf mit einer Stange

Umso glücklicher ist Lenz, der vor der Corona-Pause zu Unions Senkrechtstartern der Saison gehörte, dass er seit Montag wieder trainieren darf. „Ich bin jetzt auf jeden Fall glücklicher als vorher“, erklärt er und präzisiert: „Einfach mal einen Ball am Fuß haben, einen echten Alltag zu haben, das macht wieder Spaß.“

Den trübt auch die ungewöhnliche Trainingszeit nicht. Wenn Lenz, wie am Mittwoch, zur frühen Trainingsgruppe gehört, trifft er sich mit vier Mitspielern schon um acht Uhr an der Alten Försterei. Die Spieler sollen möglichst pünktlich – also vor allem nicht zu früh – im Stadion sein, dann wird trainiert. Vor allem Technik, lange und kurze Pässe und immer wieder Ausdauer, um das Laufpensum weiter hochzuhalten. Es gelten auch auf dem Trainingsplatz die Regeln zum Sicherheitsabstand, direkter Körperkontakt ist tabu. „Einen Zweikampf habe ich vielleicht mal mit 'ner Stange“, scherzt der Defensivspieler, der auf dem Platz gegen die Gegenspieler eigentlich gerne auch rustikaler zulangt.

Derzeit gehen Lenz und seine Mitspieler davon aus, dass die Saison Anfang Mai weitergeht. Egal, ob es dann auch wirklich so kommt oder nicht, „es ist für uns wichtig, dieses Ziel zu haben, worauf wir hinarbeiten können.“ Auch weil Lenz nach den Wochen zuhause nicht bei vollster Fitness ist. Wie wohl keiner seiner Teamkollegen. Auch deshalb sagt er: „Sollte die Saison am Ende wirklich noch abgebrochen werden, würden wir als Mannschaft mit Sicherheit bis in den Sommer hinein weitertrainieren. Eine dermaßen lange Pause würde kein Profi verletzungsfrei überstehen.“ Es ist so, wie Lenz sagt: Die wohl skurrilste Situation, die es jemals gab.