Claude Giroux: Die Fuchtel des Agenten

Berlin - Für alle, die es mit den Eisbären Berlin halten, die gute Nachricht vorweg: „Es war großartig, endlich wieder auf dem Eis zu sein“, schrieb vergangenen Freitag Claude Giroux via Twitter. Der Leihspieler aus Philadelphia hat die Halswirbelverletzung, die er sich im Spiel gegen die Krefeld Pinguine am 16. November zugezogen hatte, offensichtlich auskuriert. Nachdem er in den USA durchgecheckt wurde, trainiert er schon wieder mit der Mannschaft der Ottawa Senators. Und nun die schlechte Nachricht: Die Chancen, dass der 24-Jährige nach Berlin zurückkehrt, sind eher gering.

Am Donnerstag, im Viertelfinale der European Trophy gegen den Wiener Gastgeber UPC Vienna Capitals (20.30 Uhr/Servus TV), müssen es die anderen richten. Wenngleich Giroux gerne dabei wäre, das sagt zumindest Eisbären-Manager Peter John Lee. „Claude will gern zurückkommen.“ Dass er das aber nicht tut, hängt vor allem mit nordamerikanischen Interessen zusammen. Lee sagt: „Ich habe das Gefühl, dass er ordentlich Druck zu spüren bekommt.“

Die Hoffnung ist da, dass der Lockout endlich endet und die Spieler gebraucht werden. Vor allem aber dürfte sein Arbeitgeber, die Philadelphia Flyers, kein allzu großes Interesse an einem erneuten Ausflug nach Berlin haben. „Die waren nach der Verletzung alle ein bisschen geschockt. Das kann man natürlich verstehen. Giroux wird vermutlich einer der Topleute der kommenden Jahre. Das will man nicht unnötig gefährden.“

Die Ungewissheit nervt

Mit sehr ähnlichen Motiven wird vermutlich auch Giroux’ Agent, Pat Brisson, argumentiert haben. Der 47-Jährige gilt als einer der einflussreichsten Berater in der NHL, die Namen Sidney Crosby, Jaromir Jagr, Jewgeni Malkin bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus seinem Kundenkreis.

Für Giroux handelte er mit Philadelphia den 52-Millionen-Dollar-Vertrag aus, der die Nachwuchshoffnung in die Liga der außergewöhnlich gut verdienenden NHL-Cracks hievte. Brisson dürfte mit seinem Mandanten noch einiges vorhaben. Giroux indes scheint mit der Situation etwas überfordert zu sein. Eine Aussage zur Lage ist von ihm nicht zu bekommen.

Für die Verantwortlichen der Eisbären ist die Situation äußerst unangenehm. Zunächst natürlich, weil der Kanadier sich mit 19 Scorerpunkten in neun Spielen blendend beim Deutschen Meister eingefunden hatte. Zudem sind sie von der Ungewissheit zunehmend genervt. Lee sagt: „Natürlich würden wir gerne wissen, wie es weitergeht.“ Wirklich Druck können die Eisbären keinen ausüben. Zwar ist Giroux mit einem Arbeitsvertrag ausgestattet, der bis 31. Dezember gültig ist. Verstöße können bei derartigen Leihgaben allerdings nicht geahndet werden. Zumal der NHL-Ligabetrieb jederzeit wieder starten könnte.

NHL-Klubs sind aufgeschreckt

Eine Einigung im Tarifstreit ist noch nicht in Sicht. Dennoch hat der Fall Giroux die Funktionäre offensichtlich aufgeschreckt. Einige NHL-Klubs fordern mittlerweile ihre Legionäre auf, sich langsam wieder in die Heimat zu bewegen. Die persönlichen Gründe, mit denen die Hamburg Freezers Jamie Benn haben ziehen lassen, sind womöglich hier einzuordnen.

In den kommenden Tagen jedoch ist das Thema Giroux wieder zweitrangig. Denn nach 2010 wollen die Eisbären erneut das Kräftemessen der besten Eishockeyteams Europas, die European Trophy, gewinnen. Mit den Vienna Capitals wartet gleich eine schwere Aufgabe auf das Team von Don Jackson. Der Trainer sagt: „Die haben Heimvorteil, klar. Und dort spielen viele ehemalige DEL-Spieler. Die kennen uns.“ Einen Favoriten habe er nicht ausmachen können. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich zu den einzelnen Teams gar nicht so viel sagen kann. Jedes kann die Trophäe zu holen.“