Leere Ränge wie bei den Länderspielen der deutschen Fußballnationalmannschaft in Köln drohen auch der Bundesliga.
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BerlinDas skurrile Corona-Wirrwarr auf den Tribünen der deutschen Sportarenen erreichte am Dienstag in Köln einen absurden Höhepunkt. Denn während am Mittag 999 Menschen zum ATP-Turnier mit Tennisstar Alexander Zverev in die Lanxess-Arena pilgern durften, waren die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für das Länderspiel am Abend auf der anderen Rheinseite, keine acht Kilometer entfernt, längst ausgesperrt. Offizielle Begründung: die hohen Infektionszahlen in der Domstadt. Auch in Berlin, ebenfalls seit der vergangenen ein Risikogebiet, durften am Abend 700 Zuschauer in die Arena am Ostbahnhof.

Die Verwirrung aufgrund solcher Entscheidungen wächst von Tag zu Tag, die Forderungen nach Nachvollziehbarkeit sind nicht mehr zu überhören. „Was wir brauchen, ist eine bundesweite einheitliche Lösung nach gewissen Parametern, die für alle gelten“, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge jüngst der Bild. In München dürfen beispielsweise bis einschließlich 25. Oktober keine Fußballspiele vor Zuschauern stattfinden. Während etwa Schalke 04 oder der 1. FC Köln am Wochenende wohl Geisterspiele austragen müssen, sind bei Borussia Mönchengladbach (noch) 10.800 Fans erlaubt.

Angesichts des aktuellen Flickenteppichs blickt der deutsche Sport am Mittwoch gebannt nach Berlin, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten auf einer Krisenkonferenz über neue Einschränkungen berät. Auch wenn Beherbergungsverbote und der Schutz von Schulen die Debatte momentan beherrschen: Dem Sport im Allgemeinen und dem Fußball im Speziellen droht die erneute Vollsperrung und damit die Rückkehr zu ungeliebten Geisterspielen.

Klar ist: Während in immer mehr deutschen Städten die Corona-Ampel auf Rot springt, rückt die Fan-Zulassung in den Stadien zwangsläufig zurück in den Fokus. „Man kann überlegen, ob man bei Fußballspielen wieder weniger Leute oder gar keine reinlässt“, sagte Merkel zuletzt nach einem Treffen mit den Bürgermeistern von elf Großstädten. Ihre Worte dürften für die Klubs und Fans gleichsam wie eine Drohung klingen, Spiele vor leeren Rängen stehen anscheinend plötzlich wieder auf der politischen Agenda. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) erwartet für Mittwoch eine Debatte, die eine „historische Dimension“ annehmen könnte.

Freilich wird angesichts der Infektionszahlen, die allerorts in die Höhe schießen, der Sport nicht oben auf der Prioritätenliste der Spitzenpolitiker stehen. Dennoch werden die Stimmen immer lauter, die einen einheitlichen Maßnahmenkatalog im immer undurchsichtigeren Verordnungs-Chaos um Zulassung oder Ablehnung von Zuschauern fordern. Michael Ströll, Geschäftsführer des FC Augsburg, bat nach dem Zuschauerausschluss für das Spitzenspiel gegen RB Leipzig darum, die Diskussion um die Zulassung von Zuschauern künftig „objektiver“ zu führen.

Für Aufatmen bei den Fußballern sorgte am Dienstag zumindest die Nachricht, dass ein TV-Blackout am kommenden Bundesliga-Wochenende abgewendet scheint. Der kicker hatte von möglichen Auswirkungen der steigenden Infektionszahlen auf die TV-Berichterstattung berichtet. „Angesichts der jüngsten pandemischen Entwicklung auch in Deutschland befasst sich die ‚Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb‘ derzeit intensiv mit dem Ablauf bezüglich der Zulassung der im medizinisch-hygienischen Arbeitsschutz-Konzept berücksichtigten Personengruppen zu den Stadien“, teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf Anfrage mit.

Nach SID-Informationen werde derzeit nach praktikablen Lösung für Journalisten und Techniker gesucht, um ihnen ein Arbeiten vor Ort zu ermöglichen. So könnte es sein, dass Personen, die aus Risikogebieten zu den Spielen gehen wollen, sich besonderen Verhaltensmaßnahmen unterwerfen müssen, etwa dem permanenten Tragen einer Maske. Außerdem könnte es sein, dass ein spezieller Fragenkatalog von den betreffenden Personen, die aus Risikogebieten anreisen, ausgefüllt werden muss. Darin wird nochmals nachfragt, ob die allgemein geltenden Hygieneregeln eingehalten wurden. Ein Schnelltest ist aber nach SID-Informationen nicht angedacht.