Die Wahl der erhabenen Kulisse ist natürlich kein Zufall gewesen. Die Ankündigung, für die Aleksandar Boricic, der serbische Präsident des Europäischen Volleyball-Verbandes (CEV), nach Berlin gereist war, sollte ja ein Signal, eine gewisse Bedeutsamkeit aussenden. Nachdem Boricic im Roten Rathaus über den Roten Teppich die Stufen zum neun Meter hohen Säulensaal erklommen hatte, verkündete er unter der Kreuzrippendecke: „Mit den Super Finals 2019 läuten wir eine neue Ära im europäischen Volleyball ein.“

Am 18. Mai werden zum ersten Mal in der Volleyball-Geschichte die Finalspiele der Männer und Frauen in der Champions League an einem Ort ausgetragen: in der Berliner Max-Schmeling-Halle. „8 500 Sitze warten darauf, gefüllt zu werden“, hieß es in einer Sequenz des Promotionvideos für die sogenannten Super-Finals, das zwischen den Säulen über zwei Leinwände flimmerte.

Bislang gipfelte die Champions League im Volleyball in zwei Final-Four-Turnieren für Männer und für Frauen in unterschiedlichen Städten, der Gastgeber nahm automatisch teil. Jetzt soll die sportliche Qualität mehr Gewicht bekommen, der fade Beigeschmack weichen, ein Klub könnte sich die Finalteilnahme mit der Ausrichtung des Turniers erkaufen. „Die wirklich besten Teams sollen im Finale stehen“, sagte Boricic. Und das Finale sollte an einem zentralen, repräsentativen Ort in Europa stattfinden: „Wir wollten in eine richtig große Stadt. Berlin ist eine einzigartige, große Stadt mit einem starken Volleyballverein.“

Kaweh Niroomand, der Manager dieses starken Volleyballvereins hatte bei der vergangenen CEV-Tagung für Berlin geworben. Sein Geschäftsstellenteam des deutschen Meisters BR Volleys hatte schon 2015 mit der Organisation des Champions-League-Finales für Eindruck gesorgt. „Heute ist ein wichtiger Tag für den europäischen Volleyball, für den deutschen Volleyball, für den Volleyball in Berlin“, sagte er im Roten Rathaus, „zum ersten Mal arbeiten ein Klub, der nationale Verband und die Liga hierbei zusammen. Das sollte ein Start für weitere große Volleyball-Events in Deutschland sein.“

Bleiben die Super-Finals länger in Berlin?

Tatsächlich sollen die Super-Finals eventuell über 2019 hinaus in Berlin etabliert werden. „Vielleicht gefällt es uns, ein bisschen länger zu bleiben“, deutete Boricic an. Die CEV schüttet ein Preisgeld von insgesamt 1,2 Millionen Euro aus: 400 000 Euro für die Sieger bei Männern und Frauen, 200 000 für die Finalverlierer. Das klingt gut, birgt aber auch die Gefahr, dass reiche europäische Topklubs wie Perugia, Trentino, Lube Civitanova oder Zenit Kasan noch reicher werden und sich vom Rest entfernen, für den der Wettbewerb bislang ein Zuschussgeschäft war.

Boricic glaubt, die europaweite Aufmerksamkeit steige mit den Super Finals, außerdem gebe es zuvor in acht Städten Halbfinals zu sehen. „Das wird unseren Wert steigern.“ Die Chance, dass es deutsche Mannschaften bis ins Champions-League-Finale schaffen, ist durch den neuen Modus stark gesunken. Wobei Niroomand die Herausforderung als Ansporn versteht: „Wir müssen zeigen, dass die Finals nicht zu weit weg von uns sind. Das ist eine Chance, besser und besser zu werden.“ Er sagt: „Wir wollen in Deutschland eine Atmosphäre schaffen, in der das Interesse am Volleyball nicht nur bei den Fans, sondern hoffentlich auch bei den Sponsoren wächst, damit die Bundesliga aufholen kann.“

Sport-Staatssekretär Aleksander Dzembritzki sieht die Super Finals als Leckerbissen für die 144 Volleyballklubs mit 10 000 Mitgliedern in der Stadt. „Sie haben nicht nur einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung des Volleyballs in Berlin, sondern sie sind auch gut, um den Tourismus zu promoten.“ Die Finals sollen in mehr als 120 Ländern übertragen und in den sozialen Medien promotet werden. Dafür hat die CEV ein neues Logo entwerfen lassen.

Zwischen den Büsten im Säulensaal stand am Donnerstag auch Felix Fischer, einer der Volleyballer, der beim Champions-League-Finale 2015 Bronze mit BR Volleys gewonnen hatte. Er sagte, er freue sich auf das Event, bei dem im Idealfall die besten Männer- und Frauenteams aus vier Nationen anreisen, enthusiastische Polen etwa, Russen oder Fans aus der Türkei. Vor der Schmelinghalle ist ein Europafest geplant. „Die Jungs und Mädels, die in Berlin Volleyball spielen, können die Crème de la Crème des europäischen Volleyballs sehen“, sagt Fischer. „Vielleicht ist nicht heute oder morgen ein deutscher Klub dabei, aber vielleicht in vier Jahren. Ein bisschen Glück in der Auslosung – schwupps, schon schaffst du es.“