BerlinSportlich läuft es bei Hertha BSC in dieser Saison bisher alles andere als optimal. Trotz phasenweiser guter Leistungen holten die Berliner aus sechs Spielen lediglich vier Punkte. Nun sorgen die Blau-Weißen nach der chaotischen vergangenen Spielzeit auch wieder für Schlagzeilen abseits des Feldes. Investor Lars Windhorst habe seine für Ende Oktober zugesagte vierte Tranche nicht geleistet. Einen entsprechenden Bericht der „Sportbild“ bestätigte der Klub. „Hertha BSC und die Tennor Holding B.V. haben sich hinsichtlich der ursprünglich für Oktober vereinbarten Zahlung in Höhe von 100 Millionen Euro auf einen neuen Zahlungsplan verständigt“, teilten die Blau-Weißen auf Nachfrage mit. Damit sei gewährleistet, „dass der gesamte Betrag innerhalb des laufenden Geschäftsjahres der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA zufließt“.

Dass sich hinter den Kulissen etwas zusammenbraut, offenbart Tennor, das die neue Vereinbarung gegenüber der Berliner Zeitung anders kommentierte. „Wir können bestätigen, dass es jetzt eine Vereinbarung über einen Zahlungsplan gibt“, teilte die Investmentgruppe mit. Soll heißen: Eine ursprüngliche Zahlungsvereinbarung bis Ende Oktober, wie sie Hertha BSC wiederholt kommunizierte, habe es gar nicht gegeben. Weiter wollen sich weder Hertha noch Tennor zu den Vorgängen äußern.

Differenzen in der Ausrichtung 

Es sind nicht die ersten Differenzen zwischen Investor und Verein. Nach der Posse um Jürgen Klinsmann knatscht es bezüglich sowohl der finanziellen als auch der sportlichen Ausrichtung. „Das Ziel ist allen bei Hertha BSC klar. Und das heißt Qualifikation für den europäischen Wettbewerb“, erklärte der frühere Nationalkeeper Jens Lehmann, den Windhorst als seinen Berater in den Hertha-Aufsichtsrat berief. Präsident Werner Gegenbauer trat diesem Ansinnen auf der Mitgliederversammlung energisch entgegen. „Herr Lehmann spricht als Berater von Tennor über und nicht für Hertha BSC“, machte er klar. Europa sei auch das Ziel der Verantwortlichen von Hertha BSC, allerdings handele es sich um ein „mittelfristiges Ziel“.

Auch über die Verwendung der bereits gezahlten 274 Millionen Euro für 49,9 Prozent der Anteile des Klubs, scheint es unterschiedliche Auffassungen zu geben. Während Tennor sich wünscht, dass das Geld überwiegend in den Kader investiert wird, baute Hertha damit auch Schulden ab. Und daran soll sich in dieser Saison auch nichts ändern. Finanz-Chef Ingo Schiller kündigte erst Ende Oktober an, dass man trotz der coronabedingten Mindereinahmen von mehr als 35 Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr (1. Juli bis 30.6.2021, d. Red.) die Verbindlichkeiten abbauen und das Eigenkapitel stärken will. „Durch die Kapitalmaßnahmen sind wir wirklich gut aufgestellt. Wir werden trotz der Einschläge definitiv eine positive Liquidität haben“, erklärte Schiller.

Unklar bleibt, inwieweit die verspätete Überweisung der dritten Tranche in Höhe von 50 Millionen Euro, die angeblich bis Ende Juni fällig war, Auswirkungen auf Herthas Aktivitäten auf dem bis zum 5. Oktober geöffneten Transfermarkt hatte. Cheftrainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz betonten stets, den im Sommer vollzogenen Umbruch im Kader durch weitere Zugänge auffangen zu wollen. Dass dennoch weniger Spieler verpflichtet wurden als geplant, begründete Labbadia zum einen damit, dass der Markt durch die Corona-Pandemie zwischenzeitlich fast vollständig zum Erliegen kam. Zum anderen werde Hertha falsch wahrgenommen. So viel Geld sei gar nicht vorhanden. „Trotzdem merken wir, dass wir gern als Neureiche bezeichnet werden. Und das trifft nicht ganz zu“, sagte er. Manager Michael Preetz verwies stets auf die Gehaltsstruktur im blau-weißen Kader, die er nicht sprengen wolle: „Ausufernde Gehälter und Ablösesummen von 30 Millionen Euro oder mehr wird es bei Hertha BSC nicht geben.“

Tennor setzt auf Carsten Schmidt 

Dass Hertha aber sehr wohl in solche Sphären vorstieß, zeigte sich im Winter, als der Klub unter dem damaligen Cheftrainer Klinsmann für Aufsehen sorgte, indem er sich mit Ausgaben von fast 80 Millionen Euro für neue Spieler zum Shopping-Weltmeister kürte und selbst zahlungskräftigere Premier-League-Klubs in den Schatten stellte. Zwar sprach Schiller weiter von einer Investitionsphase, allerdings erteilte er weiteren Rekordtransfers eine klare Absage: „Wir sind gut beraten, Reserven aufzubauen, um die nicht vorhersehbare Dauer der Pandemie zu meistern.“ 

Die Wogen glätten könnte der neue Geschäftsführer Carsten Schmidt. Der langjährige Chef des TV-Senders Sky in Deutschland übernimmt ab 1. Dezember den Vorsitz der Geschäftsführung und wird damit zum Vorgesetzten von Schiller und Preetz. Windhorst machte keinen Hehl daraus, dass er sich dadurch eine Zeitenwende erhofft. „Seine Vita und seine Kompetenz passen sehr gut zu dem neuen Weg, den Hertha BSC eingeschlagen hat. Er ist ein Medien- und Marketingprofi“, erklärte der 43-Jährige und ergänzte vielsagend: „Ein Fußballverein lebt auch vom öffentlichen Erscheinungsbild.“