Clint Chapman: Albas Center kann seinem Team helfen, doch kann er auch bleiben?

Das Spiel lief schon seit einiger Zeit so vor sich hin, die Kräfteverhältnisse waren klar verteilt. Und doch brandete knapp sechs Minuten vor dem Ende ein solcher Lärm auf in der Arena am Ostbahnhof, dass man hätte annehmen können, Alba Berlin habe gerade einen 20-Punkte-Rückstand wettgemacht. In Wahrheit aber betrat Dennis Clifford das Parkett – es der erste Auftritt des Centers nach auskurierter Verletzung. „Der Junge scheint ja recht beliebt zu sein“, sagte Marco Baldi später mit einem Lächeln.

Und doch wollte der Alba-Geschäftsführer nach dem 95:68-Sieg gegen die BG Göttingen nicht in ausufernde Freude ob dieses Comebacks verfallen. „Dennis hat heute auch erst vier Minuten gespielt. Da muss man sehen, wie das Knie darauf reagiert, meinte Baldi. Aber: „Es ist gut, dass er wieder da ist.“ Und es ist weiterhin gut, dass mit Clint Chapman ein Ersatz zur Verfügung steht. Alba hat den US-Amerikaner wurde Ende September verpflichtet und mit ihm die Lücke füllen, die Cliffords Ausfall hinterlassen hatte.

Im Spiel gegen Göttingen saßen Chapman und Clifford größtenteils auf der Bank nebeneinander. Die beiden Center feuerten die Teamkollegen von außen an, hatten ihren Spaß. Als Stefan Peno etwa Mitte des zweiten Viertels nach einem Ballgewinn seinen Gegenspieler ziemlich alt aussehen ließ, tanzte Chapman am Spielfeldrand.

Frage der Konditionen

In wenigen Wochen ist er Teil des Teams geworden, in wenigen Wochen kann das aber schon wieder vorbei sein: Chapmans Vertrag läuft bis Ende November. Das muss aber nicht gleichbedeutend mit seinem Ende in der Hauptstadt sein. „Man sieht ja am Beispiel Peyton Siva, was für Dinge passieren können“, sagte Baldi mit Blick auf die Verletzung des Point Guards: „Es ist nicht schlau, immer etwas sofort zu machen.“ Chapmans Vertrag sei so gestaltet, dass dieser über den November hinweg in Berlin bleiben könne, sagte der Geschäftsführer. Ob und, wenn ja, zu welchen Konditionen der deutsche Meisterschaftszweite die Option wahrnimmt, „entscheiden wir, wenn es ansteht“, sagte Baldi.

Chapman selbst fühlt sich wohl bei Alba: „Teil dieses Vereins zu sein, ist so speziell. Die vielen Spiele, die wir gewinnen, die Art und Weise wie wir spielen, wie gut wir uns in der Umkleide verstehen, die Chemie, die zwischen den Spielern stimmt – das ist alles sehr speziell“, sagte er. Er lebt von Tag zu Tag, muss das so tun wegen der kurzen Vertragslaufzeit.

Gut gegen Krasnodar

Auf und neben dem Feld versteht er sich mit den Teamkollegen sehr gut, benötigte keine lange Eingewöhnungsphase: „Das sind alles gute Jungs, mit denen es Spaß macht, die aber auch alle gewinnen wollen.“ Das gelingt den Berlinern bislang nahezu perfekt. Im Pokal hat der Verein das Viertelfinale erreicht, im Eurocup in der vergangenen Woche völlig überraschend in Krasnodar gewonnen und in diesem Wettbewerb insgesamt vier von fünf Partien für sich entschieden. Und mit dem Sieg gegen Göttingen hat Alba Berlin die Tabellenführung in der Bundesliga (BBL) übernommen.

Zu einem gewissen Teil auch dank Chapman. Der überzeugt mit guten Leistungen, für jemanden, der keine Vorbereitung mit dem Team absolviert hat und erst seit wenigen Wochen dabei ist. „Für jemanden, der in Japan einen anderen Stil gespielt hat, macht er das gut, hilft uns“, sagt Coach Aito Garcia Reneses.

Knapp zehn Punkte und fünf Rebounds liefert Clint Chapman in durchschnittlich fast 15 Minuten Einsatzzeit. Keine schlechten Werte und überzeugende Argumente für eine Vertragsverlängerung.

Pause für den siebten Ausländer

„Meine Aufgabe ist es, weiter effektiv zu sein, dem Team zu helfen. Es wird natürlich in den nächsten Wochen eine Diskussion geben, wie es weitergeht. Ich habe gewusst, was ich unterschrieben habe“, sagt der Center, „ich kann nur hoffen, dass der Verein zufrieden damit ist, wie ich spiele, aber ich muss natürlich darauf vorbereitet sein, dass sie auch ohne mich weitermachen.“

Sollte Chapman bleiben dürfen, wäre er der siebte Ausländer im Team. Zumindest in der BBL müsste also immer einer, wenn sie denn alle einsatzbereit sind, zuschauen. Denn: Nur maximal sechs Ausländer dürfen auf dem Spielberichtsbogen stehen. Die ersten Saisonwochen haben aber gezeigt, dass immer mal ein Spieler verletzungsbedingt ausfallen kann. Nach Dennis Clifford fehlt jetzt erst einmal Peyton Siva für mehrere Wochen.

Platz für Clint Chapman ist also weiterhin vorhanden. Doch mit all diesen Dingen möchte sich der US-Amerikaner nicht beschäftigen. Er genieße die Zeit, den Moment, sagt der Center: „In der nächsten Woche haben wir einen langen Auswärtstrip, und dem gelten meine Gedanken.“