Berlin - Aus einer Liga mit 15 Mannschaften ist aktuell eine Elfer-Union geworden – in der Deutschen Eishockey Liga standen auch am Sonntag nur noch drei statt sieben Spiele auf dem Programm. Gleich vier Mannschaften sind derzeit wegen Corona-Ausbrüchen nicht spielfähig, die DEL ist damit einen Monat vor den Olympischen Winterspielen ziemlich gebeutelt. „Erst ohne Zuschauer, jetzt ohne Spieler – das macht nicht wirklich Spaß. Wir kämpfen bis zum Letzten“, sagte DEL-Chef Gernot Tripcke. Die Nervosität im Ligabüro, bei Clubs und Spielern ist hoch, die Termin-Not wächst.

„Ich sperre mich jetzt die nächsten zwei Wochen zuhause ein“, sagte Nationalkeeper Mathias Niederberger vom Meister Eisbären Berlin angesichts der zunehmenden Corona-Fälle. In drei Wochen soll sich das Nationalteam in Mannheim treffen und am 2. Februar nach Peking aufbrechen. Geht das Infektionstempo in der DEL so weiter, könnte Olympia für einige Spieler in Gefahr geraten.

Tabellenführer Eisbären Berlin meldet dritten Corona-Fall

Wobei die Eisbären eines der Teams waren, die am Sonntag spielen konnten – in der Arena am Ostbahnhof sogar vor 2000 Zuschauern gegen die Nürnberg Ice Tigers. Doch während die Eismaschinen gerade noch im Licht der lila Scheinwerfer die Spielfläche präparierten und kurz darauf das Eisbären-Gebrüll erklang, vermeldete der Verein nach den positiven Coronatests der Stürmer Bennet Roßmy und Manuel Wiederer am Donnerstag einen weiteren Fall: Auch bei Yannick Veilleux, der sich am Freitag nicht gut gefühlt hatte und gar nicht zur Düsseldorfer EG mitgereist war, wo die Eisbären 7:4 gewannen, wurde eine Corona-Infektion festgestellt.

Der Ausfall des dritten Stürmers zwang Trainer Serge Aubin erneut zur Improvisation, da ja Zach Boychuk, Frans Nielsen und Korbinian Geibel weiterhin verletzt ausfallen. Für den Tabellenführer kam schließlich eine 3:4 (1:1, 2:1, 0:2)-Niederlage gegen Nürnberg heraus. Nach nicht einmal 30 Sekunden führten die Gäste schon 1:0. Von der Überrumpelung erholten sich die Berliner zunächst, Leo Pföderl sorgte für den Ausgleich. Während Matt White und Sebastian Streu für die Eisbären trafen, entschied Nürnbergs Ryan Stoa die Partie jedoch mit einem Dreierpack dann (28., 46., 51.) fast im Alleingang.

Stefan Ustorf stellt sportliche Fairness in Frage

Nürnbergs Sportdirektor Stefan Ustorf sagte angesichts der vielen Corona-Ausfälle: „Die sportliche Fairness in der DEL, in der DEL2, in der Oberliga – die ist vorbei.“ Darüber hinaus erwartet der frühere Eisbären-Profi nicht, dass die Spielzeit wie geplant zu Ende gebracht werden kann. Es werde „sehr schwer für alle Beteiligten“, eine komplette Saison zu spielen.

Die DEL gerät in Not, die Olympia-Pause dafür zu nutzen, die derzeit schiefe Tabelle mit Nachholspielen zu bereinigen. Schon weit über 30 davon stehen an. Auch weil die DEL als erste große deutsche Profiliga den Clubs erlaubt hat, Partien wegen Booster-Impfungen zu verlegen. „Das stellt uns vor Probleme, den Spielplan über die Bühne zu bringen“, sagte auch DEL-Geschäftsführer Tripcke. „Uns gehen die Spieltage aus. Wir können die Mannschaften ja nicht dauerhaft viermal pro Woche spielen lassen.“ 

München, Iserlohn, Wolfsburg und Bietigheim müssen pausieren

Am Freitag waren im EHC Red Bull München, den Iserlohn Roosters und den Grizzlys Wolfsburg drei Teams in kompletter Quarantäne. Am Sonnabend wurden auch die Bietigheim Steelers vom zuständigen Gesundheitsamt aus dem Spielbetrieb genommen. Dies könnte bald zu Nachholspielen während Olympia führen. „Wir müssen sehen, dass der eine oder andere Club spielen kann“, sagte Tripcke.

Indes würden Nachholpartien ohne die besten Profis, die dann in Peking im Einsatz wären, den Spielbetrieb möglicherweise weiter verzerren. Schon jetzt stellen vor allem natürlich die abstiegsbedrohten Clubs den zu dieser Saison wieder eingeführten Auf- und Abstieg infrage. „Die Fairness lässt mittlerweile Federn“, urteilte auch Iserlohns Sportdirektor Christian Hommel.

Die Roosters sind aktuell Letzter und von Corona besonders betroffen. „Ich muss ganz ehrlich sagen, so hätte ich es nicht erwartet. Wir sind mittlerweile bei 27 Fällen angelangt“, berichtete Hommel über den zweiten Corona-Ausbruch in dieser Saison. „Ich bin klar gegen Auf- oder Abstieg. Es gehört nicht zu unserem Eishockey-Konzept. Es geht nicht, wenn drei bis fünf Teams ums Überleben kämpfen.“ Noch hält die DEL an der ausgehandelten Regelung mit der DEL2 fest und verweist auf einen Vertrag mit dem Unterhaus.