Berlin - Deutschland steht vor dem nächsten Eishockey-Wunder. Dank eines erfolgreichen Penalty-Dramas gegen die Schweiz trennt Deutschland nur noch ein Sieg von der ersten WM-Medaille seit 68 Jahren und einer ähnlichen Sensation wie dem Olympia-Finale 2018. Mit dem packenden 3:2 (0:1, 1:1, 1:0) nach Penaltyschießen und einem 0:2-Rückstand gegen den Erzrivalen zog das deutsche Nationalteam am Donnerstag in Riga in das Halbfinale ein und hat schon jetzt das beste WM-Abschneiden seit dem Heim-Turnier vor elf Jahren sicher. Marcel Noebels verwandelte den entscheidenden Penalty.

In der Vorschlussrunde am Sonnabend hat die Auswahl von Bundestrainer Toni Söderholm die Chance auf die erste WM-Medaille seit Silber 1953. Sein Team erfüllte sich mit einmal mehr großer Leidenschaft die eigenen äußerst hoch gesteckten Erwartungen und träumt nun von mehr. Tom Kühnhackl (38. Minute) und Leon Gawanke 44 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit schossen die Deutschen in die torlose Verlängerung und Noebels schließlich im zwölften Viertelfinale seit 1992 erst zum zweiten Sieg. Die Schweiz wähnte sich nach Treffern von Verteidiger Ramon Untersander (16.) vom SC Bern und Stürmer Fabrice Herzog (34.) vom HC Davos schon wie der Sieger.

Mit dem Erfolg wiederholte sich ein kleines Stück deutscher Eishockey-Geschichte. 2010 hatte Deutschland als WM-Gastgeber mit 1:0 gegen die Schweiz erstmals überhaupt ein WM-Halbfinale erreicht. Korbinian Holzer war bei den Deutschen ebenso wie Andres Ambühl bei den Schweizern schon damals dabei gewesen – und war jetzt in Riga erneut einer der wichtigsten deutschen Verteidiger. Diesmal war das Duell ebenfalls intensiv, aber nicht so aufgeheizt wie vor elf Jahren in Mannheim.

Nach dem spielerisch schwachen Auftritt im Vorrundenfinale gegen die Letten präsentierte sich die Söderholm-Truppe verbessert und leistete sich lange nicht so viele Fehler in der neutralen Zone. Das Offensivspiel blieb aber lange ungefährlicher als das der Schweizer. Eine schöne Kombination des Kontrahenten führte zum Rückstand durch Verteidiger Untersander vom SC Bern.

Das DEB-Team überzeugte aber wieder mal mit seinem „Löwenherz“ (Söderholm) und überstand auch die Unterzahl gegen die beste Überzahlmannschaft des Turniers. Dennoch folgte das 0:2. Aber Kühnhackl, vor knapp fünf Jahren in Riga entscheidender Torschütze für die Olympia-Qualifikation, stocherte noch vor dem Ende des zweiten Drittels den Puck zum Anschluss ins Tor. „Wir wollen daran anknüpfen“, kündigte Kapitän Moritz Müller an.

Im Schlussdrittel machte das deutsche Team noch einmal Dampf und wurde durch Gawankes Schuss kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit mit einem Mann mehr auf dem Eis für diesen Kraftakt belohnt.