Auf geht's zur ISS: Iwan Wagner, Anatoli Ivanishin und Chris Cassidy (v.r.) nehmen Abschied von Baikonur.
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BerlinGute Nachrichten für die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Im Weltraumbahnhof Baikonur wurden unlängst drei Betten frei. Iwan Wagner, Anatoli Iwanischin und Chris Cassidy sind zur ISS geflogen, also könnte DFL-Chef Christian Seifert mit einem Vorauskommando sofort einziehen. Im Moment laufen ja die Planungen für den Rest der Saison, die trotz Corona-Pandemie noch in diesem Sommer zum Abschluss gebracht werden soll.

Geisterspiele heißt das Zauberwort und die Zauberformel lautet: Koste es, was es wolle. Zum Beispiel 100 Millionen Euro. Das ist ungefähr die Jahresmiete für das hermetisch abgeriegelte Sternenstädtchen in der kasachischen Steppe und angesichts der knappen Milliarde Euro an Fernsehgeld für die Erste Liga geradezu ein Schnäppchen.

Blutplasma aus der Zweiten Liga

Sogar die Zweite Liga könnte mit von der Partie sein. Und sei es nur in Form von Blutplasma, das dem Hannoveraner Timo Hübers und anderen, inzwischen von Corona genesenen Berufsfußballern samt Antikörpern entnommen wird. Mit Blutplasma samt Antikörper hat Südkorea zuletzt gute Ergebnisse erzielt, weniger sportlich, mehr medizinisch, und so könnten vom Virus befallene Baikonur-Insassen darauf hoffen, schon binnen zwei Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

Das entspricht einer minimalen Rot-Sperre. Ein Klacks somit, auch gefühlt, handelt es sich doch ausnahmslos um junges Spielermaterial, das nach menschlichem Ermessen einen Virenbefall nicht einmal bemerkt.

Sollte es dennoch zu unerwünschten Randerscheinungen wie hohem Fieber, heftigem Brummschädel oder trockenem Husten mit anschließender außerplanmäßiger Verschlankung der Kader kommen, dürfte ein Umstieg auf Kleinfeldfußball das Mittel der Wahl sein. Husten? Wir haben kein Problem!

Schließlich darf es in einer solchen Krise keine Denkverbote geben. Deswegen sucht die DFL einem bisher unbestätigten, bösartigen Gerücht zufolge parallel zu Verhandlungen mit Baikonur den Weltmarkt nach potenziellen Geisterschiffen ab. Bereits in die engere Wahl gefallen sein soll die Corona J. Sie bietet mit 161 Metern Länge und 25 Metern Breite ideale Voraussetzungen für Kleinfeldfußball. 21,3 Knoten Spitzengeschwindigkeit versetzen das Containerschiff zudem in die Lage, zügig eine entlegene Insel anzusteuern, um wider Erwarten infiziertes Personal zur Abholung durch die Bundeswehr bereitzustellen. Die DFL schreibt Solidarität bekanntlich mit ganz großem S, lässt dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt die hiesigen Bestimmungen zur Kontaktsperre außer Acht.

Um die Mannschaften und Betreuer der 18 Bundesligisten sowie das Fachpersonal für TV-Übertragungen und Intensivmedizin in zwei Meter Mindestabstand zueinander unterzubringen, müssten zusätzlich zur Corona J weitere Frachtkapazitäten geordert werden. Zufall oder nicht: Derzeit läuft auf der USS Theodore Roosevelt ein weltweit beachteter Feldversuch mit rund 1 500 Personen, die aufgrund widriger Umstände im Zusammenhang mit einem gewissen Erreger gerade an Bord unabkömmlich sind.

Ein Rundumsorglospaket scheint unterdessen die MOL Triumph zu verheißen. Der Gigafrachter bringt in seinem Laderaum vier Fußballfelder problemlos unter und wird angeblich von Marketingstrategen der DFL für die Lösung der Krise favorisiert. Allein schon wegen der assoziativen Kraft des Namens: Triumph! Wo ein Wille ist, ist ein Sieg, und des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Eine Insel in der Karibik

Noch schneller als dorthin, ins Himmelreich, kommen Coronakrisenkicker vermutlich in die Karibik und dort an eine Insel. Derzeit preisgünstig wie nie. Und ohne nennenswerte Folgekosten für die Solidargemeinschaft vermutlich außerdem. Ja, und was einer wie Johnny Depp kann, das kann der deutsche Fußball ja wohl schon lang.

Apropos Depp und Himmel und so weiter: Bald soll es möglich sein, sich als Privatperson für eine Grundgebühr von rund 50 Millionen Euro in eine erdferne Umlaufbahn schießen zu lassen. Sagt die Nasa. Also doch Baikonur? Lasst die Spiele beginnen!