Irgendwann ließ sich Collin Quaner doch noch eine kleine emotionale Regung entlocken. „Gekribbelt“ habe es schon, als er eingewechselt worden sei, verriet er, als er sich nach der Partie in etwa genauso lang durch die Fragen gearbeitet hatte wie zuvor durch die Abwehr von Hannover 96. Ansonsten spielte er das Geschehen mit seinen Antworten herunter auf Normalniveau. Drei Wochen verletzt, Rückkehr in der 73. Minute gegen einen Aufstiegsfavoriten, sofortiges Führungstor und anschließende Vorlage zum 2:0. Alles normal. „Ich habe nicht das Gefühl, als ob ich lange weggewesen bin.“

Es oblag also den Kollegen, die Lobeshymnen nach diesem 2:1 (0:0) des 1. FC Union anzustimmen, das die Köpenicker in den Kreis der Zweitligatopteams vordringen lässt. „Das Tor war der Knackpunkt“, hob Kapitän Felix Kroos also an, „es ist unglaublich, was er für eine Serie hat und sich selbst durch die Verletzung nicht hat rausbringen lassen.“ Quaners siebter Treffer im siebten Ligaeinsatz ebnete den Weg. Natürlich hatte der abwiegelnde Angreifer recht mit seinem Hinweis, dass es der Schlüssel gewesen sei, „die Null so lange zu halten“. Und zwar genau so lange, bis er in die Partie kam.

Gelungen war das Union-Coach Jens Keller mit einem taktischen Kniff: Steven Skrzybski war von Beginn an nicht wie sonst auf Rechtsaußen, sondern zentral im offensiven Mittelfeld zu finden, zwischen Damir Kreilach und Felix Kroos. Kenny Prince Redondo fungierte als zweiter Angreifer neben Philipp Hosiner. Damit sollte im Allgemeinen das Übergewicht der Hannoveraner im Zentrum ausgeglichen sowie im Speziellen der Spielaufbau der Gäste durch die Mitte über Marvin Bakalorz und Kapitän Manuel Schmiedebach verhindert werden.

Dennoch standen die Hausherren in dem mit 22 012 Zuschauern ausverkauften Stadion an der Alten Försterei anfangs unter Druck. Bis Roberto Puncec, der den verletzten Fabian Schönheim in der Innenverteidigung vertrat, nach einer Kroos-Ecke an die Latte köpfte (14.). In der Folge bestimmte Union das Geschehen auf dem Feld. Am schönsten war der Ballvortrag in der 42. Minute, als nach einer Seitenverlagerung auf Höhe der Mittellinie und einer weiteren vor dem Strafraum Kreilach den Ball von Christopher Trimmel serviert bekam. Kurz davor hatte Skrzybski mit einem Distanzschuss für Gefahr gesorgt.

Hannover kommt nicht zum Zug

Der Bundesligaabsteiger und bisherige Tabellenzweite aus Hannover hingegen kam nicht zum Zug. Die Skrzybski-Verschiebung wirkte, Hannover blieb in der ersten Hälfte ohne Möglichkeit, auch weil Christopher Trimmel und Michael Parensen ihr Tempodefizit mit Gelben Karten wettmachten. „Was wir uns taktisch vorgestellt haben, ging gut auf. Die ganze Mannschaft hat super gegen den Ball gearbeitet“, freute sich Keller hinterher.

In der zweiten Hälfte funktionierte die Berliner Raumverdichtung zwar schlechter, doch Hannover nutzte die sich bietenden Chancen nicht. Dann unterliefen mitgereiste Fans die Bemühungen ihres Teams, das sie mit ihrer Anwesenheit zu unterstützen glaubten. Mitglieder der Hannoveraner Ultra-Szene, die bereits am Vorabend der Partie in Friedrichshain bei einem Gewaltausbruch negativ aufgefallen war, nebelten das Stadion mit ihrer Pyrotechnik ein. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie für vier Minuten. „Die Unterbrechung hat uns gutgetan“, sagte Philipp Hosiner. „Es war in einer Phase, in der Hannover am Drücker war. Wir haben die Unterbrechung dazu genutzt, ein paar Sachen taktisch zu verändern und durchzuatmen.“

So konnte Quaner seine triumphale Rückkehr feiern. Keine zwei Minuten war er auf dem Platz, als Trimmel sich in den Strafraum warf, taumelte, aufstand, den Ball zu dem eingewechselten Stürmer kämpfte, der zum 1:0 einschoss (75.). Danach hebelten Skrzybski und Quaner die Abwehr mit einem glücklichen Doppelpass aus, Hosiner schob Quaners Hereingabe zum 2:0 ein (79.). Der Anschlusstreffer von Felix Klaus in der Nachspielzeit kam zu spät. „Das ist schon ein Zeichen“, befand Kroos. „Wir wussten vorher, dass wir mithalten können. Aber es ist wichtig, so einen Topgegner zu schlagen. Das ist die Bestätigung.“