Union-Coach Urs Fischer bringt sich als Greenkeeper ein.
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Bad WörishofenEin letztes Mal wurde es laut im Trainingslager der Eisernen im Unterallgäu. „Den spielt ihr nie im Leben so. Verschiebt euch. Da sagt der Gegner danke“, bellte es über den Sportplatz des Julius-Strohmayer-Stadions im zwölf Kilometer entfernt gelegenen Mindelheim, wohin der 1. FC Union am letzten Tag seines Trainingslagers in Bad Wörishofen ausgewichen war. Urs Fischer schaute nicht glücklich drein.

Einmal in Fahrt, legte der Schweizer Fußballlehrer nach. Manch einer bekam sein Fett weg bei der Abschlusseinheit mit dem Schwerpunkt Verschieben und Angriffe-zu-Ende-Bringen. „Nico“, tönte es über den Platz, als mal wieder ein Angriff versandete, „den musst du lesen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man agieren muss, nicht nur regieren“, echauffierte sich der 54-Jährige.

Die Reihen der Eisernen hatten sich merklich gelichtet. Mit 30 Mann waren die Köpenicker am Montag vor einer Woche in die Kneipp-Stadt gereist. Nur noch 18 Feldspieler tummelten nun sich auf dem Grün, das sich deutlich besser präsentierte als das Geläuf in Bad Wörishofen. Fragt sich, warum Union nicht von Beginn an dort trainiert hatte.

Diesmal fehlte das obligatorische Sturmtrio aus Max Kruse, Anthony Ujah und Akaki Gogia. Youngster Fabio Schneider war vorzeitig nach Berlin gereist, um beim Landespokalfinale der U19 mitwirken zu können. Robert Andrich hatte auch schon einige Tage passen müssen. Am Schlusstag mussten dann auch noch Christopher Lenz, Sheraldo Becker und Cedric Teuchert den Anstrengungen des Trainingslagers Tribut zollen. Alles halb so schlimm. Fischer hofft darauf, dass das Trio am Donnerstag wieder dabei ist, wenn er seine Mannschaft in Köpenick zum ersten Mal nach der Rückkehr wieder um sich scharen wird, ehe es am Sonnabend gen Amsterdam geht, wo am Tag darauf gegen Ajax der vorletzte Test vor dem Pflichtspielstart im Pokal gegen Karlsruhe steigt.

Da wird dann wohl auch Neven Subotic wieder aufschlagen. Bislang sind über seine Anstrengungen, anderenorts einen neuen Brötchengeber zu finden, keine Erfolgsmeldungen bekannt. Somit müsste er bis auf weiteres wieder bei Union mittrainieren. Denn vom Hof gejagt, das hatte Manager Oliver Ruhnert mehrfach betont, wird in Köpenick keiner.

Nach neun Tagen Trainingslager zog Fischer ein positives Fazit: „Die Neuen wurden integriert. Wir haben in etwa das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir hatten zwei Spiele, die wir bestreiten konnten. Von daher alles gut.“ Wobei der Cheftrainer der Eisernen eh nicht dafür bekannt ist, dass er freimütig zugeben würde, dass ihn etwas stört oder ihm gar nicht gepasst hat.

Doch dass dieses Vorbereitungscamp eins der weiten Wege war, die Platzverhältnisse alles andere als optimal waren und einige Akteure wie Ujah und Gogia mit Rückschlägen zu kämpfen hatten, ist ja hinlänglich bekannt. Auch Max Kruse ist noch ein Stück weit davon entfernt, auf dem Platz helfen zu können. Zudem ist da die Ungewissheit, wann denn endlich die Spielgenehmigung für den prominenten Sommerzugang vorliegen wird. Fenerbahce scheint sich stur zu stellen, um doch noch eine Ablösesumme von den Köpenickern erpressen zu können. Zudem wird weiter nach einem neuen Torwart gefahndet, der Andreas Luthe mindestens das Wasser reichen kann.

Doch all das ficht Fischer nicht an. „Wir müssen uns mit dem befassen, was wir beeinflussen können“, so sein Credo. Seien es Wege, Tests oder Blessuren. „Wir sind“, so das Gesamturteil des Köpenicker Chefcoaches, „auf dem richtigen Weg. Wir versuchen das Beste zu machen aus dem, was geht.“