Berlin - In der Halbzeit hatte Friedhelm Funkel eine Idee. Ziemlich gerädert stapften die Profis des 1. FC Köln in die Kabine, mit viel Mühe und viel Glück hatten sie den Angriffswirbel von RB Leipzig ohne Gegentor überstanden – nach vorne fehlte völlig die Entlastung. Also schnappte Neu-Trainer Funkel sich seinen Kapitän, Jonas Hector sollte aus dem defensiven Mittelfeld nach vorne rücken, für mehr Torgefahr sorgen. Und 45 Minuten später war dieser Plan ziemlich beeindruckend aufgegangen: Mit seinem ersten Erstliga-Doppelpack (46./60.) führte der Ex-Nationalspieler „seinen“ FC zum 2:1 (0:0)-Sieg gegen den klaren Favoriten – und plötzlich hofft man in Köln wieder auf den Klassenerhalt.

Jonas Hector wird plötzlich zum Torjäger

„Die Mannschaft hat auch in den vergangenen Spielen wirklich gute Leistungen gezeigt, sie hat aber nicht gewonnen“, sagte Funkel nach seinem ersten Sieg im zweiten Spiel auf der FC-Bank: „Vielleicht bringt dieser Erfolg eine etwas breitere Brust.“ Noch vier Spiele bleiben, helfen dürfte in jedem Fall die aktuelle Form des Kapitäns. Hector war am Dienstagabend nicht bloß „der Torjäger, den wir gebraucht haben“, wie Rafael Czichos sagte. „Er war einfach überall“, ergänzte Abwehr-Kollege Sebastiaan Bornauw, auch einer von denen also, die Hectors Wirken aus der Defensive bestaunen durften.

Der 30-Jährige hat in dieser Saison viele Spiele wegen Nackenproblemen verpasst, mittlerweile führt er die Mannschaft aber wieder als Stabilisator, als Taktgeber – und manchmal eben auch als Torschütze. „Jonas ist als Kapitän vorneweg und an seine Grenzen gegangen“, sagte Funkel, „und er war in den vergangenen Wochen unser torgefährlichster Spieler.“ Am Mittwoch ergänzte er lächelnd, dass er nun „in jedem Spiel zwei Tore“ von Hector erwarte und die „Latte ziemlich hoch“ liege. Sicherheitshalber fügte er ein „Spaß beiseite“ an. Dem Doppelpacker selbst war es am Ende „egal, wer die Tore schießt. Heute haben alle alles für den Sieg getan. Das ist absolut wichtig für die kommenden Wochen“.

Schon am Freitag (20.30 Uhr, DAZN) geht es für die Kölner nun beim FC Augsburg weiter, und auch danach warten mit dem SC Freiburg, Hertha BSC und Schalke 04 bis zum Saisonende ausschließlich Gegner auf den FC, gegen die auch ein Abstiegskandidat auf Sieg spielen darf.

Zwei Probleme hat Funkels Mannschaft aber noch immer. Trotz des Sieges bleibt sie als 17. auf einem direkten Abstiegsplatz. Die Hertha liegt davor punktgleich auf dem Relegationsrang, hat wegen ihrer Corona-Quarantäne aber zwei Spiele weniger absolviert. Und auch die übrigen Kontrahenten punkten momentan ja fleißig. Friedhelm Funkel wollte sich aber bei noch vier verbleibenden Spielen auf keine Rechenspielchen einlassen, sondern sich „nur auf uns konzentrieren“.

Und daran tun die Kölner gut. Denn in der bisherigen Saison ist ein Muster zu beobachten, dass sich besser nicht wiederholen sollte: Immer wieder hatte sich der FC in den vermeintlich schwierigsten Spielen bislang wichtige Punkte erarbeitet, anschließend in den Duellen mit Gegnern auf Augenhöhe aber noch mehr Zähler liegen lassen. Es gelte nun, „gegen diese vier Teams mit der gleichen Spannung und der gleichen Leidenschaft“ aufzutreten, sagte Funkel. Und nur dann dürfen die Kölner vielleicht doch noch auf eine weitere Saison in der Ersten Liga hoffen.

Hoffen auf Klassenerhalt und eine Rückkehr von Peter Stöger

Hoffnungen gibt es zudem auf eine Rückkehr von Peter Stöger. Wie die Sport Bild am Mittwoch berichtete, soll der Österreicher dem FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle in einem Telefonat seine grundsätzliche Bereitschaft für ein zweites Engagement gegeben haben – auch im Falle eines Abstieges in die 2. Fußball-Bundesliga. Stöger (55) hatte den FC bereits von 2013 bis 2017 mit Erfolg trainiert. Neben dem Aufstieg 2014 stach vor allem der Einzug in die Europa League 2017 heraus. In dieser Saison geht es aber erst einmal nur um den Klassenerhalt.