Berlin - Er hatte viel zu tun in der Länderspielpause. PR-Termine, Autogrammstunden. „Immer, wenn Susi (Teamleiterin Susanne Kopplin; Anm. d. Red.) einen braucht, muss ich dann ran“, erklärt Christopher Lenz mit einem Augenzwinkern. Als einziger Ausweg bleibt da wohl nur, künftig mal in die Nationalmannschaft berufen zu werden. So wie jüngst sein Freund und Pendant auf rechts, Christopher Trimmel. „Seitdem der das geschafft hat, sehe ich ihn mit ganz anderen Augen“, scherzt Lenz, „aber das Siezen kann er trotzdem vergessen.“ Sie bleiben beim Du.

Lenz bedauert indes ein wenig, dass Unions Kapitän, der nach neueinhalb Jahren wieder ein Länderspiel für Österreich absolvierte, keinen ausgeben muss. Das ist bei den Eisernen nämlich gelebte Team-Tradition – fürs erste Länderspiel, fürs erste Spiel als Kapitän, fürs erste Bundesligator. „War ja nicht sein erstes“, sagt Lenz, „nur das erste für Union. Aber privat werde ich ihm da schon noch was rauslocken“, erklärte der in Neukölln geborene Linksverteidiger. Es scheint, als ob die nächste Runde im Kaffeehaus in Mitte auf Kosten des Österreichers gehen wird.

Strafkasse mit Polter

Nicht das einzige Beispiel übrigens, das zeigt, dass der frühere Herthaner bei den Köpenickern mittlerweile voll integriert ist. Mit seinem Banknachbarn Sebastian Polter befindet sich der 25-Jährige in ständigem Austausch. Und sei es nur, um sich darüber zu einigen, wer denn jetzt den nächsten Strafeuro zu berappen hat. Eine gegenseitige Abmachung der beiden, damit sich keiner zu sehr breit macht in der Kabine vor dem Spind des anderen. „Polti hat das zwar eingeführt, aber er hat sich da ein Eigentor geschossen“, sagt Lenz. „Ich sehe seine Badeschlappen häufiger über meine oder sein Handy bei mir liegen oder wenn ich dann mal ein T-Shirt da sehen. Von dem ich weiß, dass es nicht meins ist.“ Dann klingelt die in Polters Schrank aufbewahrte Streitkasse. Am Saisonende hilft der Pott beiden – und sei es nur für ein gemeinsames Essen.

Polter konnte zuletzt wegen seiner Rot-Sperre nicht mithelfen auf dem Feld. Auch wenn der Publikumsliebling darauf brennt, nun wieder mitmischen zu dürfen. Lenz hingegen wurde von Trainer Urs Fischer nach auskurierter Verletzung sofort wieder reingeworfen. Vorbei also die Zeiten wie im Vorjahr, als er sich auf der linken Abwehrseite hinter Routinier Ken Reichel, 32, anstellen musste. Ein deutliches Zeichen für die veränderte Hackordnung. „Natürlich ist mir das auch aufgefallen. Es tut schon gut zu wissen, dass der Trainer einem da das Vertrauen schenkt. Und natürlich freut einen das. Aber ich wäre echt dumm, wenn ich mich jetzt drauf auszuruhen. Da habe ich zu sehr das letzte Jahr noch in Erinnerung“, meinte Lenz, der die einhalbjährige Leihe nach Kiel und dann das Lehrjahr auf der Bank in der Vorsaison gut genutzt hat.

Karriere auf Umwegen

„Natürlich war das ein Weg mit gewissen Umwegen. Aber ich bereue keinen einzigen Schritt davon. Jetzt bin ich da, wo ich immer hinwollte“, meint der 1,80 Meter große Außenbahnspieler, der jüngst auch im Mittelfeld vor einer Dreierkette agierte.

Fraglich ist, ob Fischer am Sonnabend im Heimspiel gegen Freiburg (15.30 Uhr) erneut auf diese Variante setzt. Weiter einstudiert wurde sie diese Woche jedenfalls. „Ich komme mit beiden Sachen zurecht. Bei einer Dreierkette kann man ein bisschen mehr nah vorne machen, man muss aber aufpassen, dass man sich nicht zu sehr auf die drei hinter einem verlässt und dann dadurch Lücken entstehen wenn man zu offensiv denkt. Das ist uns in Wolfsburg in den ersten Minuten fast passiert“, gibt Lenz mit entwaffnender Ehrlichkeit zu.

Das soll gegen die Breisgauer diesmal nicht passieren. Schließlich muss Union nach vier Niederlagen in Folge mal wieder was Zählbares mitnehmen. „Man musste ja damit rechnen in der Bundesliga“, sagte Lenz, der übrigens knappe Niederlagen wie gegen Bremen (1:2) und Frankfurt (1:2) schwieriger abhaken kann, als deutliche Pleiten wie gegen Leipzig (0:4) oder in Leverkusen (0:2). „Da überlegst du dann immer viel mehr, warum das so gekommen ist. Da hängt man dann viel mehr in den Seilen und grübelt nach.“

Klar ist: Aus dem Wochenende will Lenz ohne ein erneutes Negativerlebnis rausgehen. Das sei aber freilich kein leichtes Unterfangen. „Freiburg ist ein der Überraschungsmannschaften dieses Jahr. Wir wissen aber auch, dass jeder Lauf einmal endet.“ Der Überraschungsspieler will dabei helfen.