Berlin - Ja, es gibt homosexuelle Profifußballer in Deutschland. Und ja, es gibt Homophobie im deutschen Fußballalltag. Es gibt aber auch viele Projekte und Initiativen, die sich immer dann zu Wort melden, wenn andere schweigen.

Sie reden mit auf Vereinsebene, in den Fankurven und an den Stammtischen, meist unbemerkt von der Medienöffentlichkeit. Und ja, tatsächlich, sie bewirken etwas, das sich nicht in Coming-outs messen lässt, die gemeinhin als einziger Maßstab für Toleranz und Gleichstellung gelten.

Es hat also ohne Zweifel sein Gutes, dass die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld am Mittwoch ein Bildungsprojekt ins Leben gerufen hat, das sich „gemeinsam gegen Homophobie, für Vielfalt Respekt und Akzeptanz im Sport“ einsetzen will. Zu den Erstunterzeichnern der sogenannten Berliner Erklärung gehören unter anderen die Stiftungskuratorin und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie die Bundesligapräsidenten des 1. FC Union Berlin, des FC Bayern München, von Werder Bremen und Hannover 96 – die anderen 32 deutschen Profiklubs wollen erst mal abwarten, wie sich das Projekt entwickelt.

Doch wer da in Zukunft was genau und wie gemeinsam tun will oder auch nicht, verrät eigentlich schon jetzt mehr über das Verhältnis zwischen Spitzensport, Wirtschaft, Politik und Medien als über die Dringlichkeit einer offenen Debatte.

In der Hauptstadtresidenz der Telekom, wo die „Berliner Erklärung“ vorgestellt wurde, klangen die Teilnehmer eher so, als seien homosexuelle Profifußballer Gegenstand eines neuen Studiengangs. Die erste Maßnahme zum Beispiel heißt: „Gewinnung belastbar empirischer Daten im Sinne einer nachhaltigen und adressatengerechten Initiative“.

Nicht ganz so akademisch klingt, was der Medienpartner in Sachen Homophobie so schreibt. Ein Auszug aus der Sportbild, die trotz Sport immer Bild bleibt: „Ich glaube nicht, dass den ersten Profi ein Spießrutenlauf erwarten würde. Ganz im Gegenteil: Er wäre ein Held und Vorbild! Hoffentlich ist es bald so weit.“ So direkt und dreist hat das bislang noch kein Medium gefordert.

Die Frage bleibt: Warum haben homosexuelle Profifußballer offenbar Bedenken bis Angst, sich zu outen? Vielleicht auch wegen solcher Sätze, die am Mittwoch fielen: „Es ist schlimm, dass sie sich verstecken müssen. Was für ein grausames Leben!“ Oder: „Menschen zerstören sich selbst, wenn sie sich nicht bekennen.“ Soll es jemand trotzdem tun? „Ja, gerne auch in Gruppen!“ Am Ende entstand schon wieder der Eindruck, dass es sich bei einem offiziellen Outing eher um eine Art öffentliche Beichte handeln könnte.