Darum kann Niels Giffey heute mit Alba Berlin gegen Oldenburg den Pokal holen 

Giffey hat ein Tief gemeistert. Jetzt kann er Alba mit seinem facettenreichen Spiel zum Pokalsieg führen.

Berlin-Als David Hanselmann seinen größten Hit schmetterte, waren Luke Sikma und Alba Berlin gerade einmal ein Jahr alt. Der Rest des aktuellen Alba-Teams hatte das Licht der Welt noch gar nicht erblickt. Vielleicht aber sollten sie dieser Tage mal auf den einschlägigen Videoplattformen im Internet nach Hanselmann und dessen „Go get the Cup“ suchen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft ließ sich offenbar so sehr davon motivieren, dass sie im Sommer 1990 tatsächlich Weltmeister wurde und Hanselmann in diesem Erfolgssong auf Platz vier der Singlecharts landete. Die Sehnsucht nach einem Titel ist auch bei Alba spürbar. „Ich sehe bei den Jungs hungrige Augen“, sagt Martin Hermannsson vor dem Pokalfinale am Sonntag (20.30 Uhr) in eigener Halle gegen Oldenburg.

Augen auf im Pokalfinale: Niels Giffey ist bereit für das Duell gegen Oldenburg in der Arena am Ostbahnhof.
Augen auf im Pokalfinale: Niels Giffey ist bereit für das Duell gegen Oldenburg in der Arena am Ostbahnhof.Imago Images/Bernd König

Der Aufbauspieler hat in der vergangenen Saison drei Titelchancen mit den Berlinern gehabt, dreimal aber dem Gegner beim Feiern zuschauen müssen. „Man kann stolz darauf sein, drei Finals erreicht zu haben“, sagt der Guard. Aber: „Am Sonntagabend möchten wir feiern.“ Das wollen auch Peyton Siva, Luke Sikma, Stefan Peno, Tim Schneider und Niels Giffey. Ihre Durststrecke ist mit fünf Finalniederlagen in den vergangenen zwei Jahren noch länger. Nicht ohne Folgen. So groß die Vorfreude auf das Finale in eigener Halle ist, so sind „die Finalniederlagen ein bisschen im Kopf“, sagt Giffey, „aber im Endeffekt haben wir uns auch jedes Finale erarbeitet und man redet immer darüber, dass wir so viele Finals verloren haben. Fakt ist, dass wir wieder in diesem Finale stehen und da muss man nicht so sehr auf die Vergangenheit schauen.“

Niels Giffey und ein Selfie fürs Archiv

Wenn er das tut und auf die Saison 2015/16 blickt, kann er sich einen positiven Moment ins Gedächtnis rufen: den bislang letzten Finalsieg der Berliner. Damals, an diesem 21. Februar 2016, war der Alba-Kapitän zwar verletzt, konnte aber dennoch mit seinen Teamkollegen den Pokalsieg in München bejubeln. Siegerselfies mit dem Mobiltelefon waren auch schon zu dieser Zeit angesagt und Niels Giffey ist noch heute im Archiv der Homepage von Alba Berlin auf einem Foto zu sehen, wie er gerade ein solches Selfie schießt. Am Sonntag ist es wieder der Pokal, den die Berliner gewinnen können.

Es wäre das zehnte Mal in der Vereinsgeschichte. Und Giffey ist diesmal gesund und hat sein kleines Formtief überwunden. Auf teils überragende Wochen folgte Anfang des Jahres eine Phase, in der es nicht ganz so lief. Die Wurfquoten gingen nach unten, Giffey wirkte, auch weil er verletzungsfrei geblieben war und immer ran musste, wenn Teamkollegen ausfielen, überspielt. Gegen Fenerbahce Istanbul gab es auch deshalb nur zwei Minuten Einsatzzeit, in der Bundesliga wurden seine Minuten runtergeschraubt.

„Manchmal muss man in so einer Saison mal durchatmen, gerade in einer Saison mit Euroleague“, sagt der Kapitän, „ich mache das zusammen mit der Nationalmannschaft seit August. Es ist klar, dass man da irgendwann mal in ein physisches Tief kommt oder es sich auf den Fokus auswirkt. Wichtig ist aber, dass man einen klaren Kopf behält und nicht zu emotional dabei wird.“

In den beiden vergangenen Spielen aber musste Giffey aufgrund der Personalsituation wieder jeweils mehr als 20 Minuten auf das Feld. Und das gleich in unterschiedlichen Rollen: Mal auf der Positionen des Flügelspielers, der auch unter dem Korb spielt, mal auf der zweiten Aufbauposition oder mal direkt unter dem Korb. Sein facettenreiches Spiel ist in der aktuellen Situation, in der Alba Berlin mal wieder große Personalprobleme hat, ein riesiger Gewinn, seine Erfahrung sowieso. Und was braucht es, um das Finale am Sonntag zu gewinnen? „Gerade gegen Oldenburg braucht es ein gewisses Energielevel, das wir durch das gesamte Spiel haben“, sagt er, „die haben Leute, die 30, teilweise sogar 40 Minuten spielen. Wir müssen gucken, dass wir den tieferen Kader aufs Spielfeld bekommen und dadurch das Energielevel hoch halten.“

Allein die Sache mit dem tieferen Kader hat einen Haken. Der langzeitverletzte Stefan Peno fehlt weiter, Tim Schneider und Makai Mason fallen aus. Kenneth Ogbe trainierte am Donnerstag zwar wieder mit der Mannschaft, muss nach seiner Gehirnerschütterung aber sehen, wie der Kopf auf die Belastung reagiert. Diese Verletzung hat Johannes Thiemann hat Probleme an der Schulter, sein Mitwirken so fraglich wie bei Ogbe. Für den ersten Titel seit 2016, nach zuletzt fünf Finalniederlagen werden sie aber alles versuchen, damit sie ihr Team auf dem Feld unterstützen. Und wäre David Hanselmann ein Berliner, würde sicher auch er sein „Go get the Cup“ in der Arena am Ostbahnhof trällern.