Lichtblick: David Hollwitz hat bei Lichtenberg 47 um zwei Jahre verlängert. Ob er in dieser Saison noch einmal aufläuft, ist allerdings unklar.
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BerlinIn schweren Corona-Zeiten suchen alle Vereine nach Meldungen, die ihre Anhänger ein wenig glücklich machen und Hoffnung in den Alltag ohne Fußball bringen. So verkündete Regionalliga-Aufsteiger Lichtenberg 47 die Vertragsverlängerung mit Kapitän David Hollwitz. Der 31-Jährige, ein absoluter Führungsspieler, bleibt weitere zwei Jahre im Zoschke-Stadion. Manager Benjamin Plötz sagt: „Hollwitz ist von großer Bedeutung für unsere Mannschaft, seine Verlängerung ist ein wichtiges Signal in diesen Zeiten.“ Plötz und seine Mitstreiter um Geschäftsführer Henry Berthy kämpfen wie alle Teams in der Regionalliga Nordost um die wirtschaftliche Existenz.

Jetzt steht die Frage an: Die Saison fortsetzen – und wenn ja, wie lange? Oder gar für einen Abbruch stimmen? Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbands (BFV), sagt: „Je nach Tabellenstand gibt es unterschiedliche Interessen. Wir als BFV werden abwarten, wie sich der Senat nach Ostern zur Situation in der Stadt äußern wird.“ In Brandenburg wird der Spielbetrieb nicht über den 30. Juni hinaus verlängert. 59,42 Prozent der Vereine sprachen sich gegen eine solche Verlängerung der Saison aus.

Die Regionalliga Nordost gehört in den Bereich des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), der sich am Donnerstag per Videokonferenz mit den Klubs austauscht. Lichtenbergs Manager Benjamin Plötz sagt: „Geisterspiele sind keine gute Option, da wir in diesem Bereich stark von den Zuschauereinnahmen leben. Sportlich gesehen würden wir gern weiterspielen, aber die Rahmenbedingungen müssten stimmen. Die Saison bis in den Herbst zu schieben, wäre nicht gut. All das ist ein schwieriger Spagat.“

Anders sieht das Trainer und Sportdirektor Wolfgang Wolf von Lok Leipzig, punktgleich mit Altglienicke Spitzenreiter: „Ein Saisonabbruch wäre ein Fiasko. Wir haben uns eine fantastische Ausgangsposition erarbeitet. Ich hoffe, dass man uns die Chance nicht nimmt, den großen Schritt zu machen. Warum sollten wir denn nicht bis in den August oder September spielen können?“

Kasten Heine sieht die Gesundheit im Vordergrund

Auch Trainer Karsten Heine von der Überraschungsmannschaft aus Altglienicke sagt: „Idealerweise sollten wir die Saison zu Ende spielen, aber die Gesundheit aller geht natürlich vor.“ Heine bringt noch einen Gedanken ein, der nicht allen gefallen wird: „Bei einem Saisonabbruch könnte man doch die Herbstmeisterschaft als Schlusspunkt nehmen. Das wäre aussagekräftig.“ Seine VSG stand damals auf Platz eins. Weiter sagt Heine: „Aber d i e Antwort auf alle Probleme gibt es nicht!“

Matthias Auth, Präsident des Dritten Energie Cottbus, meint: „Aus sportlicher Sicht sage ich weiterspielen!“ Aus wirtschaftlicher Sicht findet Auth statt Geisterspielen einen Abbruch besser. Pro Heimspiel ohne Fans verliert Energie rund 70 000 Euro. Bei fünf ausstehenden Duellen im dann leeren Stadion der Freundschaft würden sich die Verluste auf rund 350 000 Euro summieren.

„Vermutlich ist auch in den nächsten Monaten nicht mit einer Fortführung des Spielbetriebs in der Regionalliga Nordost mit Publikum zu rechnen. Anders, als in den höheren Spielklassen sind die Zuschauereinnahmen ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung des Spielbetriebs. Geisterspiele würden die Grundlage hierfür entziehen“, so der Sechste BFC Dynamo: „Ein Abbruch der Saison scheint unausweichlich, zumal viele Spieler nur bis zum 30. Juni vertraglich gebunden sind.“ Ingo Kahlisch, Trainer bei Optik Rathenow und Ligaweit geachtet, plädiert für einen Abbruch: „Das halte ich für alternativlos!“ Es sollte mit Ausnahme des insolventen Rot-Weiß Erfurt keine Absteiger geben.

Wir müssen einen Cut machen, weil der Ablauf der Saison kaputt und kein richtiger Wettbewerb möglich ist.

Mehmet Ali Han

Auch Mehmet Ali Han, der Präsident des Berliner AK, im Moment auf Platz sieben, sagt: „Wir müssen einen Cut machen, weil der Ablauf der Saison kaputt und kein richtiger Wettbewerb möglich ist. Man sollte die Saison annullieren.“

Der NOFV muss bald eine kluge Entscheidung treffen. Allen kann es der Verband nicht recht machen.