Als dribbeln noch drin war: Martin Hermannsson entwischt Adam Hanga in Alba Berlins Euroleague-Duell mit dem FC Barcelona.
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BerlinAn das schöne Wetter in Berlin kommt Reykjavik derzeit nicht mal ansatzweise heran. Nur drei bis sechs Grad Celsius zeigt das Thermometer in der isländischen Hauptstadt, die Sonne ist meist von dicken, grauen Wolken verhangen. Bei diesem Wetter ist es selbstverständlich, dass Martin Hermannsson in diesen Tagen seine Wohnung nur gut bekleidet verlässt. Immerhin, und das ist die erfreuliche Nachricht, darf er das mittlerweile auch wieder. Denn: „In Island ist ein wenig so wie überall auch“, erzählt Hermannsson, „die meisten Restaurants und öffentlichen Orte sind geschlossen.“ Und als Alba Berlins Aufbauspieler am 17. März in die Heimat fliegen durfte, musste auch er bei seiner Ankunft erst einmal 14 Tage in häuslicher Quarantäne verbringen.

Martin Hermannsson und die Sache mit dem Toilettenpapier

Das ohnehin entschleunigtere Leben in Island ist während der Corona-Krise noch ruhiger, schließlich blieb auch der 350.000-Einwohner-Staat nicht von Infizierungen verschont. Einheimische, die in Italien, Österreich oder Frankreich waren, hatten es mitgebracht und auch Teile der isländischen Bevölkerung angesteckt. Die staatlichen Beschränkungen ähneln deshalb auch denen in Deutschland: Es dürfen nicht mehr als 20 Leute auf einmal an einem Platz sein, die Leute müssen mindestens zwei Meter voneinander entfernt sein und es wird empfohlen, die Hände sehr häufig zu waschen. Nur eine Sache ist dann doch etwas anders. Waren in vielen deutschen Supermärkten die Regale, wo sich sonst das Toilettenpapier befindet, schnell leer, so gibt es in Island keine Mangelerscheinungen. Die Toilettenpapier-Produzenten „haben über die Medien gesagt, dass es nicht ausgehen wird“, so Hermannsson, „im Moment ist das aber das Letzte, über das ich mir Sorgen mache.“

Die Allgemeinsituation für einen Profisportler ist derzeit alles andere als befriedigend. In dem Moment, wo das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen ist, gab es erst einmal nicht viel zu tun. „Ehrlich gesagt, kann ich gerade nicht viel tun“, erzählt Martin Hermannsson, „ich wache mit meinem Sohn auf und frühstücke mit ihm zusammen. Dann gehen wir normalerweise raus und spielen ein wenig.“ Erst wenn der Nachwuchs am Nachmittag etwas schläft, versucht Papa Hermannsson ein kleines Fitnessprogramm in den eigenen vier Wänden zu absolvieren. Außerhalb der Wohnung in Reykjavik sitzt er derzeit viel auf Fahrrad oder geht laufen. „Da auch in Island alle Sporthallen geschlossen sind, kann ich aber nicht an meinem Wurf arbeiten, sondern nur ein wenig am Ballhandling machen“, sagt er.

So wie ihm geht es auch seinen Teamkollegen. Die meisten Alba-Spieler sind ebenfalls zurück in ihrer eigentlichen Heimat und können nicht trainieren. Den Kontakt halten sie aber über die etwas größere Distanz aufrecht. „Wir haben einen Gruppenchat bei WhatsApp, wo wir gemeinsam über die Situation sprechen“, so Hermannsson. Mit Rokas Giedraitis, der mit seiner Freundin und dem erst vor wenigen Wochen geborenen Kind in Berlin geblieben ist, und Luke Sikma hat er auch schon mit Video telefoniert. Unklar ist weiter, ob sie sich demnächst wieder in Berlin sehen. Die Saison in der Bundesliga ist, anders als in den unteren Ligen, weiterhin ausgesetzt.

Es ist schwer einzuschätzen, ob wir noch einmal in dieser Saison spielen werden.

Martin Hermannsson

Auch die Euroleague ist noch nicht abgesagt. „Es ist schwer einzuschätzen, ob wir noch einmal in dieser Saison spielen werden“, sagt der isländische Aufbauspieler, „der Zeitpunkt ist sehr schlecht, da alle Spieler gerade nicht richtig trainieren können. Das erhöht natürlich das Risiko von Verletzungen, wenn die Saison weitergehen würde. Aber natürlich verstehe ich auch, dass die Vereine Geld bekommen würden, wenn die Saison beendet werden kann.“

Geld, das benötigt wird, um auch auch ihm ein Angebot über den Sommer hinaus zu unterbreiten. Denn: Der 25-Jährige ist einer von den Spielern im Alba-Kader, dessen Vertrag nach der aktuellen Saison ausläuft. Dass es noch keine Gespräche mit der sportlichen Leitung gegeben hat, ist für ihn und die anderen Spieler nachvollziehbar. „Wir wissen ja nicht was passiert und können verstehen, dass Alba jetzt keinen Spieler unter Vertrag nimmt. Aber wenn der Moment kommt, wo alles wieder normal läuft, denke ich, dass Alba Berlin und ich uns zusammensetzen und sprechen werden“, so Hermannsson. Und bis es soweit ist, wird er darauf achten, dass er sich in Reykjavik weiter warm anzieht, wenn er die Wohnung verlässt.