Berlin - Die deutschen Handballer haben im zweiten Spiel ihrer neuen Zeitrechnung nur zeitweise Lust versprüht. Das umgekrempelte Team von Bundestrainer Alfred Gislason verspielte am „Tag des Handballs“ in Düsseldorf beim 30:32 (17:17) gegen Portugal einen Vier-Tore-Vorsprung und kassierte im zweiten Härtetest somit einen kleinen Dämpfer.

Gislason blickte dennoch positiv auf die vergangenen Tage zurück. „Das war eine extrem wichtige Woche, um mit den neuen Jungs zu arbeiten. Wir haben viele Erkenntnisse gewonnen. Die Neuen haben sich sehr gut präsentiert“, sagte der Isländer.

Verabschiedung von Gensheimer und Weinhold

Auch je vier Tore der besten deutschen Werfer Johannes Golla, Lukas Zerbe, Marcel Schiller und David Schmidt reichten vor den Augen des offiziell verabschiedeten bisherigen Kapitäns Uwe Gensheimer nicht zum Sieg des deutschen Teams. In der Halbzeitpause des Sonntagspiels wurde zudem der langjährige Leistungsträger Steffen Weinhold verabschiedet. Sie erhielten aus den Händen von DHB-Präsident Andreas Michelmann und DHB-Sportvorstand Axel Kromer einen Strauß Blumen sowie ein Abschiedsfoto. Die Zuschauer spendeten Standing Ovations. Auch der langjährige Mannschaftsarzt Kurt Steuer wurde verabschiedet.

Am Freitag hatte Deutschland in Luxemburg beim ersten Duell mit dem EM-Sechsten (30:28) viel Spielfreude gezeigt und Lust auf die EM im Januar gemacht. An diese Leistung knüpfte es vor 5478 Zuschauern in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt anfangs an, als vor allem die jungen Spieler auf der Platte standen. Die insgesamt sieben Neulinge, die schon am Freitag auf sich aufmerksam gemacht hatten, bekamen am Sonntagnachmittag gegen den WM-Zehnten in der ersten Spielhälfte viel Verantwortung übertragen.

Neuer Kapitän Golla überzeugt

So durfte zwischen den Pfosten Neuling Joel Birlehm in seinem ersten Länderspiel vor eigenem Publikum beginnen - und fügte sich mit einer starken Quote prächtig ein. Birlehms Leipziger Teamkollege Luca Witzke ordnete den deutschen Angriff, wo Golla zwischenzeitlich der einzige erfahrene Akteur war.

Es dauerte nicht lange, ehe das deutsche Offensivspiel ins Rollen kam. Kapitän Golla traf zur ersten Führung, die das deutsche Team zwischenzeitlich auf vier Tore ausbaute. Der kämpferisch überzeugende Golla wurde immer wieder am Kreis gefunden, hinten hielt der 24-Jährige den Innenblock beisammen.

Vor allem die rechte Seite mit Lukas Zerbe fand immer Lücken, zudem spielte die deutsche Mannschaft Gegenstöße mit dem starken Rückhalt Birlehm effizient aus.

Gislason schimpft lautstark

Die Portugiesen fanden sich mit zunehmender Spieldauer allerdings besser zurecht, Deutschland hatte wegen mehrerer Fehler kurz vor der Pause seine bislang schwächste Phase und kam auch nach dem Wechsel mit den nun auf dem Feld stehenden Stammkräften um Philipp Weber und Timo Kastening nicht besser ins Spiel.

Gislason schimpfte bei einer Auszeit lautstark mit seinem Team, das mit vier Treffern in Rückstand geriet. Das Spiel war nun offener. Im Tor zeichnete sich wie schon in Luxemburg der Wetzlarer Till Klimpke aus und verhalf dem deutschen Team noch einmal zum Anschluss. Es entwickelte sich eine spannende Schlussphase mit dem besseren Ende für die Portugiesen.

Bereits am Freitag nach dem gelungenen Auftakt, der mit einem Sieg gegen die Portugiesen endete, und bei dem Timo Kastening mit sechs Treffern erfolgreichster deutscher Werfer war, hatte DHB-Sportvorstand Axel Kromer gesagt: „Es ist klar, dass wir noch nicht konstant auf hohem Niveau durchspielen. Aber wir haben Spielfreude und Begeisterung gesehen.“