So könnte das Olympiastadion beim Stadtderby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union aussehen: leer bis auf den letzten Platz.
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BerlinBundesgesundheitsminister Jens Spahn ist der Überzeugung, dass sich Deutschland am Beginn einer Corona-Epidemie befindet. Events mit mehr als 1.000 Teilnehmern sollten daher abgesagt werden, empfiehlt der CDU-Politiker. Unter anderem findet das Derby der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwochabend ohne Zuschauer statt. Andere Veranstaltungen könnten ganz ausfallen. Was mit dem Bundesliga-Heimspiel des 1. FC Union gegen den FC Bayern wird, ist unklar. Bekommen die Fans nun ihr Geld für ihre Tickets zurück? Ein Überblick:

Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich mein Ticket aus Angst vor Ansteckung nicht wahrnehme?

Eine Rückzahlung des Ticketpreises wegen sogenannter Unmöglichkeit kann nicht verlangt werden. Eventuell kommt aber der Veranstalter den Fans entgegen.

Wie verhält es sich bei einer Absage von offizieller Seite, einer Behörde zum Beispiel?

Die Ticketpreise werden erstattet. Es besteht aber kein Anspruch auf Schadensersatz, da der Veranstalter darlegen und beweisen kann, dass er den Ausfall nicht verschuldet hat.

Was passiert, wenn der Veranstalter vorsorglich das Event absagt?

Auch hier sind die Ticketpreise zu erstatten. Ob ein Schadensersatzanspruch oder Ersatz von Aufwendungen besteht, muss im Einzelfall entscheiden werden. Hierbei kommt es maßgeblich darauf an, ob ein Verschulden des Veranstalters vorliegt. Dies ist nicht in Fällen höherer Gewalt gegeben. Darunter fallen beispielsweise Naturkatastrophen, Streiks etc. Auch Epidemien können als höhere Gewalt angesehen werden. Die Beweislast trägt sodann der Veranstalter, der dann offizielle Erklärungen vorlegen muss.

Wann liegt höhere Gewalt vor?

Als Fälle höherer Gewalt gelten der Rechtsprechung zufolge: Krieg, innere Unruhen, Streik, Epidemien. Das war bei der Vogelgrippe der Fall, ebenfalls bei der Sars-Epidemie. Ebenso zählen dazu Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Erdbeben, Überschwemmungen, Waldbrände) oder hoheitliche Anordnungen wie Flugverbote oder Ausgangsperren.

Für den Bundesgerichtshof (BGH) ist ein Fall der höheren Gewalt „ein von außen kommendes, keinen betrieblichen Zusammenhang aufweisendes, auch durch äußerste vernünftigerweise zu erwartende Sorgfalt nicht abwendbares Ereignis, wie z.B. Krieg, Naturkatastrophen, Epidemien“.

Bei Fußballspielen ist für höhere Gewalt erforderlich, dass der Ausfall nicht in der Sphäre des Veranstalters fällt, auch nicht in diejenige des Zuschauers. Generell muss es sich um eine Extremsituation mit Ausnahmecharakter handeln.

Wie stehen die Profiklubs zu Rückzahlungen?

Die Fans der meisten Vereine dürften ihr Geld für gezahlte Eintrittsgelder zurückerhalten. Denn aus Kulanz werden viele Vereine ihren Anhängern die Ticketpreise erstatten. Zumindest in der Bundesliga. Fortuna Düsseldorf, der 1. FC Köln, der SC Freiburg und der VfL Bochum haben sogar die Vorverkäufe für ihre Spiele ausgesetzt. Sie umgehen damit eine mögliche Rückerstattung.

Kann man die Bundesliga-Spiele kostenlos im Fernsehen sehen, sollte man nicht ins Stadion vorgelassen werden?

Der Bezahlsender Sky diskutiert derzeit mit Verantwortlichen der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sky überträgt die Begegnungen am Sonnabend und Sonntag nach jetzigem Stand gegen Geld.