Für Damantang Camara kam jede Hilfe zu spät. Der 24 Jahre alte Stürmer des Berliner SC brach am Dienstagabend beim Training zusammen. Wiederbelebungsversuche des herbeigerufenen Notarztes blieben erfolglos. Damantang Camara hinterlässt eine Lebensgefährtin und einen zweieinhalb Jahre alten Sohn. Mit der Familie trauern der Berliner SC, die Berlin-Liga, der gesamte Berliner Fußball.

Rückblende: 21. März 2017, ein Fußballplatz am Sachsendamm in Schöneberg. Damantang Camara hat den Treffpunkt ausgesucht, weil er hier gleich mit dem Team von SD Croatia trainieren wird. Jetzt sitzt er in der Umkleidekabine und erzählt von seiner Krankheit, dem Ende seiner Karriere, seinem Comeback. Camara leidet an einer Verdickung der Herzwand. Jahrelang trieb er Sport ohne zu ahnen, welcher Gefahr er sich damit aussetzen könnte.

Ende einer Spielerkarriere

Er spielte schon in seiner Heimat Guinea Fußball und noch intensiver in Berlin, wohin er mit Vater und Schwester umgezogen war. Er gehörte zur U19 von TeBe, ging 2012 zu Viktoria 1989, stürmte in der Oberliga. Dann kam der 4. Juli 2014, das Finale im Pokal stand bevor, Viktoria gegen Tasmania. Wieder eine Chance zu zeigen, was er kann. Doch Camara fällt im Training um, einfach so.

„Nach ein paar Sekunden kam ich wieder zu mir, alles war wieder in Ordnung“, erzählt Camara an jenem Abend vor einem Jahr. Ins Krankenhaus ging er dennoch, ein paar Tage später. Die Ärzte verweigerten ihm das obligatorische Attest für seinen Spielerpass. Das war das Ende der Karriere, so sah es jedenfalls aus.

„Mir wurde Sport nicht verboten, mir wurde nur davon abgeraten“

Camara beendete seine Ausbildung zum Physiotherapeuten, betreute die A-Jugend von Viktoria 1989, bekämpfte so die düsteren Gedanken nach der erzwungenen Trennung von seiner großen Leidenschaft, dem Fußball. Auf demselben Platz wie Viktorias Nachwuchs trainierte SD Croatia. Sie kamen ins Gespräch und Camara irgendwann zu der Überzeugung, es noch einmal versuchen zu können. Er sei oft untersucht worden, alle Befunde seien gut gewesen. „Mir wurde Sport nicht verboten, mir wurde nur davon abgeraten.“ Das sagt er damals in Schöneberg.

Damantang Camara hat in der vorigen Saison 13 Tore in der Berlin-Liga für Croatia geschossen. Jetzt, beim Berliner SC, traf er vierzehnmal.   Beim 1:1 gegen Al-Dersim vor vier Wochen erzielte er das erste Tor des Klubs im neuen Jahr.

Camara war sich des Risikos bewusst, das er einging: „Die Ärzte können mir keine hundertprozentige Sicherheit geben.“ Er kannte die Geschichte des deutschen Nationalspielers Gerald Asamoah, dem trotz Herzfehlers eine lange Karriere vergönnt war, kannte aber auch tragische Geschichten von Fußballern, die plötzlich auf dem Platz verstarben. Camara war kein Hasardeur. Er war gefangen von einer Leidenschaft. „Fußball“, hat er im März vor einem Jahr gesagt: „Fußball ist mein Leben.“