Darum fordern Spiele der Südkorea-Elf in Katar Fußballfans besonders heraus

Ist das jetzt Jung Woo-Young oder Kim Young-Gwon? Das fragen sich TV-Zuschauer. Und klingt Fifa nur aus Zufall so ähnlich wie Vielfalt? Unsere WM-Kolumne.

Unverwechselbar: Südkoreas Star Son Heung-min in Katar.
Unverwechselbar: Südkoreas Star Son Heung-min in Katar.imago/Cheng

Ich bin ja bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft zu einem Fan der südkoreanischen Nationalmannschaft geworden. Morgen spielt sie wieder, gegen Portugal, wohl leider zum letzten Mal bei dem Turnier. Doch es ist erneut ein gutes Training für mein Gehirn. Ich muss mir viel merken. Namen vor allem.

Dass Kim Seung-gyu im Tor steht und nicht dessen Ersatzmann Jo Hyeon-woo erschließt sich noch von selbst. Doch das war es dann auch schon mit den Kinkerlitzchen in Koreas Kader. Deutlich schwieriger wird es zum Beispiel, Jung Woo-Young und Kim Young-Gwon auseinanderzuhalten. Das ist ungefähr so, als müsste ein Südkoreaner den Ginter Matthias vom Günter Christian unterscheiden, wenn er sich ein Spiel der deutschen Elf anschaut und zufällig beide im Einsatz sind. Doch welcher halbwegs normale Südkoreaner macht das schon: ein deutsches WM-Spiel schauen.

Richtig knifflig wird es, wenn sich Hwang In-Beom und Hwang Eui-Jo vor dem gegnerischen Tor in die Quere kommen und ich versucht bin loszubrüllen: „Was machen Hwang und Hwang denn da?“ Letzterer erhielt übrigens in der Offensive den Vorzug vor Hwang Hee-Chan, während Ersterer zum Glück ein kongeniales Duo mit Kim Moon-Hwan zu bilden vermochte. Schade, dass Lee Jae-Sung eine Liaison mit Jeong Woo-Yeong auf dem Platz bislang verwehrt blieb. Nicht nur fußballerisch, sondern auch lautmalerisch ist das unverzeihlich.

Fifa klingt nach Vielfalt. Nur ein Zufall?

Ohnehin hätte ich Trainer Bento in puncto Gleichklang durchaus mehr Mut zugetraut. In seinem Kader steckt schließlich enormes Potenzial. Beispielsweise würde Song Bum-keun an der Seite von Song Min-kyu und Son Heung-min Gefahr ausstrahlen, schon allein von der Aussprache her. Doch der portugiesische Chefcoach der Südkoreaner kapituliert offenbar vor dem Gebot der Vielfalt, das die Fifa bei diesem Turnier in Katar ohne Rücksicht auf Verluste, insbesondere finanzieller Art, durchzusetzen gedenkt. Nicht von ungefähr klingen Vielfalt und Fifa so zum Verwechseln ähnlich wie Chang-hoon und Sang-ho.

In seinem Vielfaltwahn verschont der Weltverband niemanden bei dieser WM, nicht einmal die deutschen TV-Kommentatoren, die deshalb gleich anmutende südkoreanische Spielernamen lieber unerwähnt lassen. Für die Merkfähigkeit eines Fußball-Fans ist das besser so. In diesem Sinne: Kang-in and find out.