Darth Putin ist die Figur hinter dem Twitter-Account @DarthPutinKGB. Politisches Geschehen wird dort satirisch so kommentiert, als sei es der russische Präsident selber, der postet. Auch auf die WM warf Darth Putin den politischen Blick, wie er im Gespräch mit der Berliner Zeitung verrät.

Über den Menschen hinter dem Parodie-Account ist wenig bekannt: Er begann seine Tweets vor rund fünf Jahren. Er hat mal in Russland gelebt. Es ist nicht Wladimir Putin, der dort twittert. Wobei...

Die WM ist bald vorbei. Wie geht’s?

Ich habe gemischte Gefühle. Einerseits habe ich Fußball nie besonders gemocht, aber dann habe ich rausgefunden, dass Spieler gelegentlich ihr T-Shirt ausziehen – da hatte ich das Gefühl, ich kann zu diesem Sport eventuell etwas beitragen. Andererseits brauchen wir, wenn die Weltmeisterschaft vorbei ist, igendein anderes Ereignis, das wir im Fernsehen zeigen können, um die Leute davon abzulenken, dass ich das Rentenalter erhöht habe, um meine Kriege und Paläste zu bezahlen. In der Vergangenheit haben wir in solchen Fällen sehr erfolgreich dramatische Bilder aus Syrien gezeigt, wo die Einsätze des russischen Militärs so erfolgreich sind, dass wir uns schon mindestens zweimal aus dem Land zurückgezogen haben.

Von der russischen Nationalmannschaft haben Sie sich nur das Eröffnungsspiel angesehen. Warum?

Ich war damit beschäftigt, Video-Mitschnitte des Publikums zu sichten und zu schauen, wer nicht „Wladimir“ gerufen oder nicht lange genug geklatscht hat.

Bei Premierminister Medwedew hingegen sah es so aus, als sei er bei jedem Spiel, das er sich im Stadion angesehen hat, eingeschlafen. Wird das Konsequenzen haben?

Seine Rolle ist es, wie ein Idiot zu wirken, damit ich gut dastehe, und die Verantwortung für meine Fehler zu übernehmen. Im Stadion einzuschlafen hilft ihm, sein Image in dieser Hinsicht zu verbessern.

Viele Menschen waren überrascht vom Erfolg der russischen Mannschaft. Sie auch?

Nein. Der russische Staat hat viel Erfahrung darin, unsere Athleten einerseits gut zu motivieren, indem wir ihnen die Konsequenzen ihres Scheiterns aufzeigen, und ihnen andererseits den nötigen „wissenschaftlichen Wettbewerbsvorteil“ zu verschaffen.

Es gab großes Interesse an dem Riechsalz, das russische Spieler offenbar benutzen. Was stehen Sie dazu?

Sagen wir mal so: Es ist zwar auch für die Nase, hat aber nichts zu tun mit dem Zeugs, das unsere Diplomaten in Argentinien damals verkauft haben.

Angesichts des russischen Siegs gegen Spanien: Welche Zukunft sehen Sie für die Beziehungen?

Spanien ist und bleibt ein beliebtes Ziel für unterschlagenes Geld aus Russland. Wenn Sie unser Außenministerium fragen, werden wir Ihnen sagen, dass wir gute Beziehungen zu Spanien pflegen. Wenn Sie unsere staatlich gelenkten Nachrichten lesen, sehen Sie, dass wir dort mit aller Kraft die katalanischen Separatisten unterstützen, um ein EU- und Nato-Mitgliedsland zu schwächen, dessen Staatsanwälte die nervige Angewohnheit haben, das kriminelle Geld, von dem ich gerade sprach, zu untersuchen.

Und wie ist es um die russischen Beziehungen zu Kroatien bestellt?

Kroatien ist doch kein echtes Land.

Der russische Trainer Stanislaw Tschertschessow hat erzählt, dass Sie beide regelmäßig telefoniert haben, als die Sbornaja noch nicht ausgeschieden war. Werden Ihnen diese Telefonate nun fehlen?

Nein. Ich kann ihm doch jederzeit beim Telefonieren zuhören, ob er das will oder nicht. Das habe ich doch damals auch schon Edward Snowden erklärt, so sind unsere Gesetze.

Ein Name, den wir in den vergangenen Wochen kaum gehört haben, ist Witali Mutko. Was treibt der Sport-Funktionär im Moment?

Witali Mutko hält sich vollständig an die Regeln, die ihm die Wada auferlegt hat. Und wenn Sie das glauben, dann glauben Sie sicherlich auch, dass die kleinen grünen Männchen auf der Krim keine russischen Soldaten waren.

In Deutschland herrscht natürlich große Enttäuschung darüber, dass die Nationalmannschaft es nicht über die Gruppenphase hinaus geschafft hat. Wie ist Ihre Reaktion?

Dass es Deutschland nicht bis nach Moskau schafft, ehe der Sommer vorbei ist, ist kein neues Phänomen.

Die Engländer sind raus. Hatten Sie da Ihre Finger im Spiel?

Nein. Zu unterschätzen, was es für eine taktische Herausforderung ist, sich mit einem EU-Mitgliedsland anzulegen, das schaffen die Engländer ganz alleine.

Die Dating-App Tinder verzeichnete während der WM eine Steigerung ihrer Nutzerzahlen in Russland. Verzeihen Sie die indiskrete Frage, aber waren Sie Teil dieses Trends?

Ich habe mitbekommen, dass einige russische Frauen festgestellt haben, dass westliche Männer einfühlsamer im Bett sind als russische Männer. Ich denke, das ist ein klarer Beleg, dass ich nicht Teil dieses Trends war.

Was, denken Sie, hat die Welt während dieses Turniers über Russland gelernt?

Vor dem Turnier gab es viel grundlose Paranoia, wonach die Fans hier nicht sicher sein würden. Das war albern. Jeder, der Russland kennt, weiß, dass wir weder unseren Hooligans noch sonst irgendjemandem erlauben, sich in Russland daneben zu benehmen. Wir ermutigen sie höchstens, wie wir es bei der Europameisterschaft 2016 getan haben, sich im Ausland zu prügeln. Aber hier müssen sie sich benehmen, sonst gibt’s Ärger.

Was haben Ihrer Meinung nach die Russen von den Gästen aus anderen, vor allem westlichen, Ländern gelernt.

Meine größte Sorge ist, dass das Verhalten der ausländischen Fans gegenüber unseren Polizisten den Russen gezeigt hat, dass nicht jeder es gewohnt ist, Angst vor der Polizei zu haben. Das ist ein Zustand, den ich nach dem Finale sehr sorgfältig im Auge behalten werde.

Was wird sich als erstes ändern, wenn der letzte WM-Tourist das Land verlassen hat?

Es wird sich nichts ändern. Veränderung schadet der Stabilität.