Ob Herthas Matheus Cunha nach seiner Berufung auch für die brasilianische Nationalmannschaft spielen wird, ist noch nicht geklärt.
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BerlinEigentlich ist es eine schöne Nachricht: Matheus Cunha, 21, darf für Brasilien spielen. Er wäre nach neun Jahren der erste Zuckerhut-Fußballer bei Hertha, der für die Seleçao antreten darf. 2011 war es Gilberto, dem diese Ehre zuteil wurde. Davor hatten es von Herthas ehemaligen blau-weißen Brasilianern Marcelinho, Lucio, Luizao und Mineiro geschafft. 2010 wurde Cicero vom brasilianischen Nationalcoach eingeladen, spielte aber nie.

Die Nominierung hat jetzt auch Cunha in der Tasche. Doch ob er überhaupt für die Seleçao spielen wird, ist fraglich. Denn die Corona-Pandemie stellt gerade vieles infrage und natürlich auch die Reise des offensiven Mittelfeldspielers in ein Hochrisikogebiet. Hinter den Hertha-Kulissen wird heiß diskutiert: Soll Cunha überhaupt nach Brasilien fliegen?

Es wird eine Entscheidung zwischen Herz und Verstand. Für jeden brasilianischen Profi ist die Nominierung in die Seleçao ein göttlicher Ritterschlag. Trainer Bruno Labbadia weiß es genau: „Als Matheus davon am Freitag erfahren hat, war er unfassbar berührt. Ich freue mich extrem für Matheus. Ich gönne es ihm sehr.“ Für den Mittelfeld-Zauberer wäre sein Debüt bei den Zuckerhut-Kickern in den WM-Quali-Spielen gegen Bolivien (10. Oktober) und in Peru (14. Oktober) ein Traum, der in Erfüllung geht.

Wäre da nicht die Pandemie. Denn Cunha könnte danach wegen der Fünf-Tage-Quarantäne-Verordnung des Gesundheitsamtes Charlottenburg höchstwahrscheinlich nicht beim nächsten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in knapp drei Wochen dabei sein. Schließlich gilt Brasilien als eins der weltweit am stärksten von Corona betroffenen Länder.

Ob Cunha überhaupt nach Brasilien fahren darf, kann Labbadia im Moment nicht sagen. „Wir haben die Problematik, dass wir in Deutschland unterschiedliche Auslegungen von den Gesundheitsämtern haben“, so der Hertha-Trainer. „Einige Nationalspieler, die im Ausland waren, müssen in Quarantäne, andere wiederum nicht.“

Die Fifa hat im September klar geregelt, dass Vereine ihre Spieler nicht zu Nationalteams abstellen müssen, wenn diese in Corona-Risikogebieten spielen. Trotzdem machte Hertha die unliebsame Erfahrung, dass Stürmer Krzysztof Piatek, als er mit Polen in Bosnien gespielt hatte, fünf Tage in Quarantäne musste. Der polnische Verband ließ Piatek einfach nicht frühzeitig zurückkommen, obwohl es Hertha gefordert hatte. „Da wurden wir alleingelassen, obwohl wir uns an alles gehalten haben“, so Labbadia.

Hertha und alle anderen Bundesligaklubs drängen auf eine einheitliche Regelung vonseiten der Politik. Auf dieses Signal warten alle. „Ich bin sehr gespannt, wie das geregelt wird, es ist alles schwierig“, sagt Labbadia.  Wenn es keine klaren Absprachen gibt, wird Hertha Cunhas Traum von der Seleçao wohl noch nicht erfüllen.