Er kann es noch: Pal Dardai beim Traditionsmasters in der Max-Schmeling-Halle im Januar 2020.
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BerlinDie Torschützen trugen klangvolle Namen: Peter Niemeyer, Christian Gimenez, Pal Dardai, Sejad Salihovic und Marcel Njeng trafen beim 5:2-Sieg der Legenden von Hertha BSC gegen die mit ehemaligen Nationalspielern aus Georgien gespickte Mannschaft von Dinamo Tiflis. Das passierte im Finale der 11. Auflage des AOK-Traditionsmasters im Januar. Die Max-Schmeling-Halle war mit 8000 Zuschauern ausverkauft. Alexander Iashwili avancierte zum besten Torschützen, Union-Legende Torsten Mattuschka wurde zum Publikumsliebling gewählt und der langjährige Dortmunder Bundesliga-Keeper Roman Weidenfeller nahm die Ehrung als bester Torhüter entgegen.

Das alles ist nun erst gut neun Monate her, erscheint aber wie aus einer anderen Welt, der Welt vor Corona. Die 12. Auflage des mittlerweile größten Hallenfußball-Spektakels in Europa ist für den 8. und 9. Januar 2021 in der Schmeling-Halle geplant, aber der langjährige Organisator und Turnierdirektor Bernd Kühn, Chef von Kühn-Sportconsulting mit Sitz in Berlin, musste sämtliche Vorbereitungen stoppen. Das Virus bringt die Austragung des beliebten Treffs ehemaliger Fußballstars, die in der Vergangenheit auch aus Spanien, England, Island, Schottland oder Tschechien kamen, in ernsthafte Gefahr.

„Wir brauchen normalerweise gut ein Jahr für die Vorbereitung der zweitägigen Veranstaltung, die zuletzt stets an beiden Turniertagen mit je 8000 Fans ausverkauft war“, sagt Kühn. Der 51-Jährige kontaktiert meist Monate vorher mögliche Teilnehmer, lädt Vertreter der Teams schon mal nach Berlin ein – so wie zuletzt die Glasgow Rangers oder Sparta Prag. Kühn hat die Halle für die beiden Januar-Tage geblockt, auch die Übertragungszeiten im Fernsehen bei Sport1 stehen fest. Die ehemaligen Profis von Hertha BSC, des 1. FC Union, von Bayer Leverkusen wollen kommen, Dinamo Tiflis mit Lewan Kobiaschwili und Alexander Iashwili haben sich angekündigt. Tennis Borussia, 2020 erstmals dabei, möchte unbedingt mitspielen. Real Madrid? FC Barcelona? Tottenham Hotspur? Auch sie gaben sich schon die Ehre in der Schmeling-Halle.

„Alles wäre beinahe perfekt“, sagt Kühn, „aber dann kam das Virus.“ Die Vorbereitungen für den Kartenvorverkauf wurden gestoppt. Kühn musste in seiner Firma im April vier Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und versuchte, verschiedene Themen anzuschieben. „Wir haben zu Beginn der Pandemie ein anspruchsvolles Fußballquiz für alle Interessierten über die digitalen Kanäle angeboten. Das kam sehr gut an“, sagt Kühn. Er überlegt, wie man die Fans trotz der Ungewissheit bei der Stange halten und in Kontakt mit den Legenden bringen kann. „Nächste Schritte könnten vielleicht eine Oldtimer-Tour oder eine Fahrradtour zu wichtigen Fußball-Orten in der Stadt mit gemütlichem Beisammensein mit einem Ex-Profi sein.“

Alba und Füchse im Blick

Bei Kühn klingelt oft das Telefon. Die Teams wollen wissen, wie der Stand der Dinge ist. Dariusz Wosz, einst als Zaubermaus bei Hertha BSC beliebt und schon dreimal zum besten Spieler des Turniers gekürt, meldet sich regelmäßig und hofft, dass der Treff im Januar trotz Auflagen stattfinden kann. Wosz sagt: „Das ist ja alles viel mehr als nur Fußball. Das ist wie ein Klassentreffen, und die Fans wollen ihre Idole von früher immer wieder gerne sehen.“

Kühn beobachtet gespannt, wie sich die Lage in Zeiten wieder steigender Infektionszahlen in der Fußballbundesliga entwickelt und auch in den Hallensportarten wie bei den Handball-Füchsen oder den Basketballern von Alba Berlin. Er arbeitet an einem schlüssigen Hygienekonzept, was in der Schmeling-Halle einen Kraftakt bedeutet. An beiden Turniertagen sind insgesamt rund 600 Helfer im Einsatz. Rund 6000 Zuschauer pro Tag brauchen die Veranstalter, um eine schwarze Null zu erreichen. „Ich strecke nicht die Waffen“, kündigt Bernd Kühn an, „wir haben viel Erfahrung und können relativ kurzfristig das Turnier auf die Beine stellen.“ Im November aber ist Deadline. Viel Zeit bleibt nicht, damit die Legenden auflaufen können.