Im kommenden August, wenn die neue Saison beginnt, wird Pal Dardai genau auf den Wetterbericht achten. Bei Sonnenschein wird er hinaus auf den Plattensee schippern, mit seinem „kleinen Boot“, das groß genug ist für einen „kleinen Fernseher“. Und auf dem wird er dann Fußball schauen. Bundesliga. Hertha BSC. Aber wenn das Wetter schlecht sein sollte am Balaton, wo die Sonne im August durchschnittlich neun Stunden scheint und es nur an sechs Tagen mal ein bisschen regnet, dann wird er sich ins Flugzeug setzen, nach Berlin fliegen ins Olympiastadion gehen. Als Zuschauer. Nicht mehr als Trainer. Nur noch als Fan von Hertha BSC.

Am Donnerstag hat Dardai erstmals über seinen Abschied gesprochen. Über die Pause, die er sich nach dem letzten Spieltag nehmen will, um nach viereinhalb Jahren endlich mal einen längeren Urlaub zu machen. „Ich brauche das, ich habe mir das verdient“, sagte Dardai. Es steht aber noch mehr auf dem Programm: „Ich werde bei ein paar großen Vereinen hospitieren, mich ein bisschen mit Sportwissenschaft beschäftigen. Normalerweise komme ich dann zurück und Micha gibt mir eine Aufgabe.“ Michael Preetz hat nun ein Jahr Zeit, diese Aufgabe zu finden. Aber nur noch einen Monat für ein Abschiedsgeschenk: „Mein spezieller Wunsch ist“, sagte Dardai. „Sie sollen mir eine schöne Uhr kaufen.“

Dardai: "Ich bin ein komischer Mensch."

Am Ostersonntag um sechs spielt Hertha gegen Hannover, es ist das drittletzte Heimspiel für Dardai. Er freut sich darauf. Es gibt noch einiges zu tun. Die Saison ist nicht zu Ende, und das hat der Trainer auch der Mannschaft erklärt. „Es gibt keinen Urlaub, nicht, dass einer denkt, Pal ist mit einem Bein weg und man kann jetzt chillen.“ Damit es auch jeder versteht, war auch Preetz noch mal in der Kabine. Die Niederlagenserie darf sich nicht fortsetzen. Die Mannschaft soll gefälligst eine Antwort zeigen. Dardai: „Das ist sehr wichtig für den Verein, für die Platzierung, das ist sehr wichtig für alle Herthaner.“

Dardai machte einen gelösten Eindruck, er sei erleichtert, sagte er. Er habe keine Wut in sich, es sei „alles in Ordnung, Männer, das ist die Zeit. Von mir kommt nie ein negatives Wort über Hertha BSC, nicht mal über den Manager, nicht über die Presse. Man darf nie vergessen: Pal Dardai kann sich für alles bei Hertha BSC bedanken.“ Das Leben gehe weiter. „Ich bin ein komischer Mensch. Ich komme damit klar.“

Dardai: Es war "zäh"

Der scheidende Trainer bestätigte aber schon, dass sich eine gewisse Müdigkeit eingeschlichen habe in den vergangenen Jahren. „Du gibst so viel Energie, musst immer da sein.“ Schon vor der Saison fiel ihm auf, dass es „zäh“ werden könnte. Er beschloss: „Aber doch, machen wir.“ Es sei eben Schicksal gewesen, dass es zuletzt nicht so lief. Das Verletzungspech. Das fehlende Spielglück. Die Umstände. „Wer weiß, was passiert wäre, wenn Hertha BSC 100 Millionen Euro hätte ausgegeben können jedes Jahr.“

Wichtig ist Dardai, dass er im Guten scheidet, dass er noch etwas zurückgeben kann. Vor allem den Fans. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man spürt, wie die Leute und Fans mich lieben und mögen. Diese Liebe sollen sie jetzt der Mannschaft schenken am Sonntag.“

Und zum Schluss noch ein typischer Dardai in ungekürzter Länge: „Seitdem ich mein Kopf kenne, weiß, wer ich bin, das ist, wenn du drei, vier Jahre alt bist ungefähr, habe ich immer in einer Kabine gehockt. Ich bin nicht beleidigt, ich bin nicht wütend, ich schwimme mit der Situation, habe ich immer getan, auch als Spieler. Manchmal habe ich gespielt, manchmal nicht, manchmal wollten sie mich verkaufen, manchmal sollte ich gehen. Und trotzdem bin ich hier, bleibe ich hier.“