Still, aber da: Pappkameraden im Borussia-Park.
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BerlinVielleicht wäre Christian Seifert dieser Tage einfach froh, wenn er auch nur einer dieser Pappkameraden wäre, die als Kulisse im Borussia-Park stehen. Der Geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mag die Idee der Fanprojekte jener Borussia aus Mönchengladbach, Pappfiguren anzufertigen, die bald bei Geisterspielen  Rückendeckung geben könnten. Vielleicht schon am 9. Mai. Seifert, 50, versucht seit einem Monat die Akzeptanz herzustellen, dass der Ball rollen darf. Entscheidende Weichen werden bei der Mitgliederversammlung an diesem Donnerstag gestellt. 

Seifert scheint diesmal innerhalb der 36 Lizenzvereine weit weniger Überzeugungsarbeit leisten zu müssen als in der Politik. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte zwar, er könne sich vorstellen, „dass wir uns von Spieltag zu Spieltag entwickeln“. Aber agiert ein Profibetrieb, der ohne Corona-Krise in dieser Saison die Grenze von fünf Milliarden Euro Umsatz überschritten hätte, nicht immer in kurzen Perioden?

Künftig mehr Nachhaltigkeit

Deshalb ist der wirtschaftliche Druck immens. An vielen Orten wird die letzte Rate der Medienerlöse ersehnt, ohne die drohen  Insolvenzen – drei bis Juni im Oberhaus. Das DFL-Präsidium hält fest: „Spiele ohne Zuschauer möchte niemand. Sie sind derzeit für einige Klubs die einzige Möglichkeit, die wirtschaftliche Existenz auch als Arbeitgeber zu sichern.“ Immerhin hat die Liga jetzt konstatiert, „dass „künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen“. Abwarten.

Zuerst soll ein Mannschaftstraining starten, dann die Saison wieder anlaufen. Ob das am 9. Mai passiert, ist längst nicht abgesegnet. Gegenwind kommt aus der Gesellschaft, aber auch von diversen Fanorganisationen, die teils sehr dezidierte Kritik am Gesamtkonstrukt äußern.

Angesprochen sind damit vor allem die Vereine, für die die DFL jetzt das Beste versucht: Das von der „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer erarbeitete Papier stellt das Herzstück dar, damit die Mitte März unterbrochene Saison unter neuen Rahmenbedingungen zu Ende gespielt wird.

Das Konzept umfasst allein für die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings 31 Punkte. Auf 41 Seiten enthalten sind Hinweise zur Händedesinfektion, aber auch die Empfehlung, die Spieler sollten zuhause duschen. Wäsche und Schuhe sollen selbst gereinigt werden zum Schutz des Zeugwarts. Appelliert wird an die Vorbildfunktion der Profis „bezüglich der Hygiene- und Isolierungsmaßnahmen“. Das vierköpfige Fachgremium war so klug, festzuhalten, Ziel könne nicht sein, „hundertprozentige Sicherheit für alle Beteiligten zu garantieren“.

Die gibt es auch in einer Sonderzone nicht, wenn weit mehr als 200 Personen an einem Spiel beteiligt sind, auch wenn diese auf drei Zonen verteilt werden. Daher sollen so wenige Personen wie möglich in die Stadien kommen. So stehen am Spielfeldrand nur vier statt sonst zwölf Balljungen. Die DFL meint, es sei falsch, „wenn unterstellt wird, dass eine mögliche engmaschige Testung eine Unterversorgung der Bevölkerung verursache“.

Fragwürdiges Versteckspiel

Die „Akkreditierten Labore in der Medizin“ (ALM) hätten 640.000 Tests pro Woche zur Verfügung, 20.000 benötige der Profifußball für die Saison. Heikel ist der Umgang mit positiv Getesteten. Es gehe um „die Beruhigung und Aufklärung über den Sachverhalt (keine Panik, strategische Ausrichtung des Teams, Kontrolle der Hygienemaßnahmen, etc.)“, positive Fälle sollten nicht automatisch an die Presse gelangen.

In Punkt 26 heißt es: „Anonyme Meldungen der Infizierten ausschließlich an DFL/Prof. Meyer. Das klingt nach einem fragwürdigen Versteckspiel, denn den Klubs wird empfohlen, „frühzeitig für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale zu sorgen“. Offenbar sollen   Corona-Fälle nicht den Spielbetrieb lahmlegen.