Berlin - Der erste Auftritt der Eisbären in dieser Saison mit dem 3:2-Heimsieg gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven war insbesondere für Sportdirektor Stéphane Richer weitaus mehr als nur ein gelungener Einstand in eine mit Sicherheit ungewöhnliche Spielzeit. Es ist der von ihm zusammengestellten Mannschaft am Freitagabend nämlich nicht nur gelungen, den Anhängern die schlimmsten Befürchtungen zu nehmen. In der Vorbereitung machte der EHC, teils personell geschwächt, einen besorgniserregenden Eindruck. Diese ersten 60 Minuten gaben vielmehr einen Vorgeschmack, welches Potenzial in dem Team steckt, wenn die Folgen der Corona-Infektionen ausgestanden und die neuen Kräfte voll integriert sind. Kris Foucault mit seinem Führungstor und der Vorlage zum 2:1 sowie Matt White, der genau hier traf und an allen drei Toren beteiligt war, haben sich selbst, dem Team und den Verantwortlichen einen Traumeinstand beschert.

Leo Pföderl, der Schütze des zwischenzeitlichen 3:1, gab sich anschließend entsprechend euphorisch. „Die Mannschaft hat überragend gekämpft, weil jeder weiß, was wir für eine beschissene Vorbereitung hatten mit Corona und sonstigem Käse. Ich bin superfroh und superstolz auf diese Truppe.“ Wirklich überrascht vom positiven Einfluss der neuen Kollegen war er allerdings nicht. „Das sind super Eishockeyspieler. White hat in Augsburg schon richtig gut abgeliefert. Der Foucs hat auch immer gut einen drin.“ Was aus dem Bayerischen übersetzt so viel heißt wie: Foucault ist immer wieder für eine Überraschung gut. Der dritte Spätverpflichtete, Giovanni Fiore, wusste läuferisch zu überzeugen, muss sich aber noch in das Berliner System einfinden. Im Gegensatz zu den anderen beiden ist er neu in der DEL.

Der Kader wirkt nahezu komplett

Ein wenig musste wohl das Schicksal eine Rolle spielen, dass dieses Trio nun im EHC-Trikot aufläuft. Im Falle von Foucault profitierten die Berliner vom munteren Transfertreiben der Krefeld Pinguine. Zu dieser Saison war er ja erst von Ingolstadt an den Niederrhein mit der Empfehlung von 42 Punkten aus 52 Spielen gewechselt, wurde aber nicht sesshaft dort. Fiore kam auf Empfehlung des Schwesterteams L.A. Kings, er gehörte als Profi von Ontario Reign zur Organisation. Wann White konkret in den Fokus gerutscht ist, bleibt ein Geheimnis. In den zwei Spielzeiten für Augsburg (2017 bis 2019) wusste er mit 100 Scorerpunkten aber durchaus zu überzeugen.

Musste man vor wenigen Tagen noch den Eindruck haben, dass die zahlreichen Abgänge nach der abgebrochenen Vorsaison nicht kompensiert wurden, wirkt der Kader nun nahezu komplett. Es ist kein Geheimnis, dass die Eisbären noch auf der Suche nach einem Center sind. James Sheppard, Louis-Marc Aubry und Maxim Lapierre, allesamt bekanntlich nicht mehr dabei, gehörten zur beeindruckenden Mittelachse der vergangenen Spielzeit. Gegen Bremerhaven zeigte Mark Zengerle dank der neuen Nebenleute zum ersten Mal das Potenzial auf dieser Position, das die Verantwortlichen in ihm sehen. Ihr Blick richtet sich nun in Richtung Nordamerika, wo noch die letzten Entscheidungen fallen müssen, wann und ob zum Beispiel die AHL wieder startet. Um dann die Fühler nach einem weiteren Leistungsträger auszustrecken.

Das Gefühl Whites, dass die Eisbären „nicht viel Zeit“ hatten, „um uns aneinander zu gewöhnen“, aber trotzdem der Eindruck einer echten Einheit entstanden ist, dürfte sich in den kommenden Tagen auch dadurch verstärken, dass gleich vier Spieler noch nicht mit von der Partie sein konnten. Marcel Noebels, Stefan Espeland und Nino Kinder wiesen noch Trainingsrückstand auf, Jonas Müller saß eine Sperre aus der letzten Saison ab. Mit ihrer Rückkehr als Konkurrenten um die Plätze, ergibt sich für Trainer Serge Aubin eine erfreuliche Auswahl.