Trainer Claus-Dieter Wollitz ist Geschichte in Magdeburg.
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BerlinWenn man die Geschichte des 1. FC Magdeburg auf zwei identitätsstiftende Übungsleiter herunterbrechen wollte, wären das ohne Frage Heinz Krügel und Jens Härtel. Krügel, der 1974 den Europapokal der Pokalsieger an die Elbe holte, dessen Statue auf dem nach ihm benannten Platz direkt an der MDCC-Arena steht. Und Härtel, der gemeinsam mit Geschäftsführer Mario Kallnik die nach der Wende tief gefallene Fußballmacht aus dem Keller der viertklassigen Regionalliga zurück in den Profifußball führte, mit harter, ehrlicher Arbeit.

Es ist pure Ironie, dass ausgerechnet Härtel, heute Trainer von Hansa Rostock, den Magdeburger Offiziellen am vergangenen Dienstag beim 1:3 an der Ostsee auf schmerzhafte Art und Weise bewies, dass sie mit der Verpflichtung seines Nachnachfolgers Claus-Dieter Wollitz in der Winterpause offensichtlich einen Fehler gemacht haben. Genauer gesagt: Einen weiteren Fehler.

Denn auch, wenn die Blau-Weißen unter dem beliebten Trainer Stefan Krämer, nach einem zunächst schwachen Saisonstart, kurzzeitig doch an die Aufstiegsränge heranreichten, war diese Mannschaft zu keiner Zeit tatsächlich in der Lage, den direkten Wiederaufstieg in die Zweite Bundesliga zu realisieren. Sportchef Maik Franz hatte es in beiden Transferfenstern verpasst, die zahlreichen Abgänge um Marius Bülter (1. FC Union), Philipp Türpitz (SV Sandhausen) und Felix Lohkemper (1. FC Nürnberg) qualitativ zu ersetzen.

Von allen Zugängen hinterließen einzig und allein Sören Bertram und mit Abstrichen Routinier Jürgen Gjasula einen nachhaltig positiven Eindruck. Symptomatisch: Mit Stürmer Christian Beck (zehn Saisontore) trug im Saisonverlauf oftmals der Letzte der alten Garde, die schon unter Härtel in der Regionalliga auf Punktejagd ging, die Last des ganzen Teams.

Fans des FCM fordern die Entlassung von Wollitz – und von Sportdirektor Maik Franz.
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Womit wir wieder bei Claus-Dieter Wollitz wären. Denn die Verpflichtung des als Lautsprecher bekannten Trainers kann, nach dessen erfolglosen Engagements, rückblickend eher als Nebelkerze verstanden werden, um von der minderwertigen Kaderplanung abzulenken. Nicht umsonst forderte die Fanszene der Magdeburger am Mittwoch, neben der Entlassung von Wollitz, auch die von Maik Franz. Es ist nur eine Frage der Zeit – oder, im schlimmsten Fall, des Abstiegs – wann der frühere Hertha-Abräumer Wollitz folgen wird.

Dessen Nachfolger, Nachwuchsleiter Thomas Hoßmang, soll nun den Klassenerhalt sichern, danach, damit kann man sicher rechnen, zurück ins zweite Glied rücken und Platz für einen erfahreneren Trainer machen, der den FCM wieder an die Spitze führt. Den Klassenerhalt vorausgesetzt. Wer das sein soll, steht jedoch in den Sternen. Jens Härtel wird es jedenfalls nicht. Der kämpft mit Hansa Rostock um den Aufstieg und könnte sich so auch im Norden unsterblich machen.