Berlin - Für die kommenden zwei Spiele lässt sich die Frage sicher beantworten: Auf welchem TV-Sender können die Fans die Partien der deutschen Fußball-Nationalmannschaft schauen? Für die bevorstehenden Begegnungen in der Nations League aber gibt es darauf keine Antwort. Das Spiel am Sonnabend, das erste Länderspiel der deutschen Nationalelf in diesem Jahr, gegen Israel, läuft im ZDF, die Partie gegen die Niederlande drei Tage später überträgt die ARD. Danach aber hört es für die Fans mit der Gewissheit über die richtige Wahl des TV-Senders auch schon auf. Denn: Wer das Spiel am 4. Juni in Italien zeigt, ist hingegen völlig offen. Und das Gleiche gilt für 59 weitere Spiele der DFB-Auswahl bis 2028. Für die Medienrechte dieser Spiele hat sich bisher noch kein Käufer gefunden.

Gesamtpaket für eine halbe Milliarde Euro

Die Uefa hat über die Agentur CAA Eleven das umfangreichste Rechtepaket ihrer Geschichte ausgeschrieben. Neben den 60 Partien der deutschen Mannschaft stehen mehr als 1200 weitere Spiele zum Verkauf. Ein Sender könnte alles kaufen, zumindest theoretisch. „Ein Erwerb aller Spiele des ausgeschriebenen Pakets durch ein einzelnes Medienunternehmen halte ich angesichts des finanziellen Gesamtvolumens, aber auch aus programmlichen Erwägungen nicht für wahrscheinlich“, sagte der Rechte-Experte Christian Frodl von der Kanzlei Klinkert Rechtsanwälte. Der Preis wird auf insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Die Uefa wollte sich nicht im Detail äußern. Nur so viel gab der Verband bekannt: Der Verkaufsprozess für den deutschen Markt begann am 12. November vergangenen Jahres, und das offizielle Ende für die Abgabe von Angeboten durch Medien-Unternehmen war der 10. Dezember.

Das Angebot der Uefa setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Das größte Teilpaket sind die Qualifikationsspiele für die Europameisterschaften 2024 und 2028 sowie für die Weltmeisterschaft 2026. Im Angebot sind zudem drei Nations-League-Spielzeiten (2022/23, 2024/25 und 2026/27) sowie Testspiele. Parallel werden außerdem die Rechte für die Fußball-Europameisterschaft 2028 angeboten.

Die Uefa „sollte im Sinn des Kunden versuchen, die Fragmentierung der Rechte im Rahmen zu halten“, sagte Frodl, der früher für die DFL und Sky im Rechtehandel tätig war. „Dem Fußballfan wird schon aktuell eine sehr gute Navigationsfähigkeit zugemutet.“ Anders ausgedrückt: Es ist sehr unübersichtlich, auch bei Länderspielen. So liefen Nations-League-Partien ohne deutsche Beteiligung zuletzt beim kostenpflichtigen Streamingdienst DAZN. Und RTL darf aufgrund eines Kontraktes von 2016 in diesem November noch einmal Testspiele der DFB-Auswahl zeigen.

Als mögliche Käufer für die Übertragungsrechte der DFB-Spiele gelten aufgrund der hohen Kosten nur ARD/ZDF, die RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1. Die öffentlich-rechtlichen Sender zeigten zuletzt die Nations League, haben grundsätzliches Interesse signalisiert, wollten sich jedoch zur derzeitigen Ausschreibung nicht äußern. Genauso schweigsam sind RTL, wo zuletzt EM- und WM-Qualifikationsspiele gezeigt wurden, und ProSiebenSat.1.

Spiele müssen im frei empfangbaren Fernsehen laufen

Dass noch keine Abschlüsse erzielt wurden, liegt auch daran, dass die Uefa durch Corona später als ursprünglich geplant mit dem Verkaufsprozess über CAA Eleven begann – aber natürlich in erster Linie am Preis. Die deutschen Spiele sind sehr begehrt, die anderen Partien eher nicht. Auch der Zeitraum bis 2028 ist für die Planung von Privatsendern sehr lang. Abschlüsse gibt es laut Uefa derzeit nur in kleineren Märkten wie Österreich, Belgien oder den skandinavischen Ländern. Für die Fans ist es zumindest beruhigend zu wissen, dass sie die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auch zukünftig ohne Zusatzkosten sehen können. Sie müssen laut Rundfunkstaatsvertrag im frei zu empfangenden Fernsehen gezeigt werden.