Christopher Trimmel konzentriert sich auf das Training bei der österreichischen Nationalmannschaft.
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Berlin-KöpenickEs gibt nicht wenige, die Christopher Trimmel das nicht zugetraut haben. Nicht wenige, die davon ausgegangen sind, dass der 32 Jahre alte Österreicher beim Versuch, sich in der Bundesliga zurechtzufinden, scheitern wird. Zu langsam! Zu eindimensional! Aber denkste.

Trimmel, der seit Sommer 2014 die eisernen Farben trägt, ist bei Union auch in der höchsten deutschen Spielklasse gesetzt und damit auch ein wichtiger Erfolgsfaktor. Mit Cleverness, die sich aus Erfahrung speist, und Spielintelligenz, die einem wohl von Natur aus gegeben ist, kompensiert er seine Defizite in Sachen Tempo und Technik, ist weiterhin der erste Ansprechpartner für Trainer Urs Fischer, der ja schon im Sommer ein klares Bekenntnis abgegeben hatte: Trimmel bleibt mein Kapitän.

Und Trimmel geht in dieser Rolle auf. Als zuverlässige, mit Sozialkompetenz ausgestattete Führungskraft im täglichen Miteinander der Profis, aber auch als eloquenter Ansprechpartner für die Medienvertreter. Nichts ist ihm dahingehend zu viel, er steht Rede und Antwort, spricht offen über die Mannschaft und sich, was sich in diesen Tagen in sportlicher Hinsicht ja gern mal deckt. Hören wir noch mal rein, was er nach dem 3:2 in Mainz, dem zweiten Sieg hintereinander, zum Besten gegeben hat: „Das ist natürlich sehr wichtig für die Psyche. Unsere Entwicklung in den letzten Wochen ist sehr gut. Wir sind endlich angekommen in der Bundesliga! Wir hatten anfangs Spiele in Leverkusen oder gegen Leipzig, wo wir sehr passiv waren. Das war nicht unser Spiel. Wir haben aber erkannt, dass wir unser Ding durchziehen müssen. Das machen wir jetzt. Wir haben den Respekt abgelegt und uns an das Tempo gewöhnt. Wir machen jetzt so weiter wie in der Zweiten Liga. Und mit unserer Mentalität können wir jeden Gegner ärgern. Das müssen wir Woche für Woche bestätigen.“

Exzellenter Vorarbeiter

Gegen Mainz leistete er bei allen drei Treffern die Vorarbeit („Wenn der Ball richtig in die Zone kommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es ein Tor gibt“), demonstrierte zudem in einem Fünfer-Mittelfeld, dass er mehr sein kann als ein Rechtsverteidiger. Und womöglich ist diese taktische Flexibilität auch der Grund dafür, dass Österreichs Nationaltrainer Franco Foda ihn auch für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele gegen Nordmazedonien (am Sonnabend in Wien) und Lettland (am Dienstag in Riga) nominiert hat.

Er selbst hatte damit ja gar nicht gerechnet, weil Borussia Mönchengladbachs Stefan Lainer, für den er bei den Spielen gegen Israel (3:1) und Slowenien (1:0) in den Kader gerutscht war, wieder einsatzfähig ist. Trimmel sagt: „Mich freut es, dass es wieder geklappt hat. Ich werde jetzt alles geben. Und ich hoffe, dass wir mindestens ein Unentschieden gegen Nordmazedonien holen, dann sind wir qualifiziert. Das ist unser Ziel.“ Aber eben auch sein ganz persönliches Ziel.

Auf gerade mal fünf Länderspieleinsätze ist er bis dato gekommen, war immer irgendwie auf dem Sprung, aber eben nie bei einem großen Turnier mit von der Partie. „Unabhängig von Verletzungen ist es natürlich wichtig, dass man im Klub seine Leistungen kontinuierlich bringt. Das ist mir bislang gelungen. Ich mache einfach so weiter und dann schauen wir mal. Aber die EM ist ein Traum, natürlich“, sagt er nun. Und fährt fort: „Ich kann das schon einordnen. Das ist meine letzte Chance auf ein großes Turnier. Aber man muss ja auch Ziele haben.“