BerlinWahrscheinlich noch nie hat ein Deutschland Cup so nachgewirkt wie in diesem Jahr. Denn die Eishockeybranche hat in den vergangenen Tagen nicht nur gezeigt, dass sie noch lebt. Sondern sie hat offenbart, dass trotz aller Widrigkeiten und Hygienemaßnahmen hochklassiger Sport transportiert werden kann. „Ich denke, wir haben ein Zeichen gesetzt, dass es geht“, sagte Yannic Seidenberg vom EHC Red Bull München nach der am Ende kaum beachteten Final-Niederlage gegen Lettland (2:3 nach Verlängerung).

Wenn man so will, waren die vergangenen Tage die Probe zur Generalprobe. Denn ab Mittwoch steigt mit dem MagentaSport Cup ein Format, das immerhin acht Teams aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) eine Möglichkeit bieten soll, sich auf den geplanten Start der neuen Saison Ende Dezember einzustellen. Und einen Eindruck dafür zu bekommen, wie sich ein Spielbetrieb in Corona-Zeiten anfühlt. Am 12. Dezember soll der Champion dieses Turniers feststehen.

Eisbären Berlin starten am Freitag gegen Schwenningen

Den Auftakt machen zunächst die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven und die Krefeld Pinguine. Am Freitag greifen die Eisbären ins Geschehen ein, mit einem Heimspiel im Wellblechpalast (19.30 Uhr) gegen die Schwenninger Wild Wings. Alle Partien des Turniers sind auf MagentaSport zu sehen, auch ohne Zuschauer können die Vereine mit einer Zuwendung aus den Übertragungsrechten planen.

Auch Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer hat in den vergangenen Tagen aufmerksam in Richtung Deutschland Cup geschaut. Weil natürlich auch er erleichtert ist, dass das Eishockey endlich wiedererwacht ist. Zudem beobachtete Richer aufmerksam, wie sich die abgestellten EHC-Profis schlagen. Mit vier A-Nationalspielern und fünf Profis, die im Top Team Peking aufliefen, hatten die Berliner ein Großaufgebot gestellt. Und viele wussten dabei zu überzeugen.

Von Stürmer Marcel Noebels, 28, und Torwart Mathias Niederberger, 27, ist man Glanztaten im DEB-Trikot gewohnt. Dass Leon Gawanke, 21, bei seinen ersten Länderspielen derart überzeugen konnte, bestätigt die hohe Meinung, die sie bei den Eisbären von ihm haben. Richer sagt: „Er ist ja noch jung, aber er hat schon die Erfahrung eines Erwachsenen. Er trifft viele gute Entscheidungen.“ Der Verteidiger, der aktuell vom NHL-Klub Winnipeg Jets an seinen Heimatverein ausgeliehen ist, sagte: „Anfangs war ich schon sehr nervös, aber das hat sich dann gelegt.“

Richer hebt zudem Haakon Hänelt hervor. Der 17 Jahre alte Stürmer lief bislang für die U18 auf, empfahl sich mit forschen Auftritten und einem Tor bereits für die kommende U20-WM. „Er hat das richtig gut gemacht“, lobt Richer. „Wir sehen ja bei Lukas Reichel, wie gut du dich entwickeln kannst, wenn du die richtigen Mitspieler hast.“ In den kommenden Tagen sollen diese Qualitäten nun beim DEL-Turnier zum Tragen kommen.

Am 19. November fällt die Entscheidung über den Saisonstart

Am 19. November soll dann die Entscheidung fallen, ob sich der geplante Saisonstart diesmal halten lässt. Momentan geht die Tendenz dorthin, auch wenn weiter keine Zuschauer zugelassen sein sollten. Da allmählich die beantragten finanziellen Hilfen aus dem 200-Millionen-Euro-Programm des Bundes für notleidende Sportarten bei den Klubs ankommen, kehrt Hoffnung zurück.

Die Vorfreude, die man zum Beispiel in Berlin offenbart, teilt man indes nicht an allen Standorten der Liga. Der Verzicht aufs Publikum fällt dem deutschen Zuschauer-Krösus Kölner Haie besonders schwer. Seit Mai sind die Haie-Profis in Kurzarbeit, die Spieler verzichten zudem auf 60 Prozent ihres Gehaltes. Mit dem Verkauf von imaginären Eintrittskarten will der Traditionsclub Geld einnehmen, um an einer möglichen Saison teilnehmen zu können. Wahrscheinlich wird dies klappen.

Haie-Geschäftsführer Philipp Walter ist dennoch für den Saisonstart – trotz aller Probleme. Ein Jahr ohne DEL-Spielzeit würde einen „nachhaltigen Schaden“ für das Eishockey bedeuten, sagte er dem Deutschlandfunk.

Die Anstrengungen für einen Liga-Spielbetrieb werden aber größer sein, als sie es beim Deutschland Cup ohnehin schon waren. Beim Liga-Turnier müssen alle Spieler 36 Stunden vor einer Partie einen Corona-Test absolvieren. Beim Deutschland Cup ließ der DEB 500 Tests durchführen – alle waren negativ. Allerdings verbrachten die drei Teams die Tage in Krefeld jeweils in einer eigenen Blase. Das lässt sich in der Liga kaum darstellen. „Für die DEL wird es natürlich noch mal schwieriger“, räumte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, ein. „Da haben die Spieler natürlich Kontakt zu ihren Familien, Eltern, Kindern und Großeltern.“ Was sie auch brauchen, um über eine zwar verspätete, aber doch geplant komplette Saison Höchstleistung abrufen zu können.