Hinter verschlossenen Türen: Selbst wenn die Regionalliga Nordost die Saison fortsetzt, müssten die Fans draußen bleiben.
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BerlinDie Mehrheit der Klubs in der Regionalliga Nordost will die Saison fortsetzen. Das ergab eine Videokonferenz am Donnerstag, zu der der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) Vertreter der Regionalligisten eingeladen hatte. Etwa zweieinhalb Stunden wurde beraten, wie es anschließend hieß in einer "sehr konstruktiven" Atmosphäre. Es zeichnete sich ein gemischtes Meinungsbild bezüglich der Fortsetzung des Spielbetriebes ab. Die Mehrheit allerdings möchte die Saison  möglichst bis 30. Juni abschließen.

Geisterspiele seien für die Mehrheit der Vereine nur schwer zu realisieren. Der NOFV zieht mit Unterstützung des dritten Fernsehprogramme in Erwägung. So könnten der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) und der Mitteldeutsche Rundfunkt (MDR) die Partien live übertragen. Demnach könnten per Livestream alle Spiele der Nordost-Staffel ermöglicht werden.

Regionalligisten mit unterschiedlichen Interessen

Der SV Babelsberg betonte am Freitagabend in einer Mitteilung allerdings, dass eine „Mehrheit der Vereinsvertreter eine Fortsetzung der Saison für kaum möglich“ halte. „Die Mehrheit der Vereine plädiert für einen Abbruch oder eine Annullierung der Saison.“

Der Verband ignoriere „aus Sicht des SV Babelsberg 03 eine Reihe zahlreich vorhandener und auch vorgetragener wirtschaftlicher, arbeitsrechtlicher, logistischer, vor allem aber gesundheitlicher Aspekte“, hieß es weiter. Ein intensiver Ligabetrieb unter den strengen Auflagen von Bund und Ländern sei „unmöglich zu gewährleisten“. Die wirtschaftlichen Folgen von Geisterspielen seien „nicht zu stemmen“.

Schon vor der Videoschalte hatte Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbands (BFV), ein uneinheitliches Meinungsbild unter den Regionalligisten aufgenommen: „Je nach Tabellenstand gibt es unterschiedliche Interessen. Wir als BFV werden abwarten, wie sich der Senat nach Ostern zur Situation in der Stadt äußern wird“, sagte Schultz der Berliner Zeitung. In Brandenburg wird in den unteren Spielklassen der Männer der Spielbetrieb nicht über den 30. Juni hinaus verlängert. 59,42 Prozent der Vereine sprachen sich gegen eine solche Verlängerung der Saison aus.

Karsten Heine von der Überraschungsmannschaft VSG Altglienicke, hatte in einer Umfrage der Berliner Zeitung zu Wochenbeginn gesagt: „Idealerweise sollten wir die Saison zu Ende spielen, aber die Gesundheit aller geht natürlich vor.“ Heines VSG stand damals auf Platz eins.

Trainer und Sportdirektor Wolfgang Wolf von Lok Leipzig, punktgleich mit Altglienicke Spitzenreiter drückte sich drastischer aus: „Ein Saisonabbruch wäre ein Fiasko. Wir haben uns eine fantastische Ausgangsposition erarbeitet. Ich hoffe, dass man uns die Chance nicht nimmt, den großen Schritt zu machen. Warum sollten wir denn nicht bis in den August oder September spielen können?“

Der BFC Dynamo vertrat eine andere Position: „Vermutlich ist auch in den nächsten Monaten nicht mit einer Fortführung des Spielbetriebs in der Regionalliga Nordost mit Publikum zu rechnen", teilte der Klub mit. "Anders, als in den höheren Spielklassen sind die Zuschauereinnahmen ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung des Spielbetriebs. Geisterspiele würden die Grundlage hierfür entziehen.“ Der Sechste der Regionalligatabelle weiter: „Ein Abbruch der Saison scheint unausweichlich, zumal viele Spieler nur bis zum 30. Juni vertraglich gebunden sind.“

Ingo Kahlisch, Trainer bei Optik Rathenow und ligaweit geachtet, plädiert für einen Abbruch: „Das halte ich für alternativlos!“ Es sollte mit Ausnahme des insolventen Rot-Weiß Erfurt keine Absteiger geben. 

Hinweise vom DFB erwartet

Der Regionalverband hofft nun auch auf Zeichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), vor allem was die Relegation betrifft: „Der DFB muss sich zeigen und Vorgaben machen, was mit den Aufstiegsspielen passiert“, sagte NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs der Deutschen Presse-Agentur. Richtlinien werden nicht nur für die Regionalliga, sondern auch für die Klassen darunter sowie den Jugendfußball und den Frauenfußball erwartet.

In der Regionalliga sind neun Spieltage und elf Nachholspiele zu absolvieren. Wie viele Spiele im gesamten NOFV-Bereich noch ausgetragen werden müssen, lässt sich laut Fuchs nicht sagen. Allein in Berlin sind es bis zum Saisonende noch mehr als 12.000 Spiele übergreifend in allen Bereichen.