Hand aufs Herz: Jürgen Klopp führt mit seinem FC Liverpool die Tabelle der Premier League an.
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ManchesterEs gibt diesen Spruch von Liverpools Trainer-Ikone Bill Shankly, der gerne zitiert wird, um die existenzielle Bedeutung des Fußballs hervorzuheben. Der Spruch lautet: „Einige Leute glauben, dass Fußball eine Frage von Leben und Tod sei. Ich kann versichern, dass er sehr viel wichtiger ist.“ Im Angesicht der weltweiten Corona-Krise stellt sich diese Auffassung als Unsinn heraus. Der Sport kommt zum Erliegen, in Liverpool und überall sonst, und es ist nicht klar, wann und wie er seinen Betrieb wieder aufnimmt.

In England hat die Premier League am Freitag entschieden, den Spielbetrieb auszusetzen. Am 4. April soll es in der reichsten Liga des Planeten weitergehen, doch allen Beteiligten dürfte klar sein, dass dieser Plan ambitioniert bis unmöglich ist. Der Independent berichtet, dass sich der englische – und internationale – Fußball auf einen Pause mindestens bis September einstellen müsse. Englands Verbandschef Greg Clarke ist laut der Times überzeugt, dass die aktuelle Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. Deshalb steht die Frage im Raum, was mit der Spielzeit passiert.

Durchschaubares Manöver von West Ham United

Mit Bezug auf die Premier League gibt es drei mögliche Szenarien. Das erste wäre, sie einfach fortzusetzen, sobald das möglich ist. Sollte die Uefa bei ihrem Krisentreffen am Dienstag wie erwartet den Aufschub der für Sommer geplanten Europameisterschaft beschließen, könnte Zeit dafür sein. Die zweite Variante wäre, die Saison für beendet zu erklären – und die gegenwärtige Tabelle als Abschlusstabelle anzuerkennen. Das dritte Szenario wäre es, die Kampagne komplett zu annullieren.

Das sei die „einzige faire und vernünftige Lösung“, schrieb Karren Brady, Vize-Vorstand von West Ham United, in ihrer Kolumne für die Zeitung Sun. Die Motivation dahinter ist leicht zu durchschauen: Der Londoner Klub spielt eine miserable Saison und steht nur wegen des besseren Torverhältnisses auf einem Nicht-Abstiegsplatz. Für die auf Europapokal-Kurs befindlichen Überraschungsteams Leicester City oder Sheffield United wäre es dagegen ein schwerer Schlag, wenn die Spielzeit für nichtig erklärt werden würde.

Am heftigsten würde diese Lösung allerdings den enteilten Tabellenführer FC Liverpool treffen, der sich eigentlich darauf eingestellt hatte, in Kürze die heiß ersehnte erste Meisterschaft seit dreißig Jahren zu gewinnen. Wenn sich die Premier League am Donnerstag zur nächsten Krisen-Konferenz zusammenfindet, dürfte sich der Klub einer Annullierung der Spielzeit heftig widersetzen – und hätte wohl gute Chancen. Der Telegraph berichtet, dass die Liga-Rivalen bereit wären, der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp angesichts ihres Vorsprungs von 25 Punkten den Titel auszuhändigen.