Pragmatisch: Urs Fischer trainiert seine Profis wie es eben geht.
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Berlin-KöpenickMittlerweile ist es 31 Tage her, dass in der Bundesliga letztmals der Ball gerollt ist.   Dass im Südosten der Stadt, in der Alten Försterei,   Torjubel erschallte, ist noch länger her. 41 Tage lang mussten die Anhänger der Eisernen bisher aushalten, ohne in ihr Ballhaus des Ostens pilgern zu können. Länger sind nur Sommerpausen.

Nur die sind für gewöhnlich gefüllt von einem erheblich Maß an Vorfreude, von der Lust auf Debatten um Zugänge und Aussichten auf einen künftigen Saisonverlauf. Mit Spannung und Kurzweil eben.

Union entlastet Gehaltsverzicht enorm

Spannend ist es jetzt auch. Allerdings sind die Fragen, mit denen sich Klubverantwortliche und Anhängerschaft in Corona-Zeiten herumschlagen müssen, eher freudloser Natur. Sie sind geprägt von Sorgen Nöten, ja Befürchtungen, dass nichts mehr so sein wird, wie es war, Fragen von existenzieller Natur stehen im Raum. Wird mein Verein dies überstehen? Oder geht er an dieser finanziellen Krise kaputt?

Was diesen Punkt angeht, hatte Unions Präsident Dirk Zingler dieser Tage eine Antwort für die rot-weiße Gemeinde parat. Stand jetzt, gehe es Union in Anbetracht der Umstände gut. Der Gehaltsverzicht des Teams entlaste den Klub in jedem Monat, in dem nicht gespielt wird, um eine Summe zwischen 350 000 und 500 000 Euro. Sollten alle 11 500 Dauerkarteninhaber auf eine Erstattung der vorab geleisteten Zahlungen für die fünf ausstehenden Heimspiele verzichten, wären das auch rund 700 000 Euro. Falls es in Köpenick virtuelle Tickets für Geisterspiele geben wird, geht es um eine Summe in der gleichen Größenordnung.

„Wir haben alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, alle im Verein verhalten sich unheimlich solidarisch“, sagte Zingler. Der 55-Jährige glaubt, dass die Eisernen „stabil durch die Situation kommen“. Zingler: „Wir haben ein Szenario entwickelt bis zum Sommer. Wenn es darüber hinaus geht, werden wir neu überlegen müssen.“ Es bleibt also ein Restrisiko. Ein Risiko eben, das einem womöglich den Rest geben kann? Da keiner weiß, wie lange die Zwangspause dauert, muss sich erst zeigen, ob die von Zingler kolportierte „in den letzten Jahren erarbeitete Stabilität“ nicht doch noch ins Wanken gerät.

Da verwundert es fast, dass Zingler mit klaren Worten und damit quasi gegen die Interessen des Klubs als Wirtschaftsunternehmen vor einem verfrühten Neustart der Liga warnt. „Wenn wir uns abkoppeln von der gesellschaftlichen Wahrnehmung, tun wir uns keinen Gefallen. Wir sollten einen Termin finden, der gesellschaftliche Akzeptanz hat. Die Kinder sollten erst zur Schule. Vielleicht sollte auch die kleine Kneipe mit 20 Plätzen erst wieder aufmachen, bevor wir Fußball spielen.“

Man muss sich jetzt an die Vorgaben halten und diese umsetzen.

Urs Fischer

An Spielen ist derzeit noch nicht zu denken. Aber zumindest auf dem Platz stehen kann Urs Fischer seit Montag wieder. Auch wenn dort jetzt vieles anders und etwas gewöhnungsbedürftig ist. Weil die Übungsformen weit vom dem entfernt sind, was mit dem schönen Spiel zu tun hat. Es wird im Schichtsystem quasi rund um die Uhr trainiert. Schon morgens ab 8 Uhr geht es in Kleingruppen los. Es befindet sich nie der gesamte Kader gleichzeitig auf dem Gelände. „Man muss sich jetzt an die Vorgaben halten und diese umsetzen“, meint Fischer mit dem ihm eigenen Pragmatismus.

Er ist darauf fokussiert, seine Jungs wieder aufzupäppeln, weil er beim Wiedersehen eine unliebsame Überraschung zu verarbeiten hatte. „Die Tests waren nicht so zufriedenstellend, wie erhofft. Die Jungs haben einiges verloren. Das gilt es jetzt wieder aufzubauen, vor allem in physischer Sich“, erklärte der Aufstiegstrainer, der für diese Defizite eine Erklärung parat hatte: „Wenn du im Homeoffice bist, gehst du vielleicht einmal am Morgen und einmal am Nachmittag raus. Sonst hältst du dich zu Hause auf und bewegst dich kaum. Ich glaube, das ist ein Umstand, der dazu geführt hat, obwohl die Jungs sich toll an unser Programm gehalten haben.“-