BerlinViel Zeit zum Verschnaufen hatte Unions Kapitän Christopher Trimmel nicht. Kaum zurück von der Länderspieltour mit Österreich ging die Punktehatz für den Fußballer auf Schalke weiter. Die normale Trainingswoche in Köpenick danach war fast so etwas wie Erholung für den 33-Jährigen. Vor dem Spiel gegen Freiburg am Sonnabend (15.30 Uhr) gab er der Berliner Zeitung exklusiv ein Interview.

Herr Trimmel, Sie kommen mit den Länderspieleinsätzen Nummer neun und zehn zurück. Sehen wir Sie jetzt fest im Kader für die EM 2021?

Das kann man gar nicht so beurteilen. Wichtig ist in erster Linie, dass du beim Verein Leistung bringst und gesund bleibst. Die Situation ist nicht so einfach, gerade beim Nationalteam. Wenn man bedenkt, auf welche Dinge man schauen muss, damit jeder in seiner Blase bleiben kann. Man wird beim Nationalteam von der Uefa ständig getestet. Man muss sehen, wie alle damit umgehen, dass im Winter durchgespielt wird. Das ist eine neue Situation. Das große Ziel Europameisterschaft ist noch weit weg. Aber klar, ein Ziel ist es natürlich.

Bewahren Sie alle Ihre Trikots von Länderspielen auf?

Die gehen meist alle in die Familie. So viele sind es ja nicht. Ich war jahrelang nur so etwas wie der Rekord-auf-Abruf-Bereit-Steher als Nationalspieler. Auch jetzt haben bis zu 14 Akteuren gefehlt. Aus Verletzungsgründen oder wegen Corona. Die ganzen Salzburger durften nicht kommen. Näher rangerückt bin ich schon. Und dass ich ein paar Positionen spielen kann, ist ja für ein Turnier vielleicht auch nicht von Nachteil. Da muss man ja auch mal improvisieren. Daher bin ich ganz entspannt.

Kommen wir mal zu Union. Das Team hat fünf Punkte aus den ersten vier Spielen. Ist das wirklich besser als im Vorjahr?

Ja, kann man schon sagen. Im letzten Jahr wurden wir gleich überrumpelt im ersten Spiel. Das gab’s diesmal nicht, auch wenn wir verloren haben. Aber ich glaube nicht, dass wir die schlechtere Mannschaft waren gegen Augsburg. Wir hatten mehr Chancen, mehr Spielanteile. Und haben dann individuelle Fehler gemacht. Aber unterm Strich war das kein schlechtes Spiel. Wir hatten bis jetzt kein Spiel, von dem wir sagen mussten: Scheiße, dass können wir viel, viel besser machen.

Ist das gute Standing jetzt auch den Ansetzungen geschuldet? Im Vorjahr hatten Sie zu Saisonbeginn ja fast nur mit Mannschaften zu tun, die Champions League und international gespielt haben.

Nein, es ist schon eine Entwicklung bei uns da. Natürlich haben wir auch wieder Qualität im Kader dazubekommen. Auch diesmal war ja das schwierige Auswärtsspiel in Gladbach dabei. Da war es genauso ein gutes Spiel. Daher wissen wir, wo wir stehen. Und wir wissen auch, dass wir bei jedem Spiel diese Leistung abrufen müssen, weil es für uns einfach keine leichten Gegner gibt.

Was sagen Sie denjenigen, die sagen, dass Union trotz des Glücks der Ansetzungen zwei bis drei Punkte zu wenig auf dem Konto hat?

Mir geht es in erster Linie um die Leistung. Man kann auch mal verlieren, wird auch mal verlieren. Wir sind am Beginn der Saison. Wir sind mit der Entwicklung zufrieden, mit den Auftritten bis jetzt. Das wollen wir so lange wie möglich weiterführen.

Jetzt steht die Partie gegen Freiburg an, dann gegen Hoffenheim und Bielefeld – drei Spiele, in denen man das Punktekonto aufpolstern muss, oder?

Ich hoffe es. Wir brauchen Punkte. Und ja, wenn man sich vor der Saison hingesetzt hätte, dann hätte man gesagt, mit Bielefeld ist man auf Augenhöhe. Wir sind ja trotzdem wieder eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt spielt. Da gehört Bielefeld auch zu. Jede Mannschaft hat die Qualität, eine andere zu besiegen. Wir gehen daher jede Partie einzeln an. Jetzt geht es erst mal um Freiburg.

Hat die Götterdämmerung in dieser Saison bei Ihnen eingesetzt?

Warum?

Zweimal wurden Sie schon ausgewechselt und zwar nicht in den Schlussminuten aus taktischen Gründen. Und: Die Formel Ruhender Ball ist Trimmel-Ball gilt nicht mehr zu 100 Prozent.

Das mit den Auswechselungen war beide Male meinen Gelben Karten geschuldet, so ehrlich bin ich. In Gladbach haben wir lange gut verteidigt, dann kriegst du mal 'ne Gelbe, weil du ein Foul gezogen hast. Wenn du dann so einen wie Thuram gegen dich hast, wird das schon eng. Da muss man aufpassen. Und dann ist es auch logisch, dass der Trainer irgendwann sagt, das Risiko gehen wir nicht ein. Gegen Mainz war es ähnlich. Das Spiel war eigentlich schon durch, da versteht man so einen Wechsel. Auch wenn es mich trotzdem ärgert. So ehrlich bin ich da schon.

Also keine Verschnaufpause, weil der Zahn der Zeit nagt? Mit 33 Lenzen haben Sie ja fast ein biblisches Alter  für einen Fußballer erreicht …

Nein, nein, nein. Ich brauche keine Pausen. Ich bin wirklich davon überzeugt, dass es drauf ankommt, wann man mit Fußball angefangen hat, wie lange du diesen Sport schon professionell ausübst. Es ist ja kein Geheimnis, dass es ein Leistungssport ist. Du übst ihn täglich aus. Du bist schon öfter verletzt gewesen und nimmst das mit. Es ist natürlich für den Körper anstrengend. Aber ich bin erst mit 23 Profi geworden, mit 24 richtig dabei gewesen. Ich bin also in meinem neunten richtigen Profijahr. Das ist nix. Wenn ich bedenke, andere ackern mit 17, 18 in der Akademie schon jeden Tag – das hatte ich nicht. Ich fühle mich super. Meine Werte sind top. Das geht sicher noch ein paar Jahre. Wenn ich das Level halten kann.

Und all die Eck- und Freistöße?

Wir haben intern analysiert, wenn ich Ecken von links schieße, ist es ein langer Weg zurück auf meine Stammposition. Dadurch haben wir schon das ein oder andere Gegentor gefangen, beispielsweise gegen Augsburg. Außerdem haben wir den ein oder anderen in unseren Reihen, der das auch kann. Wir sind da etwas flexibler geworden.

Kann sich der Union-Fan auf weitere Jahre mit CT28 bei den Eisernen freuen?

Mein Vertrag läuft ja erst mal bis zum Sommer. Dann schauen wir weiter.

Wenn Sie eine Option eingebaut hätten, dass er sich bei zehn Assists automatisch verlängert, wäre das schon fast geklärt. Drei stehen ja schon wieder auf dem Konto.

Wäre 'ne Idee gewesen. Aber das ist jetzt kein Problem für mich.