Berlin - Cristiano Ronaldo wusste, dass diese Frage kommt. Genervt hat sie ihn trotzdem. In kurzer Hose und Badelatschen hörte der 37-Jährige im Estádio do Dragão in Porto dennoch geduldig zu, als es mal wieder um seine fußballerische Zukunft ging. Ob denn die kommende Weltmeisterschaft in Katar seine letzte sein würde, wollte ein Reporter wissen. Ronaldo schaute ihn so ernst an, als hätte er sich gerade etwas Unerhörtes erlaubt. „Nur ich werde über meine Zukunft entscheiden, niemand sonst. Wenn ich gerne weiterspielen will, spiele ich weiter. Wenn nicht, dann nicht“, sagte er am Montag. „Ich bin der Boss. Punkt.“

Ibrahimovic trifft Lewandowski

Aber: Erst mal muss sich der alternde Megastar für die WM qualifizieren. Es geht ihm da wie seinen ebenfalls hochdekorierten Kollegen Zlatan Ibrahimovic (40) und Robert Lewandowski (33). In einem Alter, in dem andere schon als Trainer oder TV-Experten arbeiten, beeindrucken alle drei immer noch mit mehr oder weniger großartigen Leistungen und einer noch großartigeren Fitness. Und alle drei spielen an diesem Dienstag (20.45 Uhr/DAZN) um eines der letzten Tickets für die Weltmeisterschaft in Katar. Was sie noch eint: Sie setzen seit Jahren die inoffizielle Regel außer Kraft, wonach Fußballerkarrieren mit Anfang 30 auf die Zielgerade einbiegen.

„Ich friere die Zeit ein“, schrieb Ibrahimovic nun auf Twitter zu einem Foto, das ihn und seine schwedischen Mitspieler beim Aufwärmen zeigt. Weil er und seine Kollegen sich bewegen, ist fast alles auf dem Bild unscharf, nur der Kopf von Ibrahimovic ist klar und deutlich zu erkennen. Im Play-off-Finale wird der Stürmer vom AC Mailand gegen die Polen und Lewandowski um die Chance auf seine wohl letzte WM spielen. Parallel treten die Portugiesen und Ronaldo gegen Italien-Bezwinger Nordmazedonien an. Mindestens einer der drei Altstars wird das Winterturnier in Katar also verpassen.

Dass es Cristiano Ronaldo sein wird, davon ist der Staatspräsident von Nordmazedonien felsenfest überzeugt. „Mach dich bereit, du bist als Nächster dran“, schrieb der Spitzenpolitiker Stevo Pendarovski auf Twitter in Richtung des portugiesischen Superstars vor dem Duell mit dem Italien-Schreck, dem vor fast genau einem Jahr schon in der WM-Qualifikation mit einem 2:1-Sieg gegen Deutschland ein überraschender Coup gelungen war. Jetzt träumt ganz Nordmazedonien nach dem Triumph gegen Italien, den Europameister von 2021, von einem Erfolg gegen Portugal, den europäischen Titelträger von 2016.

Ronaldo aber ist noch immer ein Spieler, der aus solchen Sticheleien eine ganz besondere Motivation zieht. Dass er es nicht sein wird, der die WM verpasst, machte der Superstar am Montag in Porto deutlich. „Ich bin sehr zuversichtlich“, sagte der Angreifer von Manchester United. Gegen die Nordmazedonier wird Ronaldo sein 186. Länderspiel bestreiten, eine WM-Teilnahme in Katar wäre seine fünfte. Aber was treibt einen Spieler, neben Sticheleien des Gegners, in diesem Alter überhaupt noch an? Spieler wie Ronaldo, Ibrahimovic oder Bayern Münchens Lewandowski haben während ihrer langen Karrieren auf nationaler und internationaler Ebene fast alles gewonnen und noch mehr gesehen.

Ibrahimovic braucht das Adrenalin

„Wir wachen auf, wir bereiten uns vor, wir trainieren, wir essen und wir schlafen. Am nächsten Tag ist es genau dasselbe. 20 Jahre lang macht man nichts anderes, und daraus ziehen wir unser Adrenalin“, erzählte Ibrahimovic jüngst in einem Uefa-Interview. „Wenn du jetzt plötzlich aufhörst, bekommst du auch keinen Adrenalinschub mehr.“ Vielleicht ist das tatsächlich die einfache Antwort auf eine auf den ersten Blick gar nicht so leichte Frage.

40 Jahre ist Ibrahimovic mittlerweile alt. Er wurde bekannt durch unglaubliche Tore, Kunststücke und seine große Klappe. Mittlerweile auch dadurch, dass er noch längst nicht aufhören will. Der Schwede lässt seine Zukunft unabhängig vom Turnier in Katar offen. So wie Ronaldo und Lewandowski.